Schon kurz nach dem Aufstehen weiß Birgit Cordes, ob es ein guter oder ein schlechter Tag für sie wird.
"An schlechten Tagen bin ich sehr antriebslos. Da fühle ich mich wie erschlagen, schlafe dann auch viel."
An guten Tagen wie heute kann die 56-Jährige mittlerweile wieder ein bis zwei Stunden Hausarbeit erledigen. Sie bekommt im vergangenen Jahr die Diagnose Hirnhautentzündung ausgelöst durch eine Borreliose-Infektion. Alles beginnt mit Schwindelschüben und permanenten Kopfschmerzen.
"Die waren so stark, dass ich nicht mehr arbeiten konnte. Das typische Anzeichen einer Hirnhautentzündung ist ja auch, wenn man das Kinn nicht mehr auf die Brust legen kann und die Schmerzen durch den Nacken in den Kopf gehen, als ich das den einen Tag hatte und meiner Hausärztin erzählte gingen alle Alarmglocken an."
Birgit kommt sofort ins Krankenhaus. Die Ärzte sagen, sie hat sich durch einen Zeckenbiss mit Borreliose infiziert. Den hat die 56-Jährige aber nicht einmal bemerkt.
Borreliose wird durch Borrelien übertragen - Bakterine die im Darm der Zecke leben.
Erstes Symptom der Infizierung kann eine Rötung an der Einstichstelle sein, die sich ringförmig vergrößert. Die weiteren Symptome der Krankheit sind vielfältig:
-dazu gehören grippeartigen Beschwerden wie Muskel und Gelenkschmerzen.
-bei etwa 10 Prozent der Betroffen kommt es zu einer Entzündung des Herzmuskels, was z.B. Kurzatmigkeit zur Folge hat.
-In seltenen Fällen befallen die Borreliose-Bakterien die Nerven und das Gehirn. Dann spricht man von einer sogenannten Neuroborreliose wie im Fall von Birgit Cordes.
Die 56-Jährige wird erfolgreich mit Antibiotika behandelt, leidet aber immer noch unter Erschöpfung. Und auch ihr Kurzzeitgedächtnis ist noch beeinträchtigt.
"Dass ich auch Sachen verlege oder wenn ich Besuch habe, man hat sich unterhält, dass ich vieles davon kurze Zeit später gar nicht mehr weiß."
Deshalb geht die 56-Jährige zur Ergotherapie und macht zusätzlich Zuhause Hirnleitungstraining. Teilweise mit Textaufgaben für Zweit- und Drittklässler.
"Ich muss mir die Frage erstmal durchlesen und einprägen, manchmal scheitert es schon an der Frage... Dann weiß ich nicht, was soll ich machen."
Weil Birgit knapp drei Monate nur gelegen hat, macht die 56-Jährig auch täglich Übungen um körperlich wieder fitter zu werden. Sie hofft irgendwann wieder ganz gesund zu sein - wie lange das dauert, kann ihr im Moment aber kein Arzt sagen.