Zwischen Klamottenbergen, auf engstem Raum, hinter Gittern, in Plastikwannen gehalten ...
Was wir bei unserer Recherche zum illegalen Tierhandel entdecken und was die Polizei vor Ort dagegen unternimmt -
Dazu später mehr ...
Tiere übers Internet kaufen - Klingt einfach und unkompliziert. Auch ich bekomme bei meiner ersten Recherche schnell den Eindruck - die Annoncen wirken seriös.
Also, ist das Problem wirklich so groß? Ich treffe Sina Hanke vom Rellinger Tierschutzverein Animal Care. Seit zwölf Jahren engagiert sich die Hamburgerin für den Schutz von Tieren. Der Handel mit Welpen ist im letzten Jahr explodiert, sagt sie.
Vom Einmaltäter bis zur organisierten Bande - die Bandbreite sei groß.
Die Welpen kommen meist ohne Papiere und oft krank aus dem Ausland nach Norddeutschland und werden hier für ein vielfaches verkauft.
Mit ein paar Infos und süßen Bildern landen sie dann im Netz. Wir begeben uns auf die Spur. Um an einen illegalen Händler ranzukommen, nehmen Sina und ihr Team von Animal Care in den kommenden Tagen Kontakt mit Verkäufern auf.
Während die Anfragen laufen, treffe ich mich mit Lisa von Bergen. Vor 2,5 Jahren hat die Studentin ihren Havaneser Benny übers Netz gekauft. Ein Fehler, weiß die Schleswig-Holsteinerin heute.
Doch diese Dokumente sind oft gefälscht, die Angaben nicht prüfbar. Selbst Bennys Impfausweis zeigt Unstimmigkeiten. Für 1950 Euro bekommt Lisa zwar einen süßen, aber kranken Welpen...
Nach gut zwei Jahren und 9000 Euro ärmer, geht es ihrem Benny langsam besser.
Zwei Wochen später ist es soweit. Als Interessentinnen getarnt, treffen Sina und ich uns mit einer Verkäuferin in deren Wohnung in Hamburg Altona. Seit drei Jahren hat der Tierschutzverein die Frau im Blick. Aktuell bietet sie Zwergspitzwelpen an.
Auch die vermeintliche Hundemutter ist dabei. 1500 Euro soll ein Welpe kosten. Sie sitzen auf einer dünnen Unterlage in einer Plastikwanne im Flur.
Mir als Laie fällt auf, wie überdreht die erwachsene Hündin ist. Wir kommen mit der Verkäuferin ins Gespräch, Sina stellt viele Fragen.
Mit acht Wochen möchte sie sie abgeben, gechipt und geimpft. Uns fällt auf, dass die Welpenmutter entzündete Augen hat, kein Trinken oder Essen bereit steht und, dass mindestens ein weiterer Hund in einem Nachbarzimmer ist.
Die Verkäuferin zeigt uns einen Vertrag und möchte eine Anzahlung von 100 Euro haben. Unter einem Vorwand verlassen wir die Wohnung. Sina ruft die Polizei.
Gut eine Stunde später kommt die Polizei - quasi in letzter Sekunde. Wir können die Verkäuferin gerade noch rechtzeitig auf der Straße abfangen.
Mit den Beamten gehen wir zurück in die Wohnung.
Im Nachbarzimmer finden wir die Tiere hinter Kleidung und Gerümpel:
Tatsächlich entdecken die Beamten, dass hier in der Wohnung außerdem noch zwei Chihuahuas leben - hinter einem Drahtgestell. In der Küche findet die Polizei außerdem einen American Bully. Ein Kategorie 1 Hund, der in Hamburg verboten ist.
Obwohl in der Wohnung Kinder leben, lassen die Beamten die Hunde dort zurück und übergeben den Fall an die zuständigen Kollegen vom Hundekontrolldienst. die jetzt weiter ermitteln. Damit endet unser Einsatz
Am nächsten Tag erfahren ich von der Polizei, dass der zuständige Amtsveterinär in der Wohnung war und nun doch alle Hunde sichergestellt hat. Sollte die Frau die Haltungsbedingungen verbessern, darf sie die Tiere aber zurück bekommen. Dann könnte sie weiter im Internet mit den Hundebabys handeln.