Es ist eine einzigartige Natur-Landschaft, die wie kaum eine andere unsere niedersächsische Küstenregion prägt: das Weltnaturerbe Wattenmeer. Zwischen Ebbe und Flut treffe ich mich mit Ministerpräsident Stephan Weil zu unserem diesjährigen Sommerinterview und spreche mit ihm unter anderem über die anhaltende Flaute seiner SPD. Wie tief steckt der Politker derzeit im Schlamassel? Welche Themen zwingen ihn in die Knie? Vor der Küste von Harlesiel gehe ich mit Stephan Weil auf eine exklusive Wattwanderung...
Herr Weil, schön, dass wir uns in diesem Jahr mal hier typsich niedersächsisch an der Küste treffen. Eigentlich zieht es Sie ja im Sommer eher in die berge zum wandern, in diesem Jahr waren Sie in Oberitalien, glaube ich. Wie gut kommen Sie denn hier überhaupt mit dem flachen Land klar?
Gehört das aber auch zum Job dazu, sich anzupassen? Und es vielleicht auch allen recht zu machen?
Es allen recht zu machen klappt ja momentan zumindest bei Ihrer Partei, der SPD, auch eher nur so semi. Umfragemäßig herrscht da -so wie hier- gerade eher Ebbe, extremere Parteien wie Afd und Linke im Aufwand. Anders als hier in der Natur kommt die Flut nicht von allein. Wie wollen Sie da für eine Trendumkehr sorgen?
"In Niedersachsen siehts anders aus"
Doch anders als hier in den Urlaubsregionen ist die Stimmung im Land wesentlich getrübter. Vor allem gestiegene Preise und hohe Lebenshaltungskosten machen den Menschen deutlich zu schaffen. Für viele Niedersachsen derzeit alles andere als entspannte Zeiten…
Das was wir hier erleben, ein paar entspannte Momente in schöner Umgebung – für viele Menschen ist das derzeit nicht drin, geschwiege denn ein Urlaub im Ausland. Ist Ihnen das bewusst?
Schlechte Stimmung im Land Wie nehmen Sie das momentan wahr?
Wie aus dieser Spirale wieder rauskommen?
Optimistisch nach vorne schauen – bei diesem Ausblick fällt das hier natürlich deutlich leichter. Wie aber lässt sich das Wattenmeer angesichts des Klimawandels auch für künftige Generationen bewahren?
Ich will die Stimmung ja nicht gleich wieder trüben, aber wenn dieses Jahr bereit eines gezeigt hat, dann das die Auswirkungen des Klimawandels auch bei uns in Niedersachsen angekommen sind. Wenn wir an das Hochwasser zu Jahresbeginn denken. Was kommt da in den kommenden Jahren in Sachen Küstenschutz und vor allem auch im Bereich Klimaschutz auf uns zu?
Nun wird ja unter anderem -wenn auch noch sehr zöerlich- auf erneuerbare Energien gesetzt, hier vor allem auf Wind. Gleichzeitig ber auch auf die umstrittenen Gasbohrungen vor Borkum, mitten im Wattenmeer. Ist das der Preis, für Unabhängigkeit und Fortschritt? Das kanns ja eigentlich nicht sein…
Stephan Weil präsentiert sich gern als Macher. Doch in der sogenannten Büroaffäre droht er zwischenzeitlich im Sumpf von Anschuldigungen zu versinken. Die CDU jedenfalls will den Politiker in die Knie zwingen und wühlt nach belastendem Material - in einem eigens einberufenen Untersuchungsausschuss ...
Mit einem eigens einberufenen Untersuchungsausschuss will die CDU den Ministerpräsidenten in die Knie zwingen...
Herr Weil, Sie gelten ja als jemand, der immer sehr genau arbeitet, auch genau weiß was er tut. Die CDU wirft Ihnen aber vor, Ihrer Büroleiterin ohne Rücksicht auf Verluste zu Unrecht ein höheres Gehalt gezahlt zu haben. Hat Sie da Ihr Instinkt verlassen was gut und was richtig ist?
Hätten Sie da nicht aber die Weitsicht haben müssen, wie sowas bei den Menschen ankommt? Was heute anders machen?
"Ob Politik bei Leuten ankommt oder auch nicht"
Doch fest steht auch: Für Stephan Weil selbst gehts politisch langsam aber sicher auf die Zielgeraden. Spätestens 2027 so sagt er, wolle er Schluss machen. Wie sich das anfühlen könnte, probieren wir mal aus: Probesitzen für die Rente?
Wie fühlt sich das an? Können Sie sich das Rentnerdasein schon vorstellen? Können Sie überhaupt „Rente“?
Wir haben das ja aktuell gerade erst bei US-Präsident Joe Biden gesehen, wie sehr man am Ende aber doch an der Macht hängt und wie schwer es dann fällt, loszulassen. Ist da bei Ihnen schon das letzte Wort gesprochen oder kommt Rolle Rückwärts vom Rücktritt?
Sie sagten jüngst, sie wollen sich „Spätestens“ 2027zurückzuziehen. Das lässt natülich Ruam für Spekulationen. Überlegen Sie sich, auch schon früher zu gehen?
"Habe ich nicht. arbeit macht mir unverändert viel freuede"
Ein bisschen Zeit bleibt ihm dafür ja noch. Und in dieser besonderen Umgebung kommen die Gedanken vielleicht ja auch schon von ganz alleine...