Wie schlimm ist die Situation für die Block-Kinder?
„Also die Ereignisse am Silvesterabend waren für die Kinder mit Sicherheit seelisch sehr schlimm und man muss sich das so vorstellen Sie waren in einer entspannten Atmosphäre mit ihrem Vater, haben sich von den Leuchtraketen des Feuerwerks illuminieren lassen und dann plötzlich kommen zwei Fahrzeuge an, schlagen den Vater und zerren die Kinder unter Gewaltandrohung in ein Fahrzeug und fahren weg. Das heißt, die Kinder wussten zu diesem Zeitpunkt ja nicht, was mit ihnen geschieht. Und das ist ein einschneidendes Erlebnis.“ „Wenn so junge Menschen ja in so kurzer Zeit vor eine dramatische Lebensveränderung gestellt werden, plötzlich ein Land verlassen, vielleicht einem anderen Elternteil wieder zugeführt werden, dann ist das für die Kinder ein traumatisches Erlebnis und nicht jedes Kind verkraftet dies ohne Weiteres. Manche brauchen dann auch eine längere Aufarbeitung des Geschehenen.“
Dürfen die Kinder selbst entscheiden, wo sie leben wollen?
„Im deutschen Recht ist es durchaus so, dass die Kinder ein Mitspracherecht darüber haben, bei welchem Elternteil sie leben wollen. Und das hat auch gute Gründe, denn Kinder müssen sich ja in ihrem Umfeld wohlfühlen. Ein vertrauensvolles, liebevolles Verhältnis zu dem betreffenden Elternteil ist für die Entwicklung des Kindes von hervorragender Bedeutung.“ / „Wenn die Kinder noch sehr jung sind, also noch nicht eingeschult sind, ja dann werden in der Regel die Eltern. Vielleicht eine Einigung erzielen mithilfe des Jugendamtes? Zur Not ja. Wer das Aufenthaltsbestimmungsrecht über die Kinder erhält. Sobald die Kinder aber in ihrer eigenen psychosozialen Entwicklung fortgeschritten sind. Ja, und da sagen wir als Psychologen vielleicht so ab siebten oder achten Lebensjahr, können die Kinder durchaus auch entscheiden, bei welchem Elternteil sie selbst lieber leben würden. Solche Entscheidungen, die die Kinder fällen, sind ja nicht in Stein gemeißelt und werden in der Regel auch nach einigen Monaten überprüft und manchmal auch korrigiert.“
Wie sollten sich getrennt lebende Eltern verhalten?
„Als Psychologen arbeiten wir nach Trennungen immer daran, dass beide Elternteile für die Kinder wichtige Bezugspersonen bleiben. Für ein Kind darf sich im Idealfall nach einer Trennung bezüglich der familiären Zuneigung gar nicht so viel ändern. Wenn alles gut geht, vermitteln die Eltern nach der Trennung dem Kind: ‚Für dich bleiben wir trotzdem deine Mutter und dein Vater. Wir sind dir beide in Liebe zugewandt.‘ Wichtig ist es, nach Trennungen kein schlechtes Bild vom Expartner, also vom jeweils anderen Elternteil des Kindes dem Kind gegenüber zu äußern. Denn dann kommt das Kind in einen Loyalitätskonflikt und schlägt sich oft auf die Seite dessen, der stark kritisiert wird.“