Dieses Video hat Lea Muhl sehr viel Kraft gekostet:
"Ich bin mehr als nur jemand, der ins Bett pisst, ich bin Lea ich bin ein Mensch, der zu seiner Krankheit steht und all in geht, damit das ganze endlich ein Ende hat."
Lea ist inkontinent, hat eine sogenannte überaktive Blase, heißt: Sie kann ihren Urin nur schwer halten, muss bis zu 10 Mal am Tag auf die Toilette und: macht jede Nacht ins Bett.
"Bei mir kann das wirklich eine kurze Attacke sein , dass ich dann was getrunken habe und dann ich fünf Minuten später wirklich hier sitze und merke okay , ich muss jetzt rennen . Also das ist nichts Kontrolliertes , was ich habe oder wo ich weiß , wie viel ich jetzt trinken kann , ohne dass ich jetzt vielleicht in fünf Minuten wieder zur Toilette gehen muss."
Mit 6 Jahre fängt alles plötzlich an: Lea war davor schon längst trocken. Warum sie so einen Harndrang verpürt, kann ihr niemand genau sagen. Ärzte sagen ihr immer wieder, es sei psychosomatisch. Lea- fühlt sich nicht ernst genommen.
Jahrelang schämt sie sich, verheimlicht ihre Krankheit.
"Man hat halt nicht irgendwie diese Mädelsabende gemacht oder irgendwie Pyjamapartys bei Freunden , wo man geschlafen hat . Also dann war es eher so ich möchte wieder nach Hause um 8:00 und sowas . Ich möchte halt nicht mit zur Klassenfahrt . Ich möchte nicht heute da schlafen . Also es war schon eingeschränkt."
Und dann wird ihre Jugend zur echten Tortur. Bei einem Übernachtungsbesuch kommt alles raus, eine scheinbare Freundin verrät ihr Geheimnis.
"Und dann hieß es schon Du Bettnässer , du Pissnelke und sowas . Schämst du dich nicht ? Ich glaube , im Nachhinein betrachtet wusste sie gar nicht , was sie damit macht . Und in dem Alter ist das so dieses ja , ich erzähl dir mal ein Geheimnis . Das darfst du aber keinem sagen , wie man das kennt . Und dann hat es diese Runde halt mit sich genommen . Und ich glaube , in dem Alter waren wir alle , glaube ich , noch gar nicht reflektierend genug , um das Ausmaß dieser ganzen Geschichte zu sehen"
Das Ausmaß: Lea muss für mehrere Monate in eine Psyiachtrie. 2019 erhält sie dann endlich die Diagnose: sie hat eine überaktive Blase oder auch übermotivierte Überlaufblase genannt.
"Als der Arzt damals das allererste Mal eine Diagnose ausgesprochen hat , war für mich so Wow , ich möchte Ihnen mein Leben schenken , Ich möchte Ihnen Blumen schenken , Ich möchte sie in den Arm nehmen und sie haben mir gerade einfach so ein gutes Gefühl gegeben , dass ich endlich gesehen wurde."
Lea fasst über Jahre Mut, lässt Hasskomentare an sich abprallen und postet im April bei Social Media ihre ganz persönliche Geschichte.
Der Zuspruch - ist riesig. Sie bekommt Lob, Anerkennung und für Lea ist wie ein Befreiungsschlag: Sie muss sich nicht mehr verstecken und kann zeigen, wer sie ist wirklich: eine junge Frau mit einer Blasenschwäche.