TV HIGHLIGHT
Let's Dance
IMMER FR | 21:15
Let's Dance
TV-PROGRAMM
MO DI HEUTE DO FR SA SO JETZTPunkt 12 - Das RTL-Mittagsjournal
Presenter

Die Zukunft des Nachrichtenjournalismus

16.03.12
Peter Kloeppel ist das Gesicht von RTL AktuellFrüher wurden sperrige U-matic-Kassetten bei schönem Wetter auch mal mit dem Motorrad transportiert. Peter Kloeppel fungierte allerdings nicht als Kurier (das Bild zeigt ihn bei Aufnahmen für eine USA-Dokumentation).

Von Peter Kloeppel

Die Deadline erschien mir immer wie ein schlechter Witz: Um Punkt 15:30 Uhr musste ich meine Beiträge sendefertig auf Kassette abliefern, damit sie um 18:53 Uhr – also gut drei Stunden später – „on air“ gehen konnten. Drei Stunden! Was konnte in dieser Zeit nicht alles passieren!! Aber ich konnte hadern, wie ich wollte: Pünktlich um 15:30 Uhr stand der Kurier vor der Tür unseres Büros im Bonner Regierungsviertel und drängelte. So war das in den 80er Jahren, als RTL plus seinen Sitz in Luxemburg hatte und kein Geld für Postleitungen oder Satellitenbuchungen.

Stattdessen wurden die sperrigen U-matic-Kassetten in eine Kuriertasche geladen und quer durch die Eifel in das kleine Großherzogtum gefahren, bei schönem Wetter auch mal mit dem Motorrad, sonst im Ford Kombi. Gab’s Stau auf der Autobahn oder der Landstraße bei Prüm, dann kamen die Kollegen in Luxemburg ins Schwitzen. Bei wichtigen Bundestagsentscheidungen, die erst am späten Nachmittag fielen, schickten wir auch schon mal zwei oder drei verschiedene Variationen einer Geschichte, je nach Auszählungsergebnis, und hofften, dass um „7 vor 7“ die richtige Kassette eingelegt würde.

Ein Vierteljahrhundert später kann man diese Geschichten jüngeren Kollegen nicht erzählen, ohne das Gefühl zu bekommen: „Jetzt klinge ich wie Opa früher bei seinen Erzählungen aus Sibirien.“ Tatsächlich haben wir in den vergangenen 25 Jahren atemberaubende technologische Sprünge erlebt, eine Beschleunigung der journalistischen Arbeit, mit allen Aspekten, positiven wie negativen. Von globalen Ereignissen kann fast ohne Zeitverzögerung berichtet werden, Live-Bilder, „Breaking News“ aus den entferntesten Regionen werden in Nachrichten-Sendungen eingespielt, meist mit Gewinn für den Zuschauer.

Mit einem unwohlen Gefühl nimmt man bisweilen aber auch in Kauf, dass ein Ereignis vor laufender Kamera außer Kontrolle geraten könnte und Reporter oder Moderatoren mit Live-Einschätzungen an ihre Grenzen stoßen. Aus der Geiselnahme von Gladbeck haben wir gelernt, aber diese Lektionen muss man sich auch immer wieder vor Augen halten.

Der Kampf gegen die Technik

Wir wollten – und wollen auch heute noch – bei technischen Entwicklungen vorne mit dabei sein. Im Dezember 1990, als ich gerade meine Arbeit als USA-Korrespondent in New York aufgenommen hatte, mieteten wir für einen Vormittag den Satelliten-Übertragungswagen eines Fernsehsenders aus Long Island. Bei der RTL-Programmpressekonferenz in Köln sollte den deutschen Journalisten demonstriert werden, wie einfach man von jedem Fleck der USA aus per Satellit Live-Bilder in deutsche Wohnzimmer schicken konnte, und zwar nicht nur bei großen Sportereignissen, sondern gerade auch bei Nachrichten-Themen, sei es nun ein Erdbeben, ein Regierungswechsel oder der Start eines Space Shuttles. Das hatte bis dahin kaum jemand in einer News-Sendung versucht.

Natürlich kämpften wir mit der Technik: Mal kam das Bild nicht in Deutschland an, mal der Ton des Moderators nicht beim Reporter, und ich weiß nicht mehr, wie oft ich selber bei einer Live-Schalte den Satz gesagt habe: „Ich bin nicht sicher, ob Sie mich hören in Deutschland, deswegen fange ich jetzt einfach mal an zu reden.“ Solche Schalten gehören inzwischen zum kleinen Einmaleins einer gut aufgestellten News-Redaktion. Und auch die nächste technologische Stufe ist genommen: Schnelle Internetleitungen haben in Teilen die Satelliten-Übertragung ersetzt, der Preis- und Flexibilitätsvorteil liegt auf der Hand.

Das BGAN-, Iridium- oder Thuraya-Satelliten-Telefon gehört zur Standard-Ausrüstung von Kriegs- und Krisenreportern. Und nun experimentieren wir schon erfolgreich mit zusammengeschalteten Mobiltelefonen für Live-Schalten – statt eines voluminösen SNG-Trucks reicht ein kleinerer Rucksack für die Übertragungstechnik.

>> Seite 2: Warum wir das machen

Meinen Leuten bei wer-kennt-wen.de empfehlen