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Missbrauchsskandal: Ratzinger-Brüder unter Druck

14.03.10
Vorbelasteter Pfarrer weiter eingesetzt
Foto: dpa bildfunk

Vorbelasteter Pfarrer weiter eingesetzt

Der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche hat endgültig den deutschen Papst Benedikt XVI. erreicht. Er hat in seiner Amtszeit als Münchner Erzbischof in einem Missbrauchsfall der Kirche eine folgenschwere Entscheidung mitgetragen.

Wie die 'Süddeutsche Zeitung' berichtet, wurde ein vorbelasteter katholischer Priester 1980 nach Bayern versetzt und wieder in eine Gemeinde geschickt. Dort verging er sich erneut an Jugendlichen, 1986 wurde er verurteilt. Ratzinger soll dem Umzug des Mannes von Essen nach München zugestimmt haben, jedoch nicht dem Einsatz in einer Gemeinde. Die Erzdiözese bestätigte den 'SZ'-Bericht und räumte schwere Fehler ein.

Das Bistum München und Freising teilte mit, dass der frühere Generalvikar Gerhard Gruber die "volle Verantwortung" übernehme. Vatikansprecher Federico Lombardi schloss sich der Darstellung an und betonte, der heutige Papst selbst "habe mit der Sache nichts zu tun". Der Vatikan sieht dagegen Kräfte am Werk, die Benedikt XVI. im Skandal um sexuelle Missbrauchsfälle in Deutschland direkt treffen wollen. Nach Angaben der 'SZ' saß Benedikt XVI. als Erzbischof im Ordinariatsrat des Bistums, der dem Umzug des Priesters zustimmte. Ratzinger habe allerdings nicht gewusst, dass der Mann wieder in eine Gemeinde zum Aushelfen gesandt wurde.

Der versetzte Priester war 1982 bis 1985 in einer Gemeinde tätig. Im Juni 1986 wurde der Kaplan laut Bistum wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger zu 18 Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung und 4.000 Mark Geldstrafe verurteilt. Ratzinger war 1982 nach Rom gegangen. Nach Angaben des Erzbistums ist der Geistliche weiter tätig, darf aber seit Oktober 2008 keine Kinder-, Jugend- und Ministrantenarbeit mehr machen.

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Vergewaltigungen bei Domspatzen bis in die 90er

Zuvor hatte sich Benedikt XVI. im Vatikan "erschüttert" über den Bericht der deutschen Bischöfe über den Missbrauchsskandal in Deutschlands Kirche gezeigt. "Mit großer Betroffenheit und tiefer Erschütterung hat der Heilige Vater meinen Bericht zur Kenntnis genommen", sagte der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Robert Zollitsch. Der Papst unterstütze die Bischöfe in ihrem Vorgehen. Dies reicht nach Ansicht der Reformbewegung "Wir sind Kirche" aber nicht aus, eine Entschuldigung von Benedikt XVI. sei überfällig.

Der Missbrauchsskandal beim weltbekannten Knabenchor Regensburger Domspatzen soll nach einem 'Spiegel'-Bericht bis in die 90er Jahre gedauert haben - länger als bisher bekannt. Am Samstag berichtete das Magazin vorab, dass sich neue Betroffene gemeldet hätten. Es gehe nicht mehr nur um Vorwürfe aus den 50er und 60er Jahren. Ein Ex-Schüler sagte demnach, dass er in dem Internat bis 1992 sexuelle und körperliche Gewalt allgegenwärtig erlebt habe. Ältere Schüler hätten ihn vergewaltigt, auch in der Wohnung eines Präfekten sei es zu Verkehr zwischen Schülern gekommen.

"Die haben den Druck eines totalitären Systems eben weitergegeben", sagte Thomas M. dem 'Spiegel'. Der Chor-Chef von 1964 bis 1994 und Bruder des heutigen Papstes, Georg Ratzinger (86), wurde von dem zitierten Ex-Domspatz als "extrem cholerisch und jähzornig" erlebt. Ratzinger habe noch Ende der 80er Jahre bei Chorproben Stühle nach den Jungen geworfen, wenn er wütend gewesen sei. Laut 'Spiegel' wollten sich zunächst weder das Bistum Regensburg noch Ratzinger zu den Vorwürfen äußern.

Vor wenigen Tagen hatte Georg Ratzinger der 'Passauer Neuen Presse' gesagt, dass er bis Ende der 70er Jahre hin und wieder Ohrfeigen verteilt habe, doch habe er nie jemanden grün und blau geschlagen. Er hatte in dem Interview bekräftigt, von sexuellem Missbrauch nichts gewusst zu haben - auch nicht gerüchteweise.

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