Regale einräumen, kassieren, den Laden in Schuss halten - es gibt immer was zu tun hier in einem Kieler Supermarkt. Für die Mitarbeiter ist nach acht Stunden Arbeit Schluss - dann ist die gesetzliche Höchstarbeitszeit erreicht. Eine Lockerung der Zeitvorgaben könnte allerdings auch Vorteile haben - für Arbeitgeber und Arbeitnehmer:
"Man könnte Stoßzeiten besser abdecken, wenn Leute mehr arbeiten könnten. Wenn der Arbeitgeber toll ist und man mit dem auch gut sprechen kann, dann kann der Arbeitnehmer daraus natürlich auch Vorteile ziehen, indem man einfach besser absprechen kann, wenn das besser passt, dass man Montag, Dienstag länger arbeitet und dann Mittwoch vielleicht sogar frei hat."
Das könnte bald Wirklichkeit werden und die tägliche Höchstarbeitszeit durch eine wöchentliche Höchstarbeitsgrenze ersetzt werden.
Die möglichen neuen Regierungsparteien haben das in ihren Sondierungen besprochen. Endlich - sagt da der Einzelhandelsverband , der sich eine Lockerung wünscht:
"Und zwar nicht nur wir Arbeitgeber. Auch unsere Mitarbeiter wünschen sich mehr Flexibilität."
Geltendes EU-Recht sieht sogar eine Maximalarbeitszeit von 48 Stunden die Woche vor. Die mögliche neue Regierungskoaltion will deshalb auch steuerliche Anreize schaffen wieder mehr Überstunden zu leisten. Deren Zahl sinkt seit Jahren:
Haben Arbeitnehmer vor zehn Jahren noch 824 Millionen bezahlte Überstunden geleistet, so waren es im vergangenen Jahr noch 552 Millionen Stunden.
Der Deutsche Gewerkschaftsbund kritisiert die Pläne, spricht von einem Giftcocktail für Gesundheit und Leistungskraft von Beschäftigten.
Und auch im Kieler Supermarkt ist man skeptisch, ob eine Lockerung der Arbeitszeiten für alle Berufsgruppen eine gute Idee wäre, gerade bei anstrengenden Arbeiten sei man nach acht Stunden reif für den Feierabend.