Schamanismus, ein Glaube, fast so alt wie die Menschheit. Noch lange bevor es schriftliche Aufzeichnungen gab, haben Schamanen schon Rituale durchgeführt. In abgelegenen Waldstücken wurden Götter und Geister beschworen und Menschen in Trance versetzt. Heutzutage sieht das anders aus:
"Dieses Hotel hier hinter mir Mitten in London sieht erstmal aus wie ein ganz normales Hotel. Aber tatsächlich verbirgt sich hier ein wahres Schamanismus-Paradies. Und hier treffe ich jetzt eine von Großbritanniens angesagtesten Schamaninnen."
Hier im Mandrake Hotel bedeutet Schamanismus vor allem eins: Luxus. Auf weißen Marmorböden, eingerichtet mit teuren Designermöbeln leitet Maria Lodetoft hier die Zeremonien - sie gehört zu den angesagtesten Schamaninnen in England und sieht sich als Vermittlerin zwischen der Erde, ihren Vorfahren und der Natur. Sie räuchert, trommelt und singt hier sogar für internationale Stars und Sternchen.
“Ich darf keine Namen nennen, aber erst am Samstag hatte ich eine Hollywood Schauspielerin als Kundin und sie hat's geliebt”.
Prinz Harry, Miley Cyrus und Gwyneth Paltrow - sie alle haben schon zugegeben, mit spirituellen Ritualen experimentiert zu haben. Doch nicht nur Promis schwören auf Schamanismus - vor allem bei jungen Briten ist Schamanismus zum Trend geworden. Zwar bezeichnen sich nur 8.000 Menschen offiziell als Anhänger, die Zahl hat sich in den letzten Jahren allerdings mehr als verzehnfacht.
“Es gibt da so einen Moment, wo du dich von der Realität trennst und mehr mit der Natur verbunden bist. Ich glaube, es wurde zum Trend, denn wir sind alle gestresst”
Zusammen mit Eris und 15 anderen Interessierten wollen wir uns heute für 90 Minuten von Maria in Trance versetzen lassen. Umgerechnet 50 Euro kostet die Teilnahme an der Vollmond-Zeremonie. Die Beweggründe der Teilnehmer sind unterschiedlich, manche möchten ein Trauma verarbeiten, andere brauchen eine beruhigende Auszeit vom Trubel der Stadt.
"Jetzt geht's gleich los, Maria bereitet sich hinterher schon vor, ich bin gespannt."
Noch weiß unsere Reporterin nicht, worauf sie sich hier eingelassen hat. Die erste Klangschale erklingt und es geht los. Wir begeben uns völlig in Marias Hände, die sich schon selbst in einen tranceartigen Zustand versetzt hat. Für sie ist Schamanin ein absoluter Traumjob, aber wie kommt man überhaupt dazu?
“Mein spirituelles Erwachen hatte ich nach einem dunklen Kapitel in meinem Leben. Dann habe ich auch begonnen Informationen aus vergangenen Zeiten von meinen Vorfahren zu erhalten. Ich denke, ich hatte eine Menge an Heilern und Schamanen in meiner Familienlinie.”
Heute will Maria vor allem helfen. Es kommen oft Menschen zu ihr, die sich gerade in einer schwierigen Lage befinden und nicht mehr weiter wissen. Sie versucht dann, mit ihrem spirituellen Fähigkeiten negative Emotionen zu lösen, wenn man denn daran glaubt.
“Es gibt immer wie-der Leute, die meinen, sie bräuchten eine exozistische Austreibung - das ist aber eigentlich nie so." Sie stecken oft einfach in negativen Gefühlen fest”
Ihre Stimme klingt entspannend, es ist schwierig nicht einzuschlafen. Plötzlich hört unsere Reporterin, wie jemand im Raum weint. Mit einer Umarmung tröstet Maria die Teilnehmerin nach der Zeremonie.
“Ich bin noch etwas benommen, ich habe mich währenddessen wie in den Wald versetzt gefühlt.”
Der Vollmond und Marias Rituale haben anscheinend bei Eris gewirkt.
So ist es unserer Reporterin ehrlich gesagt nicht ergangen, in eine Art Trance wurde sie nicht versetzt. Doch nach den 90 Minuten Gong & Gesang fühlte sie sich sichtlich entspannt und ausgeglichen. Und vielleicht muss der Schamanismus auch mit der Zeit gehen – also Marmor- statt Waldboden.