Sandra Kerber aus Wölpinghausen war Floristin aus Leidenschaft. Aber dann kamen vor zehn Jahren die großen Schmerzen zunächst im Knie, die sie Jahre lang arbeitsunfähig machten.
Heute weiß die 31-Jährige, dass sie unter Rheuma und Fibromalygie leidet - eine chronische Schmerzerkrankung in Gelenken und verschiedenen Körperregionen. Den Tag ihrer Diagnose, nach fünf Jahren Ungewissheit und Beschwerden, vergisst sie nie.
Sandra Kerber:
"Ich bin mit einem Tunnelblick ins Auto gegangen, habe geheult und habe gedacht:- }Rheuma haben doch nur alte Leute...Das war so halt mein erster Gedanke und habe das wirklich ein paar Jahre einfach verdrängt, bis halt Oktober 2018, wo ich gar nicht mehr kriechen konnte."
Nach dem Rheumaschub vor fünf Jahren folgten diverse Krankschreibungen, Arztbesuche und ein riesiger Haufen an Papierkram sowie Behördengänge.
Dass sie ihren Job als Floristin irgendwann nicht mehr ausüben kann, damit habe sie nie gerechnet. Eine private Vorsorge wie eine Berufsunfähigkeitsversicherung hatte sie daher nicht abgeschlossen. Doch damit ist sie nicht alleine.
Nach Angaben des Sozialverbands VdK erhalten fast zwei Millionen Deutsche eine Rente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit. Doch das reicht in den meisten Fällen nicht aus. Sandra lebte anderthalb Jahre von Krankengeld – das waren 70 Prozent ihres Bruttogehalts und das Maximum der Auszahlungslänge. Als Floristin nicht viel.
Sandra Kerber:
"Ich kann von Glück reden, dass ich die Wohnung hier oben in dem Elternhaus drinnen habe. Somit also weniger Miete zahlen muss und sie mir da auch sehr entgegengekommen sind. Ich aber auch teilweise unten mitgegessen habe, weil ich mich nicht verpflegen konnte."
Hilfe, die nicht jeder hat. Deshalb sollte man sich in so einer Situation, an seine Krankenkasse und Rentenversicherung wenden und sich beraten lassen, welche Sozialleistungen einem zustehen:
Nina Buschek, Gesundheitsexpertin "Apotheken Umschau":
"Die gesetzliche Rentenversicherung und die Krankenversicherungen und die Krankenkassen haben Beratungspflicht . Das heißt , sie müssen ihren Versicherten erklären , welche Ansprüche sie haben und welche Leistungen es überhaupt gibt . Da kann man sich jederzeit an einen Sachbearbeiter wenden und sollte da auch hartnäckig nachfragen."
Außerdem sollte man alles gut dokumentieren, Belege und Anträge aufbewahren - genau das hat auch Sandra getan.
Außerdem hat sich die 31-Jährige Unterstützung bei der Selbsthilfegruppe "Rheuma Liga" gesucht.
Dort engagiert sie sich mittlerweile selbst und hilft anderen jungen Rheumapatienten:
Sandra Kerber:
"Ich gebe das, was mir erzählt worden ist, wo mir geholfen worden ist, einfach weiter. // Und die sind auch einfach mal dankbar, wenn man mal zuhört!"
Im vergangenen Jahr hat die Wölpinghausenerin außerdem eine Umschulung zur Abeitspädagogin gemacht und Anfang des Jahres ihren neuen Job in Hannover angefangen. Und ihr nächstes Ziel hat sie auch schon vor Augen:
Sandra Kerber:
"Mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren, dass ist mein nächstgrößter Wunsch, weil ich schon gerne was für mich tun möchte// weil der Job 30 km entfernt ist, hat das auch was anderes auf sich, dass man dann auch umzieht."
Endlich unabhängig sein trotz Krankheit - Sandra ist sich sicher, dass sie auch diese Hürde meisten wird!