Länge: 2.36
LW: den Mut finden, sich zu wehren
Chyrons:
IM SCHNITT INSERTIERT
Nicole, Betroffene
050-108
Manuela Merkel, Staatsanwaltschaft Rostock
136-148
Nancy Faeser, geschäftsführende Bundesinnenministerin
====================
Scham und Fassungslosigkeit – genau das fühlt Nicole an jenem Tag vor sechs Jahren, als sie auf der Liege ihres Physiotherapeuten liegt. Plötzlich zieht er ihr die Hose herunter. Ein Moment, der sie erstarren lässt. Weil sie anonym bleiben möchte, haben wir ihren Namen und ihre Stimme geändert.
OT Nicole, Betroffene: „Er hatte mir dann auch meine Hüfte massiert und behandelt und ging dann aber immer weiter runter bis in meinen Intimbereich. Also ich hatte die zwei Finger schon gespürt in meinem Genitalbereich.“
Noch bevor sie die Praxis verlässt, erfährt sie von einer Mitarbeiterin: Auch SIE soll der Therapeut an intimen Stellen berührt haben. Inzwischen sitzt er in Untersuchungshaft. Drei Frauen haben ihn angezeigt. Die Staatsanwaltschaft Rostock ermittelt und geht von mehr als zehn Betroffenen aus.
Manuela Merkel, Staatsanwaltschaft Rostock: „Nach den derzeitigen Ermittlungen gehen wir davon aus, dass es zu mehreren sexuellen Übergriffen gegenüber den Patientinnen kam, die über die Schwelle der reinen sexuellen Belästigung in einigen Fällen hinausging. // Wir gehen davon aus, dass die Dunkelziffer noch höher ist.“
Die aktuelle Kriminalstatistik bestätigt: sexuelle Straftaten gegen Frauen haben erneut zugenommen - Im vergangenen Jahr um mehr als 9 Prozent {(9,3& //Grafik einblenden)} auf mehr als 13.000 Fälle {(13.320 Fälle)}. Davon 39 Prozent nichtdeutsche Tatverdächtige, die machen 15 Prozent der Bevölkerung aus. Die geschäftsführende Bundesinnenministerin Nancy Faeser fordert besseren Schutz und eine konsequentere Strafverfolgung. Ihr Appell an betroffene Frauen:
OT Nancy Faeser, Bundesinnenministerin: „Entscheidend bleibt, dass Betroffene Hilfe suchen und Anzeige erstatten. Keine Frau muss sich dafür schämen, Opfer von Gewalt zu sein. Die Schuld liegt immer beim Täter. Niemals beim Opfer.“
Nicole erstattet damals keine Anzeige. Erst vor kurzem stößt sie in der Zeitung auf einen Artikel über ihren ehemaligen Physiotherapeuten.
OT Nicole, Betroffene: "Es gab schon Momente, wo ich ein schlechtes Gewissen hatte und dachte, vielleicht hättest du damals schon aktiv werden müssen //Am meisten reibt und wühlt mich auf, dass so viele Jahre jetzt vergangen sind und dass ich wirklich erfahren musste, dass er weitergemacht hat.“
Wie viele Frauen Ähnliches erleben mussten wie Nicole, klären nun die Ermittlungen. Sollte der Physiotherapeut aus Rostock verurteilt werden, drohen ihm laut Staatsanwaltschaft mehrere Jahre Haft. Für Nicole war klar: Sie wollte nicht länger schweigen und hofft, dass auch andere Betroffene den Mut finden, sich zu wehren.