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Deutsche Jesuitenschulen: Mehr als 100 Missbrauchsopfer

16.02.10

Foto: dpa bildfunk

An katholischen Jesuitenkollegs und Schulen in Deutschland sind wesentlich mehr Schüler sexuell missbraucht worden als bisher bekannt. "Es sind inzwischen über 100 Fälle, die sich am Canisius-Kolleg oder bei mir gemeldet haben", sagte die vom Jesuiten-Orden mit der Untersuchung der Vorwürfe beauftragte Berliner Rechtsanwältin Ursula Raue. Dabei hätten nicht alle Opfer das Canisius-Kolleg in Berlin besucht, stellte Raue klar. Darunter seien Opfer, die mit Namen oder anonym Angaben machten. Sie wolle versuchen, noch in dieser Woche einen Zwischenbericht vorzulegen, sagte Raue. Was sie darin vorschlage, wolle sie vorher nicht öffentlich bekanntgeben.

Der Rektor des Canisius-Gymnasiums in Berlin, Pater Klaus Mertes, hatte Berichte über sexuelle Übergriffe zweier Patres am Canisius-Kolleg in den 70-er und 80-er Jahren öffentlich gemacht. In einem Brief an ehemalige Schüler der betroffenen Jahrgänge hatte er im Januar um Entschuldigung gebeten und dazu aufgerufen, das Schweigen zu brechen. Schon damals hatte Mertes erklärt, es sei wohl erst die "Spitze des Eisbergs" zu sehen. Frühere Lehrer und Schulleiter hätten bewusst weggesehen. "Das Schweigen ist sozusagen das Benzin für den Motor des Täters."

Zwei frühere Patres des Berliner Kollegs sollen sich über Jahre an Schülern vergangen haben. Ein dritter Pater, der Anfang der 70er Jahre auch in Berlin unterrichtete, gestand sexuelle Übergriffe auf Jugendliche in Hannover. Inzwischen wurden auch Missbrauchsfälle in anderen kirchlichen Einrichtungen bekannt. Bundesweit sollen nach einem Bericht des 'Spiegel' fast 100 Mitarbeiter der katholischen Kirche in den vergangenen 15 Jahren unter Verdacht geraten sein.

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Missbrauchsfälle strafrechtlich verjährt

Der sexuelle Missbrauch von Berliner Schülern am Canisius-Gymnasium in den 70er und 80er Jahren hat keine strafrechtlichen Konsequenzen. "Die Taten sind verjährt", sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Am Berliner Canisius-Kolleg soll es bereits in den 60er Jahren Fälle sexuellen Missbrauchs gegeben haben, berichtete die 'Berliner Zeitung' und zitiert drei frühere Schüler. Sie hätten in diesem Zusammenhang drei weitere Patres genannt, die inzwischen pensioniert oder verstorben seien.

Mehrere Opfer der Missbrauchsfälle am Canisius-Gymnasium fordern neben finanziellem Schadenersatz auch vollständige Einsicht in die Akten der Schule und des Jesuiten-Ordens. "Wir wollen Aufklärung", sagte Manuela Groll, Rechtsanwältin von drei Männern, die nach eigenen Angaben vor Jahrzehnten an der Schule missbraucht wurden. "Wir haben allerdings eine ablehnende Antwort erhalten."

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