Alex Raab hat als Sommelier im Luxushotel Kempinski im bayerischen Berchtesgaden seinen Traumjob gefunden. Für den muss der 20-Jährige von zu Hause ausziehen, doch im Alpenidyll scheint eine eigene Wohnung unbezahlbar zu sein. Sein Traum droht zu platzen:
"Also mit Wohnungssuche hatte ich bis jetzt noch keine Erfahrung. Und die ersten Erfahrungen im Internet zu machen, online irgendetwas zu suchen, ist mir direkt aufgefallen, dass die Situation hier doch ein bisschen schwieriger ist und dementsprechend ist das auch ein Riesen-Faktor gewesen, ob ich hier überhaupt herkommen kann oder eben nicht."
Denn Berchtesgaden ist einer der beliebtesten Urlaubsorte Deutschlands. Freie, bezahlbare Wohnungen sind selten. Aber Hoteldirektor Werner Müller hat die Idee, Mitarbeiter-Wohnungen anzubieten:
"Wir haben die Mitarbeiter befragt, was die denn für Wünsche hätten. Und so war es eine Reise von vier, fünf Jahren Planung. Wir haben uns viel Zeit gelassen. Aber dafür ist es jetzt auch richtig, richtig gut geworden."
Davon profitieren hier 64 Angestellte. Auch Alex. Und der ist richtig stolz auf seine erste eigene Wohnung.
"Hier haben wir direkt mal meine Küche. Und kommen wir hier zu meinen Schränken. Da ist das Bad und hier ist mein Wohnbereich."
Insgesamt 31 Quadratmeter, die komplett möbliert sind. Je nach Größe zahlen die Angestellten zwischen 190 und 390 Euro, inklusiver Nebenkosten.
Deutschlandweit erlebt Wohnen beim Chef ein Comeback. Was in der Industrialisierung beginnt, entdecken große Konzerne und mittelständische Unternehmen wieder, selbst hier in München. Ein ganzer Wohnblock mit bezahlbaren Mieten, ausgerechnet in der teuersten Stadt Deutschlands.
"Vorher waren wir in einer Dreizimmerwohnung und es ist nicht viel teurer als jetzt mit einer fünf Zimmer Wohnung", sagt eine Mitarbeiterin der Stadtwerke München. Diese Mitarbeiterin und 118 andere Parteien in diesem Mietshaus der Stadtwerke München mieten ihre Wohnungen vom Arbeitgeber. Parkettboden, Fußbodenheizung, Balkon. Hier kosten 85 Quadratmeter 1.300 Euro. In der Landeshauptstadt kosten vergleichbare Wohnungen circa 1000 Euro mehr. Und davon profitieren nicht nur die Mitarbeiter:
"Wir erkennen das insbesondere im Bereich der Personalgewinnung und -bindung die Werkswohnungen ein total wichtiges Argument für uns auch sind, um Fachkräfte und Arbeitskräfte für uns gewinnen und halten zu können", sagt Dr. Bernhard Boeck, Leiter Immobilien der Stadtwerke München.
Also eine Win-win-Situation für Arbeitgeber und -nehmer.
Alex Raab kann so nicht nur seinen Traumjob als Sommelier ausüben, sondern wacht jeden Morgen mit Blick ins Grüne auf.