Bunte Lichter, weihnachtliche Atmosphäre, ausgelassene Stimmung. Und dann: dieser Baum! Wegen kahler Stellen und abgebrochener Äste ist er das Gesprächsthema in der Landeshauptstadt. Notdürftig geflickt, die ramponierten Stellen irgendwie mit Lichterketten kaschiert – so manch einer zieht da den Vergleich zur Politik. Zurecht? Für unser traditionelles Weihnachtsgespräch treffe ich mich mit Ministerpräsident Stephan Weil genau an dieser Pannen-Tanne auf dem Weihnachtsmarkt in Hannover…
Herr Weil, Wie symbolisch ist denn dieser Baum momentan für den Zustand bei uns im Land?
Stehen wir nach der Corona-Pandemie, der Flüchtlingskrise und den knappen finanziellen Mitteln derzeit aber nicht ähnlich angeschlagen da?
Nun lässt sich vieles eben auch nicht mehr so einfach kaschieren. Die Menschen bekommen die Auswirkungen dieser geballten Krisen immer mehr zu spüren. Wie schwierig ist die Lage?
Denn eigentlich sollte in dieser Legislaturperiode doch alles besser werden! Nach vier Jahren großer Koalition setzt Stephan Weil nun wieder auf seinen alten Regierungspartner – die Grünen. Vieles wurde im Vorfeld versprochen, viele Wahlgeschenke in Aussicht gestellt. Doch von Aufbruchstimmung ist derzeit kaum noch etwas zu spüren. Wie also steht es derzeit um Rot-Grün?
Läufts tatsächlich besser als mit der CDU? Wie fällt jetzt nach gut einem Jahr da Ihre bisherige Bilanz aus?
Nun sind es ja vor allem die Grünen, die bei der Energiewende aufs Tempo drücken. Unter anderem auch, was die umstrittenen Wärmepumpen angeht. Genau da droht durch die Haushaltskrise im Bund nun aber die Förderung wegzubrechen. Ebenso könnte der Strom gerade für E-Autos rationalisiert werden. Ist man da am Ende also plötzlich der Dumme, wenn man da als Bürger auf diese Zukunftstechnologien gesetzt und auf die Politik gehört hat?
Kommt die Politik angesichts all der Krisen momentan überhaupt noch hinterher oder droht da auch bei Ihnen eine gewisse Überforderung?
Und für den Rest gibt's halt Süßes: Denn gerade jetzt in diesen schwierigen Zeiten sehnen sich die Menschen nach ruhigen und besinnlichen Weihnachten. Doch die Krise macht sich immer mehr auch im Geldbeutel bemerkbar. Wird der Weihnachtsmarkt also zunehmend zum unbezahlbaren Luxus?
Herr Weil, Schmalzkuchen, Glühwein – all diese Dinge gehören zu einem Weihnachtsmarktbesuch ja irgendwie dazu. Wird man sich das künftig aber überhaupt noch leisten können?
Nun gilt das ja nicht nur für Kunden, sondern wird auch durch steigende Energiepreise für die Stände hier aber eben auch für den Einzelhandel und die Gastronomie schlicht zum Problem. Tut die Politik da zu wenig?
Grundsätzlich hat man das Gefühl, dass die Unsicherheit immer mehr steigt, der Zusammenhalt in der Bevölkerung zunehmend bröckelt. Müssen Sie da jetzt nicht ganz konkret verhindern, dass das gerade angesichts steigender AfD-Umfragewerte nicht Populisten in die Karten spielt?
Trotz der aktuellen Lage wollen viele Niedersachsen auch in diesem Jahr wenigstens über die Festtage die Sorgen und Nöte des Alltags vergessen. Oder sich zumindest nur mit dem ganz normalen "Weihnachts-Wahnsinn“ beschäftigen…
Herr Weil, wir haben ja schon über die Pannen-Tanne hier auf dem Weihnachtsmarkt gesprochen – für die Sie natürlich nichts können. Für die bei Ihnen Zuhause aber vielleicht schon. Wer sucht da den Baum aus? Wer trägt da die Verantwortung?
Und beim Baumschmuck? Setzen Sie da klassisch auf rot grün oder sind da auch andere Farben erlaubt?
Was wünscht sich denn eigentlich ein Ministerpräsident? Was wünscht sich Stephan Weil?
Wir blicken an dieser Stelle ja auch immer schon ein bisschen aufs nächste Jahr. Und ehrlicherweise hat man in den vergangenen Jahren immer gedacht, es kann eigentlich nur besser werden. Und dann kam immer noch eine Krise obendrauf. Wieviel Zuversicht haben Sie jetzt für 2024? Was erwartet uns im kommenden Jahr?