Es ist knapp zwei Wochen her, als uns ein Hilferuf der Familie Fischer aus Gran Canaria erreicht. Unser Reporter Alex Peekes trifft sich mit ihnen in Maspalomas. Gemeinsam gehen sie zurück zu dem Ort wo alles angefangen hat: Einem Promoter-Stand nahe der Dünen:
Es war die exakt gleiche Situation an dem exakt gleichen Strand, mit den exakt gleichen Verkäufern. Also wir wurden genauso ins Gespräch verwickelt. Uns wurden die gleichen Broschüren gezeigt. Wir haben genauso wie die Familie dort jetzt uns die Informationen angehört und haben anschließend einen Voucher bekommen, also einen Gutschein für ein kostenloses Taxi zu der (Anfi-)Hotelanlage und zurück vom eigenen Hotel. Uns wurden immer damit versprochen, einen kostenlosen Tag unverbindlich an dem schönsten karibischen Strand verbringen zu können.
Voller Vorfreude nutzt die Familie am nächsten Tag den Gutschein und fährt zu dem versprochenen Traumstrand. Doch vor Ort angekommen soll DER plötzlich gar kein Thema mehr sein:
Wie man sich das so vorstellt, mit Strandtasche, Flip Flops und Schwimmring sind wir dann ins Taxi gestiegen mit der Erwartung sofort an den Strand zu können, wir wurden dann aber erst Mal in diese wirklich schöne Anlage abgesetzt in die Lobby und dort hat sich dann der Horst direkt eingeklinkt und gesagt, wir würden jetzt die Hotelanalge besichtigen
Die Besichtigung soll eine Stunde dauern. Die Familie möchte nicht unhöflich sein und stimmt zu
Die Führung ansich, die Hotelanlage ist beeindruckend. Also wenn man mal die Apartments sieht, also "wow. Das macht schon Eindruck
Schnell haben die Fischers das Gefühl, dass sie doch nicht hier sind, um den besagten Traumstrand kennen zu lernen. Sie sollten laut ihrer Aussage dazu verführt werden, den Urlaub fürs nächste Jahr zu buchen und das über eine Art Mitgliedschaft.
Dann wurde uns halt ein Angebot gemacht, weder in Vertragsform noch sonst irgendwie. Es wurde einfach nur eine Zahl auf ein Stück Papier geschrieben // 2.995 Euro für 14 Tage. Sämtliche Sonderleistungen haben wir uns selbst erfragt.
Die 14 Tage sollen innerhalb eines Zeitraums von 18 Monaten frei wählbar sein. Die Führung dauere zu diesem Zeitpunkt schon drei Stunden. Sowohl die siebenjährige Lia als auch Andreas Fischer und seine Frau Nelli sind erschöpft - also stimmen sie dem Angebot zu.
Was die Familie zu diesem Zeitpunkt immer noch nicht ahnt? Sie sind vermutlich auf eine sogenannte Time-Sharing-Falle reingefallen
Timeshare ist nicht in sich unseriös, unseriös ist die Methode, die Verkaufs Patrik, die uns seit Jahren auf Gran Canaria immer wieder begegnet.
Konkret funktioniert die Methode so: Eine Familie wird am Strand angesprochen, meist wird mit einem kostenlosen Erlebnis gelockt.
Oft passiert das auch durch Rubbellose, wie wir es hier bereits 2012 auf Gran Canaria gefilmt haben
Du hast Jackpot, Gratulation. Das ist kein Scherz
Wer dann ins Taxi steigt, hat - laut Verbraucherschutz - meist schon verloren.
Vor Ort ist das eigentliche Versprechen oft nur noch Nebensache. Stattdessen gibt es eine Führung durch eine Hotel-Anlage. Daraufhin folgt ein langes Verkaufsgespräch für eine Art Mitgliedschaft.
Das Problem scheint einfach dort in der Gesprächsführung zu liegen, das ist eben psychologisch sehr geschickt gestaltet. Das ist auch der Grund, weswegen wir sagen, überlegen sie sich gut, ob sie sich wirklich darauf einlassen. Es spricht nichts dagegen sich die Anlage anzusehen, wenn sie denn in der Lage sind zu sagen, okay - an dieser Stelle möchte ich nicht weitermachen. Ich möchte gehen. Und das ist der Punkt, was offenbar nicht mehr gelingt, sei es aus Angst, weil man erschöpft ist, weil man müde ist
So soll es auch bei Familie Fischer gewesen sein.
Nach der langen Führung hatte die Familie einfach keine Kraft mehr:
Im Endeffekt waren es dann circa drei Stunden, wo wir dann gesagt haben, okay Anlage passt. Wir vertrauen ihnen jetzt einfach mal.
Genau dieses Vertrauen erweist sich in diesem Fall aber offenbar als Fehler.
Denn nach Vertragsabschluss haben sie angeblich 1000 Euro anzahlen müssen.
