In unserer Wochenserie greifen wir tief in die Trickkiste und fragen die Frankfurter Psychotherapeutin Miriam Hoff. Heute zum Thema: Folgen der Corona-Pandemie.
Seit 2020 begleitet uns das Corona-Virus. Und gerade an Jugendlichen ist die Zeit der Isolation und Ansteckung nicht spurlos vorbeigegangen.
OT Miriam Hoff,
„Ich selber hab‘s so erlebt, dass ich jetzt die Auswirkungen massiv sehe. Wir kriegen jetzt unheimlich viel Anfragen, Nachfragen nach Psychotherapieplötzen. Weil sich die Psyche jetzt in ihrer Gänze oder eher die Verletzung der Psyche jetzt erst zeigt.“
Besonders betroffen sind dabei Jugendliche, die schon vor der Pandemie eher ängstlich und sensibel waren.
OT Miriam Hoff:
„Ich sehe oft Angststörungen und auch Zwangsstörungen. Angststörungen selber zu erkranken oder auch die Ängste Familienmitglieder angesteckt zu haben. Dann auch die Zwangsstörung sich ständig waschen zu müssen, Waschzwang. Aber auch diese Zwangsgedanken, dass ich mich anstecken könnte oder auch eine schwere Erkrankung durch Corona entwickeln könnte. Das ist schon eine Sache, die wir gerade jetzt sehr intensiv sehen.“
Eine Studie der DAK Gesundheit zu Krankenhausaufenthalten von Jugendlichen zwischen 15 und 17 Jahren zeigt:
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Quelle: Kinder- und Jugendreport 2022 / DAK-Gesundheit
42 % mehr Jugendliche wurden wegen einer emotionalen Störung im Krankenhaus aufgenommen. Außerdem stiegen die depressiven Episoden, die stationär behandelt werden mussten um 28 Prozent.
Und auch der Anteil der Essstörungen hat sich um 17 Prozent gesteigert.
-GRAFIK Ende-
Neben diesen behandlungsbedürftigen Erkrankungen sind aber auch viele junge Menschen nach den Corona-Jahren im Alltag von negativen Gefühlen belastet.
OT Miriam Hoff:
„Zunächst ist es einmal wichtig die Jugendlichen von den Schuldgefühlen zu entlasten. Denn sie haben ein Recht auf eine unbeschwerte Jugend. Und sie haben alles getan, was wir die Gesellschaft, andere von ihnen erwartet haben. Und jetzt ist es einfach an der Zeit an sich zu denken und in die Selbstfürsorge zu gehen.“
Um ihnen aus diesen Negativspiralen rauszuhelfen hat Miriam Hoff einen Tipp.
OT Miriam Hoff – unterschnitten mit Übungsbildern
„Wenn ich also merke: Ich stecke in einer Grübelschleife fest, dass ich mir dann sage „Stopp“ oder ein akustisches Signal gebe, dass ich aufhöre zu grübeln, aufhöre mich runterzuziehen. Und dann ganz bewusst in eine schöne Erinnerung zu gehen oder in eine schöne vorfreudige Erwartung zu gehen.“
Auch die sogenannte „Worry Time“ kann helfen. Hier nimmt man sich bewusst 30 Minuten am Tag Zeit, um sich mit seinen Sorgen auseinanderzusetzen. Ist die Zeit abgelaufen ist es dann aber auch wichtig die negativen Gedanken beiseite zu schieben und sich wieder dem Alltag zu widmen.
Wichtig ist aber eines zu beachten:
OT Miriam Hoff
„Wenn ich merke, dass ich meinen Alltag nicht mehr so leben kann: Wenn ich morgens nicht mehr aus dem Bett komme, dass ich gar keine Lust oder Motivation habe mich mit Freunden zu treffen. Dass ich viele Dinge, die mir früher leicht gefallen sind, so nicht mehr leisten kann. Wenn ich also merke, dass ich mental überfordert bin und zwar über einen längeren Zeitraum. Wir sagen immer so 2 bis drei Woche. Dann sollte ich mir professionelle Hilfe suchen.“
Denn gerade die Jugend ist eine wichtige Zeit, um sich weiterzuentwickeln, von der Familie ein Stück zu lösen und sich selbst kennenzulernen. Und das sollte so sorglos wie möglich sein.