Vor Beginn der Plädoyers der Nebenklage wird es im Gerichtssaal von Avignon nochmal emotional. Dominique Pelicot, der sich an seiner Frau Gisele verging und sie von 51 Männern vergewaltigen ließ, zeigt erstmals einen Anflug von Reue, wenn auch viel zu spät.
Sabrina Suberg, RTL Reporterin: "Vor vier Jahren sagte Dominique Pelicot Verhör, dass er gar nicht wusste, dass es Vergewaltigung in der Ehe gibt. Er meinte sogar, dass er seine Frau extra betäubt hätte, damit es nicht so gewalttätig für sie sei. Inzwischen hat er diese Ansicht revidiert und gibt sich nun ganz reumütig. Ich arbeite daran, aber ich habe noch einen langen Weg vor mir."
Vor allem mit einer Person würde Dominique Pelicot gern noch einmal sprechen: mit seiner Tochter Caroline. Die wirft ihrem Vater vor, sie ebenfalls betäubt und missbraucht zu haben. Genau wie er es mit ihrer Mutter getan hat. Pelicot streitet das ab. Als er sich gestern im Gericht an seine Tochter wendet, fällt diese ihm ins Wort.
Sabrina Suberg, RTL-Reporterin: "Rot vor Wut schrie sie auf: Du lügst! Du sollst jetzt reden. Vor Gericht. Denn ich werde dich nie besuchen. Niemals. Du wirst alleine sterben wie ein Hund."
Die Taten des Vaters haben nicht nur die Ehe der Eltern, sondern eine ganze Familie zerstört, auch Gisele und ihrer Tochter sind entzweit.
Gisele bleibt also nur die Flucht nach vorn, wie schon so oft verlässt die Ex-Ehefrau des Hauptangeklagten unter großem Applaus den Gerichtssaal.
Die Menschen aus ganz Frankreich nehmen Anteil an ihrem Schicksal:
„Dieser Prozess ist für mich in vielerlei Hinsicht wichtig, vor allem in rechtlicher Hinsicht. Wir alle hoffen, dass dieser Prozess zu Fortschritten in der Gesetzgebung zum Thema Vergewaltigung und sexuelle Nötigung führen wird. Und außerdem möchte ich Gisele bei diesem Vorhaben unterstützen."
"Denn das sind Dinge, die inakzeptabel sind, es ist unvorstellbar, Menschen zu missbrauchen, wer auch immer sie sein mögen. Ich bin ganz auf der Seite von Frau Pelicot. Es ist eine Schande für alle, die das getan haben."
Der Anwalt von Gisele Pelicot stellt Forderungen nach einer Gesetzesänderung. Und das Opfer selbst sagt, es sei Zeit, dass sich die patriarchalische Sicht auf Vergewaltigungen ändere.
Montag werden die Plädoyers der Staatsanwaltschaft erwartet.
Während der Hauptangeklagte Dominique Pelicot mit der Höchststrafe von 20 Jahren Haft rechnen muss, ist unklar, wie die Richter im Fall der anderen 51 Angeklagten entscheidet.
Das Urteil wird noch vor Weihnachten erwartet.