"Ich hatte Todesangst. Ich stand da und habe mir immer wieder gesagt. Ich habe mir immer wieder gesagt, wie stark ich bin und dass ich das schaffe." Timon ist erst seit 24 Stunden wieder zu Hause. Der junge Mann aus Neuss lag seit Halloween im Krankenhaus. Denn eine Partynacht und ein für Timon harmloser Flirt enden blutig. "Ich habe einfach diesen Stich gespürt und habe geschrien und bin gerannt und bin einfach losgelaufen und habe gespürt, dass mein Rücken ganz warm wird und hab dann gefühlt Meine ganze Hand war voller Blut." Der geständige Täter ein 38-jähriger aus Neuss. Die Polizei spricht auf Nachfrage von einer Beziehungstat. Offenbar rastet der Mann aus Eifersucht aus. Seine Ehefrau lernt Timon vor einigen Monaten kennen. Seitdem hatten beide angeblich losen Kontakt. In der Halloweennacht treffen sie sich dann mit anderen Freunden beim Feiern. Grund zur Eifersucht gab es nicht, so der 22-jährige. Als der Mann seine Frau über Stunden nicht erreicht, eskaliert die Situation laut. Timon schlägt ihn der Mann viermal und sticht einmal zu. Die Messerklinge verfehlt die Leber um einen Zentimeter, verletzt aber die Lunge. Mit einem sogenannten Pneumothorax wird der 22-jährige vier Tage lang im Krankenhaus behandelt. Der Täter bleibt auf freiem Fuß. Für Timmons Familie unverständlich. "Das kann doch nicht sein. Der hat hier mit dem Leben meines Kindes gespielt und es war ihm shit egal, ob er ihn umbringt oder nicht. Zu dem Zeitpunkt, Das unterstelle ich einfach, weil er hätte ganz klar lebenswichtige Organe treffen können." Der Tatverdächtige hat einen Job und einen festen Wohnsitz. Für die Staatsanwaltschaft besteht deshalb keine Fluchtgefahr und somit kein Haftgrund. Gegen den Mann wird wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt. Für die Opferfamilien zu wenig juristisch aber nachvollziehbar, erklärt Rechtsanwalt Andre Miguel. Kurz vor seinem Abflug nach Düsseldorf. "Bei einem Stich kann man häufig davon ausgehen, dass das eine Affekthandlung war, ohne den Vorsatz gehabt zu haben, dass man jemanden umbringt. Wenn man jetzt in Richtung des Herzens, in Richtung des Halses sticht, dann tendiert die Polizei und die Staatsanwaltschaft auch schnell dahin zu sagen okay, er wollte ihn umbringen. Wenn man jetzt aber, ich sage mal relativ wahllos in den Bauch gestochen hat, kann man hier auch davon ausgehen, dass er nicht den Vorsatz hatte, jemanden umzubringen, sondern nur zu verletzen. Sollte der Mann wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt werden, ist eine Bewährungsstrafe möglich. Er könnte aber auch bis zu zehn Jahre ins Gefängnis kommen." Timon will sich jetzt aber erst mal aufs Gesundwerden konzentrieren. Seine körperlichen Wunden werden wohl schneller heilen als die seelischen. "Im Krankenhaus hatte ich Angst, wenn die Tür aufging, dass er dann vor mir steht. Jetzt, wenn ich hier zu Hause bin. Ich kann nicht schlafen. Ich habe letzte Nacht drei Stunden geschlafen. Ich weiß es. Wenn ich draußen rumlaufe und es ist dunkel, werde ich Angst haben. Ich werde nicht in die Stadt gehen, weil ich Angst haben werde. Ja, es wird schon seine Zeit dauern." Der 22-jährige will sich therapeutische Hilfe suchen, um das Geschehene zu verarbeiten. Für die Familie ist schon jetzt klar, dass sie mit vor Gericht zieht, wenn es soweit ist als Nebenkläger. Sie will, dass der blutige Halloween Abend Konsequenzen hat.