Begleitet von Anwälten und Presse trifft Gisele P. im Gericht in Avignon ein. Zeigt sich stark gegenüber ihren Peinigern und der Öffentlichkeit.
Stéphane Babonneau, Anwalt von Gisèle P.: "Es ist wichtig, dass jeder weiß, dass es keinen Grund für sie gibt, sich zu verstecken.Vielleicht inspiriert es andere solcher Opfer."
Gisele P. ist das Opfer in einem Fall, der kaum widerlicher sein kann. Die Vorwürfe gegen ihren Ehemann Dominique P. sind unglaublich. 92 Vergewaltigungen durch 72 Männer im Alter von 20 bis 70 Jahren über einen Zeitraum von fast zehn Jahren.
Gefunden hat Dominique P. die Männer auf Dating-Plattformen, auf denen er seine durch Medikamente betäubte Frau anbietet, die von all den Taten nichts mitbekommt. Der 71-Jährige schaut zu und filmt alles. Und genau diese Aufnahmen findet die Polizei. Weil Dominique P. anderen Frauen unter den Rock filmt, untersucht sie seinen Computer mit unzähligen Videos der Vergewaltigungen.
Sabrina Suberg, RTL-Reporterin in Frankreich: "Was besonders schlimm war ist, dass Gisele ja das ganze Ausmaß ihrer Massenvergewaltigung ja nur Tröpfchenweise mitbekommen hat. Je nach Fortschritt, den die Ermittler in den Vergewaltigungsvideos und -Bilder machten."
51 Männer konnte die Polizei identifizieren. Männer von nebenan.
Béatrice Zavarro, Anwältin von Dominique P.: „Ich glaube, dass es ein wiederkehrendes Muster bei allen Männern gibt, die vor Gericht erscheinen. Es handelt sich um anständige Männer, die von ihrem Umfeld geschätzt werden – gute Väter, liebevolle Ehemänner und manchmal sogar gute Großväter.“
Sie müssen sich jetzt zusammen mit Dominique P. vor Gericht verantworten. An insgesamt 69 Prozesstagen, die für das 72-jährige Opfer Gisele P. nicht leicht werden dürften.
Stéphane Babonneau, Anwalt von Gisèle P.:
"Sie ist überzeugt, dass sie, auch wenn es einige sehr schwierige Momente geben wird, nichts zu verbergen hat und sich für nichts schämen muss."
Denn die einzigen, die sich hier schämen sollten, sind die Männer im Gerichtssaal. Jedem einzelnen drohen bis zu 20 Jahre Haft. Das Urteil soll am 20. Dezember fallen.