Es ist ein Vollzeit-Job: Claudia Geiken aus Weimar kümmert sich um ihre Tochter Cäcilie. Die 25-Jährige ist schwerst geistig und körperlich behindert und braucht eine Rundum-Betreuung. Ihre Mutter meistert das ohne Pflegedienst. Denn der ist schwer zu finden, selbst in Notfällen.
"Im Frühjahr, als ich ersetzt werden musste als Pflegeperson, weil ich selbst ins Krankenhaus musste, da war niemand, den man anrufen konnte, als Pflegedienst oder der jemanden hatte, der so kurzfristig kommen konnte. Da musste mein Mann eben die Arbeit übernehmen. Das macht der auch gerne, aber der Jahresurlaub ist dafür drauf gegangen“, erzählt sie.
So wie Claudia Geiken geht es vielen Angehörigen. Wenn sie bei Pflegeeinrichtungen nach Hilfe fragen, hören sie immer häufiger: Leider keine Kapazitäten. Die Kampagne #BeiAnrufSorry macht genau darauf aufmerksam. Demnach müssen Pflegeeinrichtungen im Schnitt drei Mal pro Tag eine Anfrage ablehnen.
"Es gibt stationäre Pflegeeinrichtungen, die haben leere Betten. Die Kapazitäten sind da, das Personal ist nicht mehr da. Und dementsprechend ist die Versorgung mittlerweile auch nicht mehr überall gesichert“, sagt Bernd Meurer, Präsident des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste.
Schon jetzt sind es bis zu 100.000 Fachkräfte, die fehlen. Die Folge: Immer weniger Menschen können in Pflegeheimen versorgt werden. 2013 waren es noch 28 Prozent, 2021 nur noch 16. Die große Mehrheit wird also zuhause gepflegt. Aber nur 21 Prozent der pflegenden Angehörigen werden durch einen ambulanten Pflegedienst unterstützt. Auch hier mangelt es an Personal.
Verbände fordern deshalb seit Jahren grundlegende Reformen in der Pflege, vor allem bei den Zuwanderungsverfahren für Fachkräfte. Die Bundesregierung verspricht hier Besserung.
"Zukünftig ist es möglich, dass Pflegende einfach eine praktische Prüfung sowohl für die Sprache als auch das Ausüben des praktischen Pflegeberufs durchführen. Und bei Bestehen dieser Prüfung einfach direkt eingesetzt werden können und keine bürokratischen Papierprüfungen mehr erforderlich sind“, sagt Janosch Dahmen Gesundheitspolitischer Sprecher der Grünen.
Der Opposition geht das nicht weit genug. Sie fordert außerdem eine Stärkung der pflegenden Angehörigen. In Form von Lohnersatzleistungen.
"Da geht es eben darum, dass man sagt, dafür gibt es dann eine finanzielle Entlohnung. Ein Familienpflegegeld haben wir es genannt. Dass Menschen, die ganz bewusst sagen: Ich nehme mich zurück, ich gehe aus dem Job raus, ich habe finanzielle Einbußen, dass das dann auch entsprechend kompensiert wird,“ Tino Sorge von der CDU.
Das würde auch Claudia Geiken helfen. Die gelernte Ägyptologin kümmert sich ausschließlich um ihre Tochter – ein Job, der viel zu wenig Anerkennung erfährt.