Odenwaldschule entschuldigt sich bei Opfern
09.03.10

Foto: dpa bildfunk
"Wir sehen und wissen, dass es Leid war“
Die Odenwaldschule im hessischen Heppenheim entschuldigt sich bei den Opfern und geht im Missbrauchsskandal in den eigenen Reihen in die Offensive. "Wir wollen eine offene und offensive Aufarbeitung“, sagte Direktorin Margarita Kaufmann bei einer Pressekonferenz in dem Internat
Alle rund 900 Altschüler der Jahrgänge 1970 bis 1985 werden angeschrieben. "In diesem Brief spreche ich den Opfern eine Entschuldigung in Namen der Odenwaldschule aus“, erklärte Kaufmann und ergänzte mit brüchiger Stimme: "Wir sehen und wissen, dass es Leid war.“ Dabei betonte sie, dass es sich nur um Fälle handelt, die 20 oder mehr Jahre zurückliegen. „Wir gehen davon aus, dass derzeit in der Odenwaldschule kein Missbrauch stattfindet.“
Zuvor hatte die Direktorin erstmals bestätigt, dass nicht nur männliche Schüler betroffen sind. Am Wochenende hätten sich weitere Ehemalige gemeldet, sagte sie. Darunter sei auch eine Frau. "Ihre Erfahrungen waren so schlimm, dass sie am Telefon weinte.“ Kaufmann geht von einem ehemaligen Schulleiter und zwei früheren Lehrern als mutmaßlichen Tätern aus. Einer der Lehrer sei verstorben. Die zuvor von ihr genannten 24 Opfer wollte die Schulleiterin nicht noch mal bekräftigen. "Ich kann nicht stündlich Opferstandsmeldungen machen.“
Wichtiger sei es, diesen Ex-Schülern zu helfen. Deshalb werde eine Hotline eingerichtet. Zur bereits 1999 gestellten Strafanzeige gegen den damaligen Internatsleiter sagte die seit 2007 amtierende Direktorin: „Die Schule hat nichts verschleiert, aber auch nicht aktiv recherchiert.“ Die Staatsanwaltschaft Darmstadt hatte damals wegen der Verjährung der angeblichen Vorfälle nicht ermittelt. "Es ist unsere Pflicht zu prüfen, ob tatsächlich alle nun bekannt gewordenen Fälle verjährt sind. Sollte dies nicht der Fall sein, werden wir umgehend die Staatsanwaltschaft einschalten“, kündigte die hessische Kultusministerin Dorothea Henzler an.
Alle rund 900 Altschüler der Jahrgänge 1970 bis 1985 werden angeschrieben. "In diesem Brief spreche ich den Opfern eine Entschuldigung in Namen der Odenwaldschule aus“, erklärte Kaufmann und ergänzte mit brüchiger Stimme: "Wir sehen und wissen, dass es Leid war.“ Dabei betonte sie, dass es sich nur um Fälle handelt, die 20 oder mehr Jahre zurückliegen. „Wir gehen davon aus, dass derzeit in der Odenwaldschule kein Missbrauch stattfindet.“
Zuvor hatte die Direktorin erstmals bestätigt, dass nicht nur männliche Schüler betroffen sind. Am Wochenende hätten sich weitere Ehemalige gemeldet, sagte sie. Darunter sei auch eine Frau. "Ihre Erfahrungen waren so schlimm, dass sie am Telefon weinte.“ Kaufmann geht von einem ehemaligen Schulleiter und zwei früheren Lehrern als mutmaßlichen Tätern aus. Einer der Lehrer sei verstorben. Die zuvor von ihr genannten 24 Opfer wollte die Schulleiterin nicht noch mal bekräftigen. "Ich kann nicht stündlich Opferstandsmeldungen machen.“
Wichtiger sei es, diesen Ex-Schülern zu helfen. Deshalb werde eine Hotline eingerichtet. Zur bereits 1999 gestellten Strafanzeige gegen den damaligen Internatsleiter sagte die seit 2007 amtierende Direktorin: „Die Schule hat nichts verschleiert, aber auch nicht aktiv recherchiert.“ Die Staatsanwaltschaft Darmstadt hatte damals wegen der Verjährung der angeblichen Vorfälle nicht ermittelt. "Es ist unsere Pflicht zu prüfen, ob tatsächlich alle nun bekannt gewordenen Fälle verjährt sind. Sollte dies nicht der Fall sein, werden wir umgehend die Staatsanwaltschaft einschalten“, kündigte die hessische Kultusministerin Dorothea Henzler an.
Aufklärung systematisch verhindert
Nach Einschätzung der früheren Schülerin Amelie Fried wird die Aufklärung systematisch vom Vorstand des Trägervereins behindert. Kaufmann habe sich von Beginn stark für die Aufklärung eingesetzt, sagte die TV-Moderatorin und Bestsellerautorin dem Radiosender hr1. Sie und ihre Mitschüler hätten damals "gewisse Ahnungen“ gehabt, zumal der beschuldigte Schulleiter ganz offensichtlich seine Günstlinge gehabt habe.Das ganze Ausmaß sei aber nicht bekannt gewesen. "Als Kind fragt man da nicht nach“, sagte Fried. Grundsätzlich seien Internatsschulen anfällig für solche Ereignisse, da die Generationen eng zusammenlebten. Sie stehe zu der Odenwaldschule mit ihren großen pädagogischen Verdiensten, erklärte Fried. Man müsse die Aufklärung so anpacken, dass die Aufarbeitung den Opfern gerecht werde.
Das Internat in Hessen gehört wurde vor 100 Jahren gegründet und gehört zu den bekanntesten deutschen Reformschulen. "Familie“ heißen dort die Klassen mit maximal 17 Schülern. Lehrer und Schüler sind per Du und leben eng zusammen. Zu den prominenten Ehemaligen gehörten auch der Europa-Abgeordnete Daniel Cohn-Bendit (Grüne) und Erotik-Unternehmerin Beate Uhse.












