Es wird wohl ein gutes Zwiebeljahr- mit 20-30 Tonnen rechnet Zwiebelbauer Nikolas Schellhase.
„Wir hatten beim Pflanzen top Bedingungen. Das Saatbild war fein genug und deutlich mehr Feuchtigkeit als die letzten zwei Jahre. Das kommt der Zwiebel auch sehr zugute.“
Nikolas ist 24, Landwirt in Oberdünzebach bei Eschwege und mit dem Höllehof der größte Zwiebelbauer der Region. Der Einstieg in die Landwirtschaft war aber eher ungeplant. Als der Opa plötzlich stirbt übernimmt der Onkel den Hof. Der merkt aber schnell, dass das nichts für ihn ist. Also springt Nikolas ein. Damals junge 19 und noch in der Schlosser-Ausbildung.
„Ich hab‘ gesagt, ok, ich lerne jetzt gerade aus. Ich habe jetzt noch die Wahl mehr oder weniger meinen Beruf dem anzupassen. Also habe ich gesagt, ich gucke, dass ich irgendwo vielleicht auch noch mal eine Ausbildung als Landwirt mache. Bin dann in Jeschstädt auf dem Gutshof gelandet // und habe da mehr oder weniger die meistens Infos rausgesaugt, weil mir auch wichtig war, dass wenn ich das zuhause weiter mache, ich auch einen Plan davon habe, ne Ahnung, dass ich auch was lerne und bin dann wie gesagt dort gelandet. Die haben mir viel beigebracht, viel gezeigt.“
Stundenweise arbeitet Nikolas immer noch dort. Für seine eigenen Felder wollte er neben den Klassikern wie Raps und Getreide was Neues versuchen.
„Ich muss zusehen, dass ich auf dem Acker was anbaue, was auch finanziell interessant ist, also sprich was wirtschaftlich gut ist, was der Region guttut und was irgendwo was Besonderes ist.“
Und das ist die Zwiebel. Mit seiner Idee wird Nikolas zum größten Zwiebelbauern der Region. Auf 2 Hektar, also rund drei Fußballfeldern baut er das Gemüse an. Mit der Knolle setzt der 24-Jährige auf ein beliebtes Lebensmittel. Rund 10 Kilo isst jeder Deutsche im Jahr. Gut so, denn die Zwiebel richtig gesund. Rohe Zwiebeln kurz angewärmt, sollen gegen Ohren- oder Halsschmerzen helfen . Die Zwiebel kann aufgekocht mit Wasser inhaliert oder der Saft gegen Husten getrunken werden. Auf die heimische Knolle von Nikolas setzen auch die Verbraucher. Besonders die kurzen Wege sind dem 24-Jährigen wichtig.
„Ich habe die Metzgereien rundum gefragt, wer würde alles mitmachen, wer wäre dabei. Ich habe die Hofläden abgeklappert. Die waren alle sofort begeistert und da war dann für mich klar, ok Absatz ist auf alle Fälle klar.“
Klar ist für Nikolas auch, dass er investieren muss. Aber nicht in Hightech, sondern in alt bewährtes – wie diesen 40 Jahre alten Trecker. Der Grund ist einfach:
„Ich sehe einen riesen Vorteil darin, dass ich selber Schlosser gelernt habe und an den alten Maschinen einfach noch mehr Möglichkeiten habe, selber zu machen oder auch schneller was zu reparieren, vielmals auch zu improvisieren, um erstmal noch über den Tag zu kommen. Bei den neueren gestaltet sich das schwieriger, deswegen stehe ich so ein bisschen aufs alte Eisen.“
Nikolas hat die Entscheidung, den Hof in so jungen Jahren übernommen zu haben, nie bereut. Und als wir ihn nach seinem Ziel fragen, muss der 24-Jährigen schmunzeln: er will Zwiebelkönig vom Werratal werden.