Herr Sittler, schön, dass Sie bei uns sind… Bei Lesen ohne Atomstrom haben Sie weshalb reizt Sie das Projekt?
"Das ist ein ganz tolles Festival, da ist nicht Danone oder Coca Cola dahinter. Es ist ganz ehrlich, und ehrenamtlich."
Worum geht es in dem Festival?
"Wir müssen aus diesem Teil des kapitalistischen Systems umschwenken auf die Menschen – es gibt noch mehr als Geld verdienen und einen einseitig blinden technischen Fortschritt."
"Frau Merkel hat mal gesagt, die Demokratie muss wirtschaftskonform werden – neee, die Wirtschaft muss demokratiekonform werden – weil die Menschen, die hier leben, sind doch das was wir haben, die sind unser Kapital, doch nicht die Kernkraftwerke."
Walter Sittler ist im Hauptfach Schauspieler – doch der Produzent und Autor ist vor allem leidenschaftlicher Demokrat, der sich gern einmischt: abseits des roten Teppichs war er in seiner Heimat das Gesicht des Stuttgart 21 Protests – damals wurden sogar Rufe laut, er solle Oberbürgermeister der Stadt werden. Klimaschutz ist für ihn elementar.
"Wenn Sie sich Initiativen wie Fridays for Future anschauen, die gerade mit dem Global Climate Streik auch durch Hamburg gezogen sind – gibt das Hoffnung in die Jugend und für die Jugend?"
"Und es ist die Aufforderung an diejenigen, die jetzt das Sagen haben, den Blick zu heben, damit die Welt von morgen, dass sie lebenswert bleibt."
"Das Problem ist, durch die Bezeichnung dieser Demonstration: das sind Feinde, diese Wahl der Worte, soll das zu einem extremistischen Teil gemacht werden, und das sind sie nicht."
"Was machen sie denn zu Hause anders?"
"Wir hatten drei Jahre lang in Stuttgart kein Auto – haben jetzt ein E Auto, heizen weniger – wir sind nicht asketisch, aber wir passen auf."
Die Welt retten, das kann und will Walter Sittler nicht, aber sie doch ein wenig besser machen, das ist sein Anspruch: mit seiner Ehefrau Sigrid Klausmann produzierte er zum Beispiel den Dokumentarfilm „Nicht ohne uns“. Dabei werden Kinder
aus 15 Ländern zu Themen wie Familie, Schule, Gesellschaft und ihrer Zukunft befragt. Ein Mann mit vielen Ideen.
Sie sind 70 geworden im vergangenen Jahr und bombenmäßig im Geschäft – was ist ihr Geheimnis?
"Im Fernsehen und Theater braucht es viel Disziplin – dass man nicht bräsig wird, ich bin der größte, ich bin der größte – krieg ich das Stück zum Leben?"
Und dann muss er noch etwas über sich selbst und seine Herkunft schmunzeln – und kommt aufs Wichtigste, die Neugier:
"Ich bin halt auch das jüngste von acht Kindern – da muss man schauen, wo man bleibt. Was heißt das denn? Na ich hab geguckt und geschaut wo ist mein Platz, was kann ich machen. Und nicht, ich bin der Prinz oder der König."
"Was ich gelernt hab, was am Wichtigsten ist - ich hab immer gedacht, wenn ich mal groß, dann weiß ich Bescheid, und wissen Sie Bescheid? Nein, niemand weiß Bescheid! Und mit dieser Einstellung bleibt die Neugierde da."
Off-Text: Und auch der Rest der Sittler-Sippe ist umtriebig und kreativ: sein Sohn Benedikt zum Beispiel studierte in Mailand Design, hat jetzt ein eigenes Modelabel mit seiner Freundin. Was Kinder und Eltern gemeinsam haben – den natürlichen Umgang im alltäglichen mit dem Thema Klimaschutz.
"Die Lea in Schweden fährt immer mit dem Zug - ich kann da arbeiten und mischen und Benedikt die machen alles nachhaltig und keine Chemie. Aufmerksam mit dem was sie haben und tun."
"Jetzt hab ich noch fünf kurze Fragen an Sie: Der Nord-Check"
"Der Nord-Check
Fisch- oder Franzbrötchen
Alsterwasser oder Flens
Nord- oder Ostsee
Elbufer oder Alsterwiese
Hamburg oder Halligen"