Doch am nächsten Tag sollen viele der Versprechen nicht mehr im Vertrag zu finden sein:
Von der Reisezeit her wurde uns versprochen, dass wir das flexibel gestalten können, außer halt gewisse Ferienzeiten, wie Oktober, Weihnachten oder Ostern, im Vertrag war überraschender Weise schon ein fester Zeitraum vorgegeben und das war gar nicht so vereinbart.
(Und dabei auch noch ein Zeitraum, den sie wegen der Schulferien gar nicht antreten könnten.)
In einer Bitte zu einer Stellungnahme, heißt es nach unserer Frage zu den Vertrag-Details, wie folgt:
"Die Details der Reservierung sind enthalten: Hotel, Aufenthaltstage, Datum der Reservierung und Preis, einschließlich Steuern. Der Kunde hat in jedem Fall die Möglichkeit, die Buchung zu ändern und auf ein anderes Datum zu verschieben, falls gewünscht."
Angeblich war laut Familie Fischer aber GAR KEIN Reservierungszeitraum vorgegeben.
Die Familie ärgert sich einen Tag nach Vertragsunterzeichnung darüber, dass sie den ihnen mündlich versprochenen Details vertraut haben und fängt an zu recherchieren.
Direkt auf der europäischen Verbraucherzentrale sind wir dann fündig geworden, wo einfach vor dieser Art von Verträgen schon längst gewarnt wird, das als Betrugsmasche auch irgendwo dargestellt wird.
Daraufhin versucht der 49-Jährige die Vertragspartner zu kontaktieren. Doch eine hilfreiche Antwort soll ausgeblieben sein.
Zusammen mit der Familie, gehen wir dorthin wo alles angefangen hat und konfrontieren den Mann, der den Fischers den kostenlosen Tag am Traumstrand versprochen haben soll.
Was er gesagt hat, steht nicht im Vertrag
Mein Job ist es nur hier zu stehen. Du musst den Mann kontaktieren mit dem du den Vertrag gemacht hast. Du kannst den Vertrag kündigen und die geben dir all dein Geld zurück.
Auf uns wirkt es, als würde sich der Promoter heraus reden wollen. Kurz nachdem wir das Promoter-Team konfrontiert haben, packen sie explosionsartig ihre Sachen und verlassen den Stand.
Die Fischers bleiben wieder ohne Antworten auf ihre Fragen zurück. Doch wir geben nicht auf und versuchen den Mann zu kontaktieren, der die Fischers durch die Anlage geführt hat. "Horst" soll seit der Vertragsunterzeichnung nicht mehr auf die Anrufe von Andreas Fischer reagieren.
Alexander Peekes, Hallo. Spreche ich jetzt mit dem Horst? Ganz kurz nur, ich ruf an wegen der Familie Fischer. Hallo? Jetzt hat man mir tatsächlich doch einfach wieder aufgelegt. Man ist hier offenbar nicht dran interessiert von Veranstalter-Seite den Fall aufzulösen bzw. der Familie Fischer zu helfen.
Auf unsere Bitte um eine Stellungnahme haben wir im Bezug zur Verkaufstaktik diese Antwort erhalten:
In Anbetracht der obigen Ausführungen können wir den Aussagen in Ihrer E-Mail bezüglich der Verkaufstechniken der Anfi-Gruppe und der Tatsache, dass die Kunden unter Druck gesetzt werden, Verträge zu unterschreiben, nicht zustimmen. Die Kunden werden jederzeit über die Leistungen informiert, die in dem von ihnen abgeschlossenen Produkt enthalten sind, und dies spiegelt sich in dem von ihnen unterzeichneten Vertrag wider.
Das widerspricht allerdings dem, was Sabine Blanke vom Europäischen Verbraucherzentrum regelmäßig von den Betroffenen hört:
Diese langen Gespräche, die doch auch sehr ermüdend sind, die fehlenden Informationen vor Ort // Es ist wirklich unglaublich, dass alle hinterher berichten: Uns wurde was versprochen, was dann eigentlich gar nicht so im Vertrag steht. Und wir hatten auch gar nicht so richtig die Zeit, den Vertrag zu lesen
Doch Sabine Blanke zeigt sich zuversichtlich, dass die Familie Fischer zumindest keine weitere Zahlungen leisten muss, obwohl sie den Vertrag unterschrieben haben.
Ich kann hier alle Beteiligten beruhigen. Es geklingt uns - Ja, mir fällt jetzt gar kein Vertrag ein, wo uns das nicht gelungen ist, den hier doch außergerichtlich zu beenden // Insofern, an dieser Stelle kann man schon mal ein bisschen Entwarnung geben.
Außerdem setzt sich das Europäische Verbraucherzentrum auch dafür ein, dass die Familie ihre 1000 Euro zurückbekommt!
Wir versuchen hier natürlich unser Bestes, um die Anzahlung für die Familie Fischer zurückzuholen. Das kann ich an dieser Stelle schon mal versprechen.
Zusätzlich hat die Familie ihre Rechtsschutzverssicherung informiert.
Klar, ist auf jeden Fall, dass die Fischers so schnell nicht aufgeben werden!