Ihr Haus, ihre Existenz. Alles steht auf dem Spiel
Seit zwei Jahren kämpft sie gegen ihren Stromversorger.
O-Ton
Jetzt hat sie mich um Hilfe gebeten. Denn wenn sich verantwortliche Firmen den schwarzen Peter hin und her schieben, bleibt so mancher Stromkunde auf der Strecke. Ich bin in der Nähe von Trittau.
O-Ton Begrüßung
Stephanie Reinhardt lebt seit vielen Jahren in diesem 115 qm großen Einfamilienhaus. Seitdem ihr Mann im vergangenen Jahr verstorben ist, kämpft sie allein gegen die Stadtwerke Bochum.
Mehr als 110 000 KWh Strom soll sie in den letzten zwei Jahren verbraucht haben. Das entspricht dem Stromverbrauch eines mittleren Wohnblocks mit rund 100 Personen.
O-Ton
Rund 30.000 Euro verlangt der Energieversorger. Eine enorm hohe Summe - aber ich frage mich: womit soll sie als einzelne Person nur soviel Strom verbrauchen? Bevor ich mir die Stromabrechnungen vornehme, schaue ich mir das Haus an.
O-Ton
Im Gegenteil: Stephanie Reinhardt und ihr verstorbener Mann hatten das Haus 2012 aufwendig renoviert. Die alte Heizung wurde durch ein alternatives Heizsystem ersetzt und für das Warmwasser hat Stephanie Reinhardt auf dem Dach eine Photovoltaik-Anlage installiert.
Alles Punkte, die eigentlich dafürsprechen, dass der Stromverbrauch sinkt, doch hier ist er ins schier unermessliche gestiegen.
Seit dem Streit mit den Stadtwerken Bochum benutzt die 53jährige das große Badezimmer nicht mehr. Stephanie Reinhardt wäscht sich im kleinen Gäste-Bad. Alles, was Strom verbrauchen könnte ist abgeklemmt.
O-Ton
Offenbar kommt auch dem Energiekonzern die Höhe des Verbrauchs komisch vor. In den Unterlagen sehe ich, dass offenbar bereits einmal eine Forderung von rund 27.000 Euro storniert und alles wieder auf null gestellt wurde. Doch schon im darauffolgenden Jahr fordern die Stadtwerke Bochum jetzt fast 30.000 Euro.
O-Ton
Normal erscheint mir das alles nicht. In jedem Haushalt gibt es in der Regel nur einen Stromzähler. Wo steckten die anderen und warum werden sie Stephanie Reinhardt zugewiesen?
Ich hole mir Hilfe vom Experten. Jörg Feddern ist Landesinnungsmeister für Elektrotechnik und Sachverständiger vor Gericht. Er wird in meinem Auftrag die Haus-Elektrik überprüfen. Findet er hier einen Fehler könnte es für die Witwe tatsächlich sehr teuer werden. Wenn nicht, hätten mir die Stadtwerke Bochum viel zu erklären. Soweit sieht auch für den Experten alles normal aus, aber im Heizung-Raum findet er dann doch eine mögliche Ursache, wie es zu dem hohen Stromverbrauch gekommen sein könnte. Dieser Heizkessel scheint aktiv zu sein, und dass, obwohl er eigentlich vom Netz genommen und durch ein moderneres System ausgetauscht wurde. Und hier scheint ein Problem:
O-Ton Jörg Feddern
Fließt über diesen Schalter tatsäclich noch Strom im Haus? Und wenn ja wie viel? Um das genauer zu überprüfen, klemmt der Experte für die nächsten drei Wochen ein Analysegerät an.
In der Zwischenzeit lasse ich die Stromrechnungen durch Ulf Ludwig von der Verbraucherzentrale Kiel untersuchen. Der Experte hat für mich die Stromrechnungen der letzten Jahre in eine Grafik umgewandelt. Deutlich ist der Zeitraum zu erkennen, in dem der angebliche Stromverbrauch in die Höhe schießt.
O-Ton Ulf Ludwig
Ein defekter Zähler wäre das Problem des Stromversorgers – oder ist es doch der alte Heizkessel? Das ist die alles entscheidende Frage bei der Forderung von 30.000 Euro. Drei Wochen später meldet sich Stephanie Reinhardt bei mir.“
O-Ton Stephanie Reinhardt
Die Stadtwerke Bochum sind der Stromlieferant. Doch wie immer gibt es noch einen sogenannten Netz-Betreiber, der auch für die Ablesung verantwortlich ist. Doch, da die Stadtwerke das Geld verlangen, schreibe ich ihnen. Die Probleme begannen offenbar damit, dass der alte Stromzähler gegen einen neuen ausgetauscht wurde.
In einer ersten Reaktion räumen die Stadtwerke ein, dass der angebliche Stromverbrauch unplausibel ist. Doch anstatt selbst nach der Ursache zu forschen, fordern sie:
Eine Prüfung des Zählers muss (..) von Frau Reinhardt beauftragt werden.
Stephanie Reinhardt soll die Kosten dafür also selber tragen. Das lehne ich in einem weiteren Schreiben ab. Dann die Überraschung:
O-Ton Der zuständige Netz- und Messstellenbetreiber (…) hat uns darüber informiert, dass der ausgebaute Zähler bereits verschrottet ist, weswegen keine Befundprüfung mehr erfolgen kann. Da der Verbrauch weiterhin unplausibel erscheint, hat sich die Schleswig-Holstein Netz AG (...) bereiterklärt, den Verbrauchswert (...) neu zu berechnen.
Ich mache ich mich noch einmal auf den Weg zu Stephanie Reinhardt... noch weiß sie nicht, welche tolle Neuigkeit ich ihr mitbringe. Aber auch mich hat ihr Fall vorsichtiger gemacht:
O-Ton Robert Keckeis
O-Ton
Gerade mal 2000 Euro muss sie noch nachzahlen. Auch ich bin sehr froh über dieses Happy End - endlich kann Stephanie Reinhardt wieder ganz normal duschen, waschen und leben. Und vorallem ist sie jetzt Schuldenfrei. Wenn auch Sie Probleme mit ihrer Stromrechnung haben, suchen sie die Hilfe bei einer Verbraucherzentrale.