Sie strecken ihren Arm zum Hitler-Gruß. Schüler auf einem Bolzplatz in Burg. In Deutschland ma-chen sie sich damit strafbar und lösen einen Skandal aus, der hohe Wellen schlägt.
SCHLAGZEILEN
Nazi-Parolen, Haken-kreuze, rechte Musik ... all das gehört hier an der Schule zum Alltag. Und die-se beiden Lehrer ha-ben den Rechtsextre-mismus publik ge-macht: Laura und Max – und setzen damit ihr Leben aufs Spiel.
„Wir sind jetzt in einer Lage, in der wir unseren Arbeits-ort verlassen müs-sen, weil wir das öffentlich gemacht haben.“
Mit einem Brandbrief wenden sich Laura und Max an die Öf-fentlichkeit. Weil sie tagtäglich damit beschäftigt seien, Schüler zu schützen: vor psychischer und physischer rechter Gewalt. Doch jetzt sind sie SELBST Op-fer einer Hetzjagd, die sie an ihre Grenzen bringt …
SCHWARZBLENDE
Laura Nickel unter-richtet seit vier Jahren Englisch und Geschichte hier an der Grund- und Ober-schule in Burg. Im-mer wieder sei ihr von rassistischen, homophoben und se-xistischen Ausfällen erzählt worden. Ihr Kollege, Max Teske, lehrt ebenfalls dor-t. Mathematik und Geografie. AUCH ER sieht, was in seiner Schule nicht stimmt.
OT Max Teske - Leh-rer
„Wir haben nicht nur Schmierereien auf dem Schulmobiliar. Wir haben auch Schü-lerinnen, die Angst haben, in die Schule zu kommen. Wir haben Schüler, die den Hitlergruß zeigen, wir haben Schüler, die menschenverach-tende Äußerungen tä-tigen. Und wir wol-len einfach nicht mehr länger wegse-hen.“
Doch HINSEHEN will außer ihnen offenbar KEINER. Deshalb ver-fassen die beiden einen Brandbrief und wenden sich damit an die Öffentlichkeit.
BRANDBRIEF
„Wir erleben eine Mauer des Schweigens und der fehlenden Unterstützung sei-tens Schulleitungen, Schulämter und Poli-tik bei der Bekämp-fung demokratie-feindlicher Struktu-ren, sowohl in der Schüler- und Eltern-schaft als auch bei den Kollegen.“
Der Brief schlägt hohe Wellen. Auch wir haben uns nach seiner Veröffentli-chung ein Bild von der Situation vor Ort gemacht.
SCHWARZBLENDE (Mai 2023)
Auf dem ersten Blick leben die Menschen in Burg im Spreewald idyllisch und ruhig - doch dieses Foto zeigt: es liegt ein brauner Schatten über der Gemeinde! Jugendliche posieren am Bolzplatz. Ohne Skrupel strecken zehn von ihnen den Arm zum Hitlergruß. In Deutschland eine Straftat. Nur reden will in dem kleinen Ort darüber offenbar niemand.
FREISTAND
„Sind sie Eltern hier?“ „Sie können gleich wieder abhau-en.“ „Alles klar, gut.“
„Sie wollen nicht mit uns reden?“ „Nein.“
Aber was ist hier an der Schule los? Un-ser Reporter erfähr-t, dass das Nazi- Verhalten scheinbar kein Einzelfall ist.
FREISTAND
„Ich würde sagen, das hat man schon öfters gehört hier.“
Will die Schullei-tung hier das Pro-blem vertuschen? Auf Emails bekommen wir keine Antwort. Also suchen wir die Di-rektorin höchstper-sönlich, aber:
FREISTAND (nachge-sprochen von Katja)
„Nein kein Kommen-tar, bitte verlassen sie das Gelände.“
Aber wie sieht es im Umfeld der Schule aus? Erst Tage zuvor hat eine Gruppe von Rechtsextremen vor dem Schulhof Flyer verteilt.
OT Markus Frenzel – RTL-Reporter
„Es gab eine richti-ge Traube von Schü-lern außen herum und auf den T-Shirts von den jungen Männern stand dann ‚natio-nal, revolutionär, sozialistisch‘.“
Wir wollen den Bür-germeister zu den Strukturen rund um die Schule befragen. Aber wieder scheucht man uns weg.
