Der Leipziger Platz in Kassel-Bettenhausen. Der Stadtteil ist ein eher graues Mäuschen im sonst so grünen Kassel. Für ein bisschen Farbe will da Birgit Matzel sorgen und lässt hier 700 bunte Blumen pflanzen - doch dann kommt ein Anruf aus dem Kasseler Umwelt- und Gartenamt.
"Was haben Sie sich erlaubt? Auf fremdem Eigentum zu pflanzen, das geht ÜBERHAUPT nit. Ich werde Sie zur Rechenschaft ziehen und morgen früh lasse ich das alles zurückbauen"
Denn: Die Beete sind eigentlich für die städtischen Gärtner-Azubis als Ausbildungsprojekt vorgesehen, und wurden von denen mit eher unscheinbaren Staudenpflanzen bestückt. Erst in zwei bis drei Jahren sollen die hier in bunten Farben blühen. Von den langfristigen Plänen weiß auch Birgit Matzel die seit über 20 Jahren Teil des Ortsbeirates ist. Doch SO lange will sie nicht warten und wird ohne die Erlaubnis der Stadt aktiv.
"Weil ich meine, es ist die Visitenkarte von Bettenhausen. Und deswegen hat mich der Zustand des Leipziger Platzes seit ungefähr einem Jahr fürchterlich geärgert und hat mich auch traurig gemacht, weil ich dachte: Bettenhausen hat's verdient sich auch ein bisschen besser darzustellen."
Sie startet eine Spendenaktion mit Unternehmern und Anwohnern aus Bettenhausen. Jetzt blühen hier 700 Narzissen, Tulpen und Hyazinthen. Ein froher Farbklecks, statt tristem Grau, an der viel befahrenen Kreuzung. Die Anwohner freuts.
"Anstatt, dass die Herrschaften sagen würden: 'Dankeschön, sie haben uns die Arbeit abgenommen, nächstes Jahr sind wir wieder dran', da wollnses entfernen."
"Früher war's mal schön, und danach... was sie da vorheriges Jahr gepflanzt haben, das ist ja ne Katastrophe gewesen. Nix Buntes, gar nix."
Doch die Stadt sagt: mit der Pflanzaktion habe man das Ausbildungsprojekt "torpediert", und: sie gehen davon aus, dass die vorhandenen Pflanzen bei der Aktion beschädigt wurden. "Nein", sagt uns Markus Hegmann. Der Gärtnermeister hat nämlich selbst Hand angelegt und seine Arbeitskraft, sowie Expertise eingebracht.
"Als ich war von der Aktion sofort begeistert. Farbe für den Stadtteil, Farbe für den Leipziger Platz, und man muss ja sagen es ist wirklich eine Bereicherung für den Stadtteil. Und die Bevölkerung, die Besucher, die hier am Leipziger Platz vorbeigehen, die geben uns da vollkommen Recht. Wir sehen eigentlich nur in lächelnde Gesichter!"
Ein voller Erfolg - zumindest auf den ersten Blick. Doch wie geht es jetzt weiter, Frau Matzel?
"Ich weiß es nicht. (lacht) Ich hoffe es blüht uns was in Bettenhausen, aber nur in angenehmer Hinsicht!"
Die Stadt Kassel gibt im Blumenstreit von Bettenhausen erst einmal nach und lässt das Beet so stehen - will aber die Entwicklung abwarten. Durch die Blume heißt das wohl: Es kann sein, dass die Pflanzaktion der Stadt zu bunt geworden ist - am sonst so grauen Leipziger Platz.