Es ist jedes Mal ein heikler Moment – der Moment kurz bevor die Falle zuschnappen soll. Seit Jahren bin ich auf der Jagd nach Liebesbetrügern und ihren Helfern. Aber das System wird immer hinterhältiger. Es geht um Geldwäscherinnen – Deutsche Frauen, die im Auftrag von Liebesbetrügern unterwegs sind.
In einer größeren Aktion wollen wir diesmal gleich zwei von ihnen stellen und vor allem ihren Opfern ein Gesicht geben.
Ein paar Stunden zuvor treffe ich mich mit Monika Sturm. Es ist nicht der richtige Name der 58-Jährigen und auch ihr Aussehen haben wir mit einer Perücke verändert. In ihrem privaten Umfeld hat sie bislang aus Scham geschwiegen. Jetzt aber möchte sie endlich einmal den Tätern in die Augen sehen, ohne die der Betrug nie funktioniert hätte – den Geldwäscherinnen. Dafür bricht Monika Sturm heute ihr Schweigen.
Vor über 10 Jahren hat Monika Sturm ihren Mann verloren. Ihre Kinder allein aufgezogen. Der Mann, der sie über Facebook anschreibt, nennt sich Gulfras Henderson. Dass das Profil ein Fake ist und die Bilder gestohlen sind, weiß Monika Sturm da noch nicht. Es entwickelt sich ein scheinbar zwangloses Gespräch.
Ich weiß, dieser unscheinbar wirkende Wunsch, jederzeit verfügbar zu sein, ist in Wahrheit Teil der Gehirnwäsche der Liebesbetrüger. Doch das durchschaut Monika Sturm in der Verliebtheitsphase nicht.
Liebesbetrüger sind Profis darin, die Gefühle anderer Menschen für sich auszunutzen. Irgendwann behauptet der Mann plötzlich, 10.000 Euro zu benötigen. Angeblich um eine Zoll-Gebühr bezahlen zu können. Monika Sturm wird misstrauisch.
Trotz aller Zweifel überweist sie das Geld. Der Wunsch nach Liebe ist einfach zu groß. Als Monika Sturm aufwacht, wendet sie sich sofort an die Polizei. Doch von dem Beamten fühlt sie sich in ihrer Situation nicht gut aufgefangen.
Monika Sturm hatte an eine deutsche Geldwäscherin überwiesen. Ein Auslandskonto hätte sie misstrauisch gemacht. Das ist der Trick, weiß auch Kiki, die ich am Rheinufer treffe.
Aus Sicherheitsgründen darf ich sie richtigen Namen nicht nennen. Die 62jährige engagiert sich für den Verein Romance-Scambaiter. Seit vielen Jahren decken wir gemeinsam Betrüger und ihre Helfershelfer auf. Kiki zeigt mir eine Liste mit rund 40 deutschen Geldwäsche-Konten, die sie recherchiert hat. Über diese Konten, eingerichtet von Frauen aus Deutschland, werden Gelder, wie das von Monika Sturm, ins Ausland transferiert.
Zwei dieser Geldwäscherinnen möchte ich gemeinsam mit Monika Sturm und Kiki jetzt überführen. Schon vor einigen Wochen sind wir auf ein Bankkonto von Heidi S. gestoßen. Anfangs glauben wir noch, dass die Frau selbst ein Betrugs-Opfer ist. Doch als wir Heidi S. anrufen, um sie zu warnen, erfahren wir ungeheuerliches.
Stimmen unsere Informationen, bekommt die Frau für ihren Handlanger-Job auch noch Geld. Wie viel, dass möchte ich persönlich von ihr wissen. Wir gehen zu Heidi S. nach Hause. Eigentlich erwartet sie ein Paket mit Geld. Dafür kommen wir.
Die Frau hat angeblich keine Zeit. Doch wenige Minuten später öffnet sich wieder die Tür.
Was sie uns erzählt, wie Monika Sturm darauf reagiert und wie unsere Aktion am Kölner Hauptbahnhof ausgeht. Mehr dazu morgen.