FREISTAND (nachge-sprochen von Katja)
„Dürfte ich sie bit-ten unser Haus zu verlassen?!“
Die Einzige, die mit uns spricht, ist die ehemalige Schullei-terin der Schule in Burg. Margit Neuge-bauer kennt das Pro-blem.
OT Margit Neugebauer – Ehem. Schulleite-rin
„Dass Schüler Symbo-le gemacht haben und so weiter hats immer gegeben, aber da wa-ren es einzelne Schüler, die mal im Mittelpunkt stehen wollen. Heute haben wir Gruppen von Schülern, die ernst-haft überzeugt sind, dass sie die mutigen sind, die sie das sagen, was die Mehr-heit der Gesell-schaft denkt. Und das ist doch eine Katastrophe eigent-lich.“
Das finden auch Lau-ra und Max. Deshalb kämpfen sie weiter gegen Rechtsextre-mismus, Sexismus und Homophobie – wie hier, vor wenigen Wochen. Dabei werden sie AUCH von zahl-reichen Menschen un-terstützt, die in der Region teilweise ähnliches erlebt ha-ben, wie diese Schü-lerin.
- OT Melanie (18) – Schülerin aus Bran-denburg
„Der Rassismus, Se-xismus, Trans-Feind-lichkeit, Homo- Feindlichkeit, Dis-kriminierung gegen-über Leuten mit ver-schiedenen sozialen Herkünften oder an-deren Hautfarben ist auf jeden Fall ex-trem.“
Gerade diese Unter-stützung bestärkt Laura und Max darin, nicht zu schweigen.
OT Laura Nickel – Verfasserin des Brandbriefes
„Man hat das Gefühl, man hat da irgendwie ins Wespennest ge-stochen und hat jetzt irgendwie et-was losgetreten, dessen Folgen man erst mal absehen muss. (Ich finde, man hat noch gar nicht den richtigen Überblick über all diese Taten.)“
Statt Besserung, be-ginnt eine regel-rechten Hetzjagd ge-gen Laura und Max. In der Stadt kleben Sticker mit den Ge-sichtern der beiden: sie sollen sich nach Berlin verpissen. Im Netz wird zur „Jagd“ gegen Laura und Max aufgerufen. Und Af-D-Politiker bezwei-feln den Rechtsex-tremismus an der Schule in Burg.
Dennis Hohloch – Af-D-Fraktion Branden-burg
„Nur weil zwei Leh-rer etwas behaupten, heißt es nicht, dass es stimmt. (BLITZ) Und das, was die Lehrer hier getan haben, war nichts anderes als Denun-ziation.“
Bei solchen Aufnah-men klingen diese Äußerungen nach blankem Hohn … Doch SELBST Elternvertre-ter wenden sich an die Schule und GEGEN Laura und Max.
ELTERNBRIEF
„Wir fordern eine Entlassung dieser beiden ‚Lehrer‘, dessen pädagogische Qualität definitiv nicht vorhanden ist.“
Verbale Anfeindun-gen, Anschuldigungen und Einschüchte-rungsversuche gegen zwei Lehrkräfte, die für die Demokratie einstehen. All das – Zeichen eines syste-mischen Versagens, laut Experten.
OT Timo Reinfrank – Geschäftsführer Ama-deu Antonio Stiftung
„Das ist eine Angst-Zone. Das ist … Die Nazis begrei-fen das als ihre „Homezone“. Und man muss ein bisschen sagen, dass auf die-se Intervention durch die Lehrer, auf diesen Brand-brief, einfach über-haupt nichts gefolgt ist. Es gab ein großes, bundesweites Echo. Die Bundespo-litik hat reagiert, die Medien haben reagiert, aber in Brandenburg ist halt überhaupt nichts passiert. In der Bildungsverwaltung ist überhaupt nichts passiert und im Schulamt ist auch nichts passiert.“
Laura und Max sorgen sich mittlerweile um ihre eigene Sicher-heit und um die ih-rer Liebsten … so sehr, dass sie sich gezwungen fühlen, hinzuschmeißen und beim Schulamt um Versetzung zu bit-ten. Doch aufgeben werden die beiden nicht.
OT Max Teske – Leh-rer
„Wir werden weiter-hin laut sein. Wir werden politisch weiterhin wirken und die Rechten haben nicht gewonnen. Sie werden niemals ge-winnen.“
Für das kommende Schuljahr haben Lau-ra und Max bereits eine neue Stelle als Lehrer gefunden. Ganz weit weg von ihrer ehemaligen Schule in Burg.