Lilienthal in Niedersachsen drei Tage nach Neujahr. Statt mit dem Auto geht es mit dem Kanu durch die Straßen. Thomas Busch und seine Familie versuchen so möglichst viel aus dem Haus zu retten, nachdem nicht nur Silvester, sondern auch das Weihnachtsfest buchstäblich ins Wasser gefallen ist.
Ein halbes Jahr später erzählt der Hausbesitzer von dem Moment, als plötzlich das Wasser in seinen Garten geströmt ist. „Das Wasser lief kontinuierlich, immer höher, Es regnete, es stieg immer höher. Diese ganzen Holzsachen, die haben hier geschwommen, in dieser Höhe.“
Hochwasser, Gewitter, Erdbeben und andere Extremwetterereignisse haben weltweit allein in der ersten Hälfte des Jahres rund 120 Milliarden US Dollar gekostet und laut dem Rückversicherer Munich RE wurde nur etwa die Hälfte davon von einer Versicherung bezahlt. „Solche Wetterphänomene werden vor allem intensiver werden mit fortschreitendem Klimawandel. Und das bedeutet wir müssen einfach uns noch mehr anpassen. Und da sind wir alle gefordert“, sagt Tobias Grimm, Klimaexperte bei Munich RE.
Denn auch in Deutschland entstehen jedes Jahr Milliardenschäden durch solche Naturgefahren. Laut dem Gesamtverband Deutscher Versicherer (GDV) beliefen sich die Kosten 2019 auf 4,3 Milliarden Euro, 2020 auf 2,7 Milliarden Euro und 2021 durch die Flutkatastrophe sogar auf 15,9 Milliarden Euro. 2022 entstanden Schäden von 4,5 Milliarden Euro und 2023 von 5 0,7 Milliarden Euro. „Und das setzt sich im laufenden Jahr, also 2024, eigentlich nahtlos fort. Wir hatten das Junihochwasser in Bayern und Baden-Württemberg mit rund 2 Milliarden Euro Schäden. Wir hatten das Pfingsthochwasser im Saarland und Rheinland-Pfalz und wir hatten das Weihnachts- oder Neujahrshochwasser, das Niedersachsen und Saarland getroffen hat“, sagt Jörg Asmussen, Geschäftsführer des GDV.
Thomas Busch hatte Glück. Seine Elementarversicherung hat zumindest einen gewissen Teil übernommen und für den Rest hat die ganze Familie mit angepackt. „Mein Sohn, der kam aus Hamburg und viele andere Familienmitglieder, jüngere auch, die sind tatsächlich Weihnachten hier gewesen, sind auch gar nicht weggefahren, haben geholfen, haben die älteren Leute ins Hotel gebracht oder auch ausgeschifft und haben geguckt, was können wir noch retten, was können wir irgendwie machen.“ Egal ob versichert oder nicht: In Lilienthal haben die Menschen zusammengehalten, erzählt Thomas Baum. Und das hat das Dorf noch enger zusammengeschweißt.