Nein, das sind keine Archivbilder aus Zeiten der Pandemie. Wilfried W. trägt heute eine FFP2-Mas-ke. Angeblich sei er erkältet. Vielleicht trägt er sie aber auch aus Scham. Nachdem die Kameras draußen sind, nimmt der 53-Jährige die Maske ab. Erneut wird sein Fall verhandelt. Laut Urteil aus 2018 könnte er in sechs Jahren schon wieder freikommen.
"Heute beginnt das Verfahren über den Antrag der Staatsanwaltschaft Paderborn, die nachträgliche Anordnung der Sicherungsverwahrung für den verurteilten Herrn W. anzuordnen." OT Claudia Strugholz Landgericht Paderborn
Die Taten von Wilfried W. und seiner Exfrau Angelika sind unglaublich grausam. Über Jahre hinweg lockt das Horror-Paar mehrere Frauen in sein Haus nach Höxter. Sie werden geschlagen, getreten, gewürgt. 2 Frauen sterben. Das Landgericht Paderborn verurteilt 2018 beide Angeklagte wegen Mordes durch Unterlassen und versuchten Mordes. Die damals 49-Jährige muss für 13 Jahre in den Knast, Wilfried W. für 11 Jahre in die geschlossene Psychiatrie. Begründung: Wilfried W. sei vermindert schuldfähig. Er habe eine Persönlichkeitsstörung und eine geringe Intelligenz. Zwei Jahre später dann die Wende.
"Im August 2020 hat das Landgericht Münster, als damals zuständiges Gericht, die Unterbringung in dem Krankenhaus für erledigt erklärt und gleichzeitig den Vollzug der Strafe im Strafvollzug angeordent."OT Claudia Strugholz Landgericht Paderborn
Knapp die Hälfte seiner Strafe hat Wilfried W. bereits hinter sich. Die Staatsanwaltschaft will jetzt verhindern, dass der verurteilte Mörder nach absitzen seiner kompletten Strafe wie-der auf freien Fuß kommt. Sie schätzt ihn als nach wie vor gefährlich ein. Die Wahrscheinlichkeit, dass er rückfällig wird, sei groß.
"Das sehen wir anders. Und zwar zusammen mit der seiner zeitigen Sachverständigen Frau Dr. Salme. Wir gehen davon aus, dass nach wie vor eine verminderte Schuldfähigkeit besteht und diese verminderte Schuldfähigkeit wer-den wir versuchen hier im Prozess nachzuweisen, zu belegen. Und zwar in der Form dass Teile der Beweisaufnahme wiederholt werden." OT Carsten Ernst, Verteidiger von Winfried W.
Die Verteidigung will deshalb erreichen, dass auch Angelika W. wieder aussagt. Bestätigt ist das aber noch nicht. Noch vier weitere Verhandlungstage sind angesetzt. Das Urteil könnte schon Ende September fallen.