Nähen, malen, Tiere füttern. Diese Kinder haben Freizeit - und das immer und so viel sie wollen. Keine Regeln, keine Schule, keine Verpflichtungen.
"Wir glauben einfach, dass die Erfahrung der beste Lehrer ist."
Die Kinder von Matt und Adele Allen geben den Ton an, entscheiden wo's lang-geht. Die Erziehung überlassen sie ihren drei Kids Ulysses, Ostara und Kai. Kann das funktionieren?
Matt und Adele Allen sind in England bekannt und umstritten. Sie bezeichnen sich selbst als: "Die unkonventionellen Eltern."
Adele kommt damals in die Schlagzeilen, weil sie ihren damals 5-jährigen Sohn noch immer stillt.
Als die Familie in einer britschen Morning Show über ihre ungewöhnlichen Erziehungsmethoden spricht, passiert es: Ihre Tochter pinkelt mitten ins Studio - LIVE. Das Bild geht um die Welt, was folgt ist ein regelrechter Shitstorm.
"Arme Kinder"
"Diese Eltern haben keinerlei Kontrolle über ihre Kinder. Keine Regeln ist nicht fortschrittlich."
"Ich denke, wenn dein Kind live im Fernsehen pisst und dann auf der Couch rumspringt, sollte man vielleicht seine Erziehungsmethoden nachdenken."
Auch wir berichten damals über die Familie. Schnell zeigt sich, die Allens sind anders. Die Familie verzichtet so-gar auf modernde Medizin. Doch da wird es gefährlich. Die Kinder waren noch NIE beim Arzt, bekommen keine Impfungen. Alle sind Hausgeburten.
"Augeninfektionen kann man ganz hervorragend mit Muttermilch heilen, sie ist steril, hat die richtige Körpertemperatur und wichtige Enzyme."
Jetzt besuchen wir die Allens und wollen wissen, wie geht es den Kindern. Sohn Ullysses ist 13 und möchte nicht mehr vor die Kamera, Ostara, die damals ins Studio gepinkelt hat, ist 8 und die jüngste Tochter Kai ist 5 Jahre alt. An ihrer "Erziehungsmethode" haben die Allens nichts verändert. Im Gegenteil: Zähne putzen, ins Bett gehen - alles Entscheidung der Kinder. Zur Schule gehen sie nicht.
"Früher lernten wir in kleinen Gemeinschaften von unseren Ältesten um uns herum, die die Arbeit auf dem Land erledigten. So war das Lernen früher. Schule ist eine relativ neue Erfindung in der Geschichte und wurde geschaffen, um gehorsame Fabrikarbeiter heranzubilden."
Und daran wollen die Ewig Gestrigen festhalten. Was nach Abenteuer, Spiel und Spaß aussieht, ist in Wahrheit reine System-Verweigerung. Beim Thema finanzielle Unterstützung sind die Allens ABER GERNE Teil des Systems. Adele und Matt arbeiten beide nicht, verdienen sich gelegentlich als Yogalehrer und mit dem Restaurieren von Möbeln etwas da-zu. Und auch da DÜRFEN die Kinder mit-gestalten und spielerisch "lernen".
Im Gegensatz zu Deutschland werden Kinder in England bereits mit 4 Jahren eingeschult, bei den Allens spielen die 8- und 5-jährigen Töchter noch mit Bau-Klötzen.
OV Mann:
"Das Bauen von Blöcken ist eine dieser schönen Übungen. Es hilft auch bei der Entwicklung. Das ist jetzt nur eine geraden Linie nach oben. Aber Ostara hat an-gefangen, einige Themen rund um die Blöcke zu kreieren, die sie baut."
Und auch beim Lesen hat die 8-Jährige noch große Defizite:
"Sie erkennt ein paar Wörter wieder, aber nein..."
Beim Spaziergang fragen wir die Kinder, was sie mal werden wollen.
"Hundeausfüher."
"Ich will Make-Up Artist und Sängerin werden."
Wir zeigen die Bilder einer Kinder-Psychotherapeutin. Sie meint: Kinder brauchen Regeln und Grenzen, soziale Kontakte, die vor allem in der Schule entstehen, und müssen auch lernen, mit negativen Erfahrungen umzugehen.
"Das kann bedeuten, dass ich im späteren Leben, dass ich Schwierigkeiten be-komme...andere Menschen, die mir Vorgaben machen."
Wir verlassen Familie Allen mit gemischten Gefühlen.
Die Kinder scheinen durch ihre Freiheiten nicht unglücklich zu sein. Aber ob sie durch diese Art Erziehung aufs Leben vorbereitet werden, scheint mehr als fraglich.