Kennt ihr das berühmte Marshmallow-Experiment? Damit wurde schon in den 1960er Jahren die Geduld von Kindern untersucht. Sie hatten die Wahl: Entweder gab es sofort eine Süßigkeit. Oder zwei, aber dafür mussten die Kinder 15 Minuten warten. Das Ergebnis der Langzeitstudie: Kinder, die hier geduldig waren, waren auch Jahre später ausgeglichener und erfolgreicher.
Und wie geduldig sind die Menschen heute? Und wie können wir unsere Geduld trainieren? Dazu haben wir einige Experimente mit versteckter Kamera gemacht - mit überraschenden Ergebnissen. Die Psychotherapeutin Dr. Angelika VanDamme hat unser Experiment begleitet. Es gab deutliche Unterschiede zwischen Stadt und Land.
"Wenn wir uns Geduld wie einen Muskel vorstellen, dann müssen wir natürlich auch Geduld üben, damit der Muskel stark bleibt", erklärt uns die Psychotherapeutin. "Ich würde mir manchmal wünschen, dass der Effizienzgedanke etwas in den Hintergrund tritt und man sich zwischen den einzelnen Terminen mehr Zeit lässt, damit die volle Aufmerksamkeit im Hier und Jetzt ist."
Aber woher kommt die Ungeduld? "Dafür gibt es verschiedene Gründe", sagt die Expertin. "Einer wäre die Genetik. Aber man kann nicht immer alles auf die Gene schieben und sagen: 'Ich bin halt ungeduldig, das ist halt so', sondern da spielt auch die Erziehung eine Rolle. Also: Habe ich schon als Kind gelernt, auch mal zu warten?
Die Psychologin rät, sich bewusst zu machen, welche Situationen man beeinflussen kann und welche nicht. "Es ist wichtig, die Balance zu halten und zu überlegen: In welchen Situationen ist es sinnvoll, geduldig zu sein, und in welchen Situationen ist es vielleicht nicht sinnvoll, geduldig zu sein?"
Wenn jemand zum Beispiel weiß, dass er oder sie beruflich weiterkommen will, dann ist es vielleicht besser, die nächste Chance zu ergreifen - und nicht geduldig auf etwas anderes zu warten. "Aber wenn ich im Stau stehe, kann ich sowieso nichts machen."