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Missbrauchsskandal: Papst bricht das Schweigen

16.03.10

Foto: dpa bildfunk

Schweigen sei "auf Gründlichkeit" des Papstes zurückzuführen

Der Vatikan hat eine Erklärung des Papstes zum sexuellen Missbrauch in kirchlichen Einrichtungen angekündigt. Benedikt XVI. werde sein Schweigen brechen und schon bald in einem Hirtenbrief an die irischen Bischöfe klare Maßnahmen bekanntgeben. Dies erklärte der Chef der päpstlichen Akademie für das Leben, Erzbischof Rino Fisichella, in einem Interview des Mailänder 'Corriere della Sera'. Das Schweigen des Kirchenoberhaupts sei auf die "Gründlichkeit und Gewissenhaftigkeit" des Pontifex zurückzuführen, mit der dieser sich ein Bild der Lage mache.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bewertet das Verhalten des Papstes als Unterstützung für die deutschen Bischöfe. "Die Bundeskanzlerin begrüßt, dass der Heilige Vater die Notwendigkeit einer vollständigen Aufklärung dieser abscheulichen Taten ausdrücklich unterstrichen hat", sagte der stellvertretende Regierungssprecher Christoph Steegmans.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, und Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) treffen sich am 15. April zu einer Aussprache. Dies teilte das Justizministerium in Berlin mit. Nähere Einzelheiten über das Treffen wurden nicht genannt.

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Neue Fälle von Missbrauch

Derweil sind wieder neue Fälle von Missbrauch bekanntgeworden. Im katholischen Internat und Gymnasium Haus Overbach in Jülich (Kreis Düren) sollen in den 1950er Jahren drei Menschen von Ordensleuten sexuell missbraucht worden sein. Die drei Opfer hätten sich später an anderen Privatschulen und Internaten gemeldet, teilte der Schulträger, die Deutschsprachige Ordensprovinz der Oblaten des heiligen Franz von Sales (OSFS), in Wien mit. Die beschuldigten Ordensleute seien Lehrer gewesen und bereits gestorben.

Die Bundesregierung will bis Ostern einen eigenen Maßnahmenkatalog zum Thema sexueller Missbrauch vorlegen. "Wir werden jetzt zu klären haben, welche Maßnahmen die Bundesregierung selbst ergreift oder veranlasst. Das betrifft die Prävention, die Verjährungsfristen, die Frage, bleibt sexueller Missbrauch Vergehen oder strafrechtlich relevanter Tatbestand", sagte Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) der 'Südwest Presse'.

In Deutschland hatten sich zuletzt immer mehr kritische Stimmen zu Wort gemeldet. Die katholische Jugend forderte den Papst auf, Stellung zu beziehen. "Das beschäftigt die Menschen, ob sie gläubig sind oder nicht, und der Heilige Vater sollte sich dazu äußern", sagte der Vorsitzende des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), Dirk Tänzler, der 'Berliner Zeitung'.

Am Freitag war eine folgenreiche Entscheidung aus Joseph Ratzingers Amtszeit als Münchner Erzbischof (1977 bis 1982) bekannt geworden: Der spätere Papst hatte 1980 der Versetzung eines Priesters von Essen nach München zugestimmt, der zuvor einen Elfjährigen sexuell missbraucht haben soll. Später wurde der Priester wegen erneuten sexuellen Missbrauchs verurteilt.

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