Mit einem geklauten Lieferwagen rammen sie das Tor zur Lagerhalle. Die Jugendlichen verschaffen sich Zugang zur heißersehnten Beute: Kupfer. Das jüngste Mitglied dieser Diebesbande soll gerade mal elf Jahre alt sein! Und ihm gehört die betroffene Firma: Heizungsinstallateur Michael Scholz ist fassungslos. „Das ist dreist. Sind ja auch junge Bengel gewesen, wenn man das mal überlegt. So, und was passiert, wenn sie erwischt werden? Die werden wieder nach Hause entlassen.“
Die eingesackte Beute lässt sich auf dem Schwarzmarkt vermutlich gut verkaufen. So ist der Preis für Edelmetalle wie Kupfer in den vergangenen Jahren stark gestiegen.
"15 mm Kupferrohr, das haben wir vor zwei Jahren für 1,80 Euro gekauft. Kostet jetzt sieben Euro im Einkauf." Etwa 30.000 Euro Schaden sind bei ihm entstanden. In der benachbarten Elektrofirma sind es gleich 70.000 Euro. Von dort hatten sich die Diebe ein Tat- und ein Fluchtfahrzeug geklaut. Eines davon findet die Polizei später in Dortmund.
„Das zweite Fahrzeug war länger unterwegs, wurde erst in Bielefeld geblitzt und ist am Schluss in Holland sichergestellt worden.“ Neben Wut empfindet der geschädigte Chef aber auch Mitleid.
„Kinder für solche Taten zu missbrauchen, finde ich menschenunwürdig. Ich glaube, so möchte niemand großwerden." Laut Polizei werden die Kinder bei solchen Diebstählen teils gezielt eingesetzt.
„Gerade bei Kindern, die noch nicht im strafmündigen Alter sind, ist es für die Polizei immens schwierig, da Strafverfahren einzuleiten und die erfolgreich abzuschließen.“
Deswegen stehe man auch im engen Kontakt mit dem Jugendamt, so die Polizei.
Die beliebten Edelmetalle wie Kupfer finden sich auch in Windparks wieder. Diebstähle häufen sich auch hier, können aber lebensgefährlich enden.
„Wir reden hier von Anlagen, die 30.000 Volt haben. 30.000 Volt bedeutet im Grunde genommen, sobald man sich dem auf ne bestimmte Distanz nähert, man einen Stromfluss bekommt, der tödlich ist.“
Trotzdem gab es innerhalb von nur einem Jahr allein bei diesem Windpark-Betreiber 15 Diebstähle und Einbrüche.
„Wir als Betreiber rüsten uns derzeit so auf, dass wir grundsätzlich die Baustellen mit Kameras einrüsten, aber auch 24/7 einen Wachdienst vorhalten.“
Die Ermittlungen der Polizei laufen auf Hochtouren. Erste Erfolge gibt es schon: Im Raum Dortmund konnten schon die ersten jugendlichen Tatverdächtigen festgenommen werden.