Virginia McCullough weiß genau, wieso die Polizeibeamten ihr Elternhaus stürmen. "Die Leiche meines Vaters ist da drin", sagt sie einem Polizisten. Der fragt daraufhin: "Was ist mit deiner Mutter?" Sie antwortet: "Das ist etwas komplizierter"
Hier in dem beschaulichen Ort Great Baddow in England leben John und Lois McCullough. Die Familie lebt ruhig und zurückgezogen, wie Nachbarn berichten.
Vor einiger Zeit zieht Tochter Virginia zurück in ihr Elternhaus. Sie hat hohe Schulden, ihre angestrebte Künstlerkarriere ist gescheitert. Um aus den Schulden zu kommen, fasst Virginia einen grausamen Entschluss: Ihre Eltern sollen sterben, damit sie an deren Geld kommt.
Dan Farrington, RTL-Reporter: "Die Eltern werden mit verschreibungspflichtigen Medikamenten vergiftet. Ihrem Vater hat sie Schlaftabletten ins Getränk gemischt, er stirbt allein. Während Mutter Lois im Bett liegt, schlägt Tochter Virginia ihr mit einem Hammer auf den Kopf, bevor sie mehrfach auf sie einsticht."
Doch das ist erst der Anfang einer langen perfiden Geschichte. Virginia versteckt ihren 70-jährigen toten Vater unter Baumaterial und Decken, verziert mit ihren Kunstwerken. Ihre 71-jährige Mutter stopft sie in einen Schlafsack und versteckt sie in einem Schrank.
Jahrelang fällt es anscheinend niemanden auf, dass das Ehepaar wie vom Erdboden verschluckt ist.
Martin Butcher, Nachbar: "Ich habe angenommen, dass sie umgezogen sind. Das hat die Tochter wohl auch erzählt, wenn sie unterwegs war."
Insgeheim lebt Virginia nach dem Mord von der Rente ihrer Eltern und deren Erspartem. Sie lässt alle glauben, ihre Eltern seien am Leben, um weiter zu kassieren. Insgesamt fast 180.000 Euro. Denn: Virginia ist spielsüchtig. Verzockt in den vier Jahren etwa 25.000 Euro.
Am 15. September 2023 hat das Versteckspiel dann schließlich ein Ende:
Dan Farrington, RTL-Reporter: "Der Hausarzt schlägt Alarm, nachdem das alte Ehepaar viele Termine verpaßt hatte. Die Tochter fand stets neue Ausreden. Durch ihn hat die Polizei die Ermittlungen eingeleitet."
Und stürmt schließlich das Haus. Virginia wirkt überaus ruhig, als die Beamten ihr die Handschellen anlegen, als hätte sie auf diesen Moment gewartet.
Gleichzeitig scheint sie selbst den Ernst der Lage nicht zu erkennen.
Virginia McCullough, Tatverdächtige: "Kopf hoch. Wenigstens habt ihr den Bösewicht erwischt."
Sie gesteht noch vor Ort, erzählt den Beamten, wo sie die Leichen und die Tatwaffe finden.
Virginia Mc Cullough kommt vor Gericht und wird am 11. Oktober 2024 des vorsätzlichen Mordes an ihren Eltern schuldig gesprochen.
Falls sie nach 36 Jahren Haft entlassen werden sollte, wird sie älter sein, als ihre Eltern bei der Ermordung waren. Im Gegensatz zu ihnen, hat sie dann noch die Möglichkeit, alt zu werden.