Düsseldorf: Autistische Kinder gequält
09.03.10

Foto: AUTOIMPORT
"Erschreckende Bilder"
Die Vorwürfe an eine Einrichtung des evangelischen Sozialwerks Diakonie in Düsseldorf wiegen schwer: Autistische und verhaltensauffällige Kinder, die körperlichen Kontakt nicht ertragen können, sollen stundenlang umklammert oder an Stühlen festgebunden worden sein. Bei Gegenwehr soll ihnen Essen entzogen worden sein. Zum Teil seien die Kinder über mehrere Tage eingesperrt worden.
Davon geht die Staatsanwaltschaft Düsseldorf aus. Sie ermittelt gegen 17 ehemalige Mitarbeiter eines Tochterunternehmens der Graf-Recke-Stiftung, bestätigte Sprecher Johannes Mocken. Dabei gehe es um Misshandlung Schutzbefohlener, Freiheitsberaubung und Nötigung bei der Stiftungstochter Educon. Sie betreibt Schulen für behinderte und verhaltensauffällige Kinder im Großraum Düsseldorf. Es handele sich aber nicht um den Vorwurf des sexuellen Missbrauchs, betonte der Staatsanwalt. Er sprach von einem "extrem rüden Umgang“ mit den Kindern.
Grundlage der Ermittlungen seien unter anderem zahlreiche Videos, auf denen die Misshandlungen gefilmt worden seien: "Die Bilder sind teilweise extrem erschreckend.“ Die Ermittlungen würden Monate dauern. Die Staatsanwaltschaft wertet derzeit rund 200 Stunden Videomaterial aus. Wie viele Kinder gequält wurden, sei unklar. Nach Angaben eines Sprechers der Diakonie ist bei den Kindern die in der Psychologie sehr umstrittene "Festhaltetherapie“ angewandt worden. Dies sei möglicherweise zur Dokumentation gefilmt worden.
Die Vorwürfe seien ihm im Sommer 2009 bekanntgeworden, als Educon bei Staatsanwaltschaft und Jugendamt Selbstanzeige erstattete, so Mocken. Die betroffenen Mitarbeiter und die Bereichsleitung sind nach Angaben der Stiftung zunächst vom Dienst suspendiert und später entlassen worden.
Davon geht die Staatsanwaltschaft Düsseldorf aus. Sie ermittelt gegen 17 ehemalige Mitarbeiter eines Tochterunternehmens der Graf-Recke-Stiftung, bestätigte Sprecher Johannes Mocken. Dabei gehe es um Misshandlung Schutzbefohlener, Freiheitsberaubung und Nötigung bei der Stiftungstochter Educon. Sie betreibt Schulen für behinderte und verhaltensauffällige Kinder im Großraum Düsseldorf. Es handele sich aber nicht um den Vorwurf des sexuellen Missbrauchs, betonte der Staatsanwalt. Er sprach von einem "extrem rüden Umgang“ mit den Kindern.
Grundlage der Ermittlungen seien unter anderem zahlreiche Videos, auf denen die Misshandlungen gefilmt worden seien: "Die Bilder sind teilweise extrem erschreckend.“ Die Ermittlungen würden Monate dauern. Die Staatsanwaltschaft wertet derzeit rund 200 Stunden Videomaterial aus. Wie viele Kinder gequält wurden, sei unklar. Nach Angaben eines Sprechers der Diakonie ist bei den Kindern die in der Psychologie sehr umstrittene "Festhaltetherapie“ angewandt worden. Dies sei möglicherweise zur Dokumentation gefilmt worden.
Die Vorwürfe seien ihm im Sommer 2009 bekanntgeworden, als Educon bei Staatsanwaltschaft und Jugendamt Selbstanzeige erstattete, so Mocken. Die betroffenen Mitarbeiter und die Bereichsleitung sind nach Angaben der Stiftung zunächst vom Dienst suspendiert und später entlassen worden.
Vatikan und Bischofskonferenz für Runden Tisch
Der Vatikan bejaht einen Runden Tisch gegen Kindesmissbrauch in Deutschland. Dies sei ein richtiger Weg, um das Problem des Missbrauchs "umfassend und angemessen“ anzugehen, sagte Sprecher Federico Lombardi in Rom. "Natürlich ist die Kirche bereit, daran teilzunehmen und sich zu engagieren.“ Familienministerin Kristina Schröder (CDU) hatte einen umfassenden Runden Tisch zum Thema Missbrauch für den 23. April angekündigt. Auch die Deutsche Bischofskonferenz sicherte volle Unterstützung zu.Auch das Bistum Münster geht einem Verdachtsfall von sexuellem Missbrauch nach. Bei einer Zeitung habe sich ein bisher unbekanntes Opfer gemeldet, teilte das Bistum mit. Der Mann habe gesagt, er sei in den Jahren 1966 bis 1968 von einem Erzieher im Internat des Collegium Johanneum in Ostbevern (Münsterland) missbraucht worden. Der bischöflichen Sonderkommission für Missbrauchsfälle seien weder vom Opfer noch vom Beschuldigten Name und Anschrift bekannt, sagte der Kommissionsvorsitzende, Pfarrer Hans Döink: "Wir bemühen uns um Aufklärung.“
Bei den Limburger Domsingknaben soll es ebenfalls sexuellen Missbrauch gegeben haben. Das katholische Bistum Limburg hat den Verdachtsfall bestätigt. In den 1970er Jahren habe es ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren gegen den damaligen Leiter des Musischen Internates Hadamar gegeben. Der Mann sei nicht verurteilt worden, er sei im Jahr 2002 gestorben. Derzeit würden "Verdachtsfälle gegen fünf weitere Priester und kirchliche Mitarbeiter“ untersucht. Sie reichten zurück in die 1950er, 1960er und 1970er Jahre. In einem aktuellen Fall hatte das Bistum im Februar einen Priester von seinen Aufgaben entbunden.
Die Odenwaldschule im hessischen Heppenheim will am Donnerstag mit neuen Informationen an die Öffentlichkeit gehen. Im Moment werde das Ausmaß der Übergriffe untersucht. Dazu müssten Faxe, E-Mails, Briefe und Telefonate ausgewertet werden, sagte eine Sprecherin. Zunächst bleibe es seitens der Schule bei den erwähnten 24 Fällen aus den 1970er und 80er Jahren. Darunter sei auch eine Frau.
Der stellvertretende Schulleiter Uwe Koltzsch sagte allerdings, im Sekretariat gingen viele Anrufe ein. Die Schule hatte eine telefonische Hotline für Opfer angekündigt und rund 900 ehemalige Schüler in einem Brief aufgerufen, sich im Falle eines Missbrauchs zu melden. Ende März sollen auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung auch personelle Konsequenzen besprochen werden.






