Gibt es tatsächlich gestreckte Gewürze in unseren Supermärkten? Das fällt mir schwer zu glauben, und das will ich genauer wissen. Fakt ist: Gewürze sind oft teuer, die Verdienstspannen können groß sein, und auch gerade mit Gewürzmischungen können Hersteller richtig gut verdienen. Auch dazu plane ich ein Experiment: was Kunden wohl zu meiner Pizza-Würzmischung sagen werden, die ich selbst hergestellt habe?
Und die enthält nur Salz, Pfeffer und Oregano, alles was die meisten von uns sowieso schonzuhause haben…
Die Nachfrage nach Gewürzen ist groß. In Deutschland hat sich der Verbrauch in den vergangenen 20 Jahren mehr als verdoppelt: Von 44.000 auf 97.000 Tonnen jährlich. Um da nicht zu viel zu zahlen, gibt es einiges, was Kunden wissen sollten, erklärt mir Dr. Britta Schautz von der Verbraucherzentrale. Das fängt schon bei den Bezeichnungen an:
Eher kritisch sieht die Expertin sogenannte Gewürzsalze
Keine Frage: Fertigmischungen sparen gefühlt Arbeit, und wenn sie auch noch passend für bestimmte Produkte angeboten werden, greift man gerne zu. Nur kann es sich lohnen, hier einmal auf die Zutaten zu schauen, zum Beispiel bei Rührei-Gewürzsalz.
Ich schreibe mehrere Hersteller an, beispielhaft antwortet mir einer der Anbieter, dass man Kundinnen und Kunden eine Komplettlösung biete. Und für den Geschmack von Rührei sei Salz essentiell.
Auch der Hersteller bestätigt mir, dass durch den Namen Emotionen angesprochen werden sollen.
Noch einmal: das ist natürlich alles völlig in Ordnung – aber Kunden sollten sich bewusst machen, dass solche Fertigmischungen auch mal schnell mal bis zu 5 Euro kosten, so die Verbraucherzentrale – das decke sich dann oft nicht so wirklich mit dem Warenwert. Um das verdeutlichen, stelle ich jetzt selbst eine Würzmischung her – ganz simpel aus Salz, Pfeffer und Oregano, das gebe ich auch genau so an. Unsere RTL-Grafik hat mir ein ansprechendes Label für meinen Pizza-Mix gebastelt. Natürlich ist das nur eine Stichprobe – aber wie kommt das bei den Leuten an, und was würden sie dafür zahlen? Um meine Mischung richtig in Szene zu setzen, besorge ich frische Pizza Margherita und würze ordentlich nach.
Gewürzmischungen sind das eine – aber was ist mit reinen Gewürzen, die uns angeboten werden? In einer EU-Studie haben Forscher unerwünschte zusätzliche Stoffe in Gewürzen gefunden. Das erschreckende Ergebnis: Jede fünfte Probe war manipuliert.
Ich kaufe Oregano von verschiedenen Herstellern ein und schicke die Gewürze an ein Labor. Ist in allen Proben tatsächlich reiner Oregano, so, wie es der Gesetzgeber vorsieht? Das Ergebnis wird übrigens „nein“ lauten – so viel schon mal vorab
In diesem Zusammenhang erfahre ich noch etwas,was mich stutzig werden lässt: In buntem Pfeffer soll eben nicht nur bunter Pfeffer drin sein. Ich schaue mir das Ganze genauer an.
Roter Pfeffer ist im Vergleich zum schwarzen, weißen oder grünen Pfeffer die teuerste und seltenste Sorte und muss in aufwändiger Handarbeit geerntet werden. Ich besorge mir roten Pfeffer und siehe da: zwischen den Körnern und den Beeren aus den Gewürzmischungen gibt es einen sichtbaren Unterschied.
Einer der Mischungs-Hersteller schreibt mir dazu:
„Da roter Pfeffer genau im richtigen Moment geerntet werden muss und der Trocknungsprozess sehr aufwendig ist, wird dieser erst seit wenigen Jahren nur von wenigen Pfefferbauern geerntet und gelangt anschließend als Feinkostartikel in den Handel.“
Nach ein paar Wochen sind dann die Ergebnisse der Oregano-DNA-Analysen da: Die Probe des günstigeren Produkts ist einwandfrei und enthält zu 100% Oregano. Die Probe des etwas teureren anderen Produkts enthält aber nicht nur Oregano, sondern tatsächlich auch noch Ackerwinde – eine Feldpflanze, die in geringen Mengen zwar nicht giftig ist, aber abführend wirken kann.Der Hersteller schreibt mir dazu, dass das wohl bei der Ernte passiert sei. Weiter heißt es:
„Dieses Ergebnis überrascht uns nicht, da wir den von Ihnen angegebenen Wert von 2% als gering einschätzen und als nicht über das technisch unvermeidbare Ausmaß hinausgehend.“
Nein, das ist nicht dramatisch – aber bei mir persönlich bleibt da sozusagen ein kleiner Beigeschmack. Immerhin war die andere Probe laut Labor absolut rein. Und eins habe ich bei den Recherchen definitiv gelernt. Auch wenn viele Gewürzmischungen praktisch erscheinen und auch Emotionen ansprechen - wer sparen will, sollte einmal auf Zutatenlisten schauen, und überlegen, ob man das nicht für deutlich weniger Geld auch selbst hinbekommt.