"Wenn ich meinen Rentenbescheid betrachte, wird mir klar: In Deutschland könnte ich mir davon nicht einmal eine Wohnung leisten. Gas und Strom vielleicht, aber ohne Wohnung – vielleicht ein paar Lebensmittel", sagt Ruth. Mit diesem Problem ist sie nicht allein, denn etwa jede fünfte Frau ab 65 Jahren ist von Armut betroffen. Vor über 20 Jahren wagte Ruth einen mutigen Schritt. Damals hielten Freunde und Familie sie für verrückt, als sie die soziale Sicherheit in Deutschland hinter sich ließ. Heute sagen sie: „Du hast alles richtig gemacht.“
Ruth lebt heute auf Teneriffa in einer Villa, wo sie sich eine 40 Quadratmeter große Wohnung leisten kann – trotz einer Rente von etwas über 600 Euro. Für ihre Unterkunft zahlt sie 400 Euro Miete, inklusive 50 Euro Nebenkosten. Zu ihrem Lieblingsplatz zählt der Pool, den sie sich mit vier Nachbarn teilt. „Es fühlt sich an wie im Urlaub“, sagt sie. „Nur, dass es hier schön ruhig ist.“
Einer ihrer Nachbarn ist Felix, dessen Rente höher ausfällt. Ein Leben in Deutschland wäre für ihn finanziell möglich, doch er fragt sich: „Warum, wenn ich auch das hier haben kann?“ Heizkosten kennt er nicht: „Wir brauchen keine Heizung, bei uns heizt die Sonne – und die kostet nichts.“
Luxus bedeutet hier auch Selbstversorgung. Ruth spart bares Geld, indem sie Obst und Gemüse aus ihrem eigenen Garten erntet. Stolz zeigt sie ihre Limonenbäume, die einst nur 3,95 Euro gekostet haben – ein Bruchteil des Ladenpreises. Für Lebensmittel gibt sie im Supermarkt etwa 120 bis 150 Euro pro Monat aus. Gelegentlich gönnt sie sich sogar einen Restaurantbesuch, zum Beispiel mit Felix. Ihr Ziel: ein Strandrestaurant, das als teuer gilt. Eine Paella kostet dort 16,50 Euro pro Person. Doch Felix kennt einen Trick: Die Portionen reichen oft für vier Personen, sodass sie die Mahlzeit mit anderen teilen können. So zahlt jeder nur einen Bruchteil und kann sich den Luxus erlauben, öfter auswärts zu essen.