Ex-Staatsanwalt vor Gericht: Missbrauchte er schlafwandelnd seinen Sohn?
Normalerweise sitzt Philipp Meyer auf der Seite der Staatsanwaltschaft. Heute aber sitzt er auf der Anklagebank. Er ist schon da, noch bevor seine Verteidiger den Saal am Landgericht Lübeck überhaupt betreten haben. Der Angeklagte zeigte sich heute vor Gericht sehr selbstbewusst. Ihm war weniger der leidende Vater anzusehen, den seine Schuld belastet, als vielmehr ein Mann, der in die Offensive geht, um den Fall vollständig aufzuklären. Die Anklage lautet auf schweren sexuellen Kindesmissbrauch. Es geht um seinen zur Tatzeit 8-jährigen Sohn, den er missbraucht haben soll. Der 52-jährige selbst hatte den Fall 2019 zur Anzeige gebracht. Er hatte dabei angegeben, sich nicht an die Tat erinnern zu können. Er sei Schlafwandler. Im Zuge des Ermittlungsverfahrens ist es dann dazu gekommen, dass eben mehrere Sachverständige wohl bestätigt haben, dass der Beschuldigte im Schlaf die Tat begangen hat und deshalb nicht schuldfähig ist. Und die Staatsanwaltschaft hat dann das Verfahren eingest elt. Aber die Familie regt offenbar ein so genanntes Klage Erzwingungsverfahren an. Daraufhin erhebt die Staatsanwaltschaft Kiel dann doch Anklage. Und genau die wird eben jetzt vor Gericht verhandelt. Die große Frage dabei wird sein Kann ein Mensch schwere Straftaten im Schlaf begehen, ohne etwas davon mitzubekommen, auch wenn sich beispielsweise das Opfer dagegen wehrt? Tatsächlich ist man in diesem schlafwandlerischen Zustand nicht beim Bewusstsein, also nicht bei dem Tagesbewusstsein, so wie wir das jetzt sind. Man kann dabei aufwachen, wenn man irgendwelche Reaktionen hervorruft durch eigenes Handeln. Man muss es aber nicht. 2021 schockte ein noch krasser Fall die USA. Die Polizei führt den 17-jährigen Benjamin ab. Er selbst hat sie gerufen, denn im Haus liegt seine Zwillingsschwester Megan und verblutet. Die Eltern haben geschlafen, so hat er es uns erzählt. Er hat sie wiederbelebt, nach Hilfe geschrien und sie so geweckt. Aber für Meghan kommt jede Hilfe zu spät. Benjamin hat sie erstochen, behauptet aber, er habe während der Tat geschlafen. Angaben, die für Außenstehende erst mal klingen wie eine Ausrede. Grundsätzlich kann das natürlich eine Ausrede sein. Aber man muss wissen Wer im Schlaf eine Tat begeht, begeht die entweder ohne Vorsatz oder aber es fehlt dann an der Schuldfähigkeit des Beschuldigten. Und dann wird man eben für so eine Tat eben nicht bestraft. Philipp Meyer könnte also freigesprochen werden, auch wenn er die mutmaßliche Tat begangen hat. Sollte das Gericht ihn aber wegen schweren sexuellen Kindesmissbrauchs verurteilen, könnte der ehemalige Staatsanwalt für bis zu 15 Jahre ins Gefängnis gehen.















