Manchmal denke ich, so ist es einfach nur so ein böser Traum. Und irgendwie zwinge ich mich und wache dann schweißgebadet auf. Aber es ist leider kein Traum. Es gehört zu meiner Geschichte. Es gehört zu meiner Realität.
Ein zwei Zentimeter großer Tumor ändert von einer Sekunde auf die nächste alles für Hayriye Oğuz. 2018 ertastet ihn ihre Ärztin bei einer Vorsorgeuntersuchung. Der erste Gedanke der Hamburgerin.
Mit mir nicht. Weiß ich noch. Also das war natürlich ein Schock.
Dass das Risiko, an Krebs zu erkranken, besonders hoch ist, ahnt die Hamburgerin schon. Denn zwei Jahre zuvor stirbt ihr Vater an Prostatakrebs, sechs Jahre später ihre Mutter an Lungenkrebs. Bei beiden kommen die Diagnosen zu spät, um noch etwas dagegen tun zu können. Bei Hayriye soll es anders laufen.
Ich wollte zu dem Zeitpunkt wirklich all das machen, um zu überleben.
Sie lässt sich im Hamburger Universitätsklinikum beraten und behandeln.
Und dann tatsächlich operiert. Dann die Chemotherapie und dann die Bestrahlung. Volles Programm.
Die Maßnahmen zeigen Wirkung. Seit fünf Jahren lebt die 52-Jährige nun ohne Krebs. Für diesen Erfolg nimmt sie auch die schweren Nebenwirkungen der Therapie in Kauf.
Nervenschädigung durch die Chemotherapie. Dann macht das ganze Paket Brustkrebs natürlich auch etwas mit der Seele.
Die gelernte Eventmanagerin holt sich Unterstützung, beginnt mit Sport. Erst Qigong, dann Boxen. Ihr Trainer Ulf Andres unterstützt Sie dabei auch emotional.
Man kann einfach Dampf ablassen. Jeder kann seine eigene Grenze gehen.
Es gibt mir mentale Kraft. Ich kann hier meine Gedanken ordnen.
Denn die Auseinandersetzung mit dem Thema Krebs kostet Kraft, sagt Hayriye aus. Jede achte Frau erkrankt im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs. Je früher er erkannt wird, umso größer seine Heilungschancen. Frühzeitig heißt das kleiner als zwei Zentimeter. Der Befund und die Lymphknoten sind nicht befallen. Das ist natürlich relevant für die Prognose und für die Therapie. Also Brustkrebs im Frühstadium zu entdecken. Denn dann ist diese Erkrankung in den allermeisten Fällen eben auch heilbar. Die Vorsorge beginnt für Frauen mit dem Abtasten der Brust beim Frauenarzt und Ultraschalluntersuchungen Ab 50 Jahren empfehlen die Ärztinnen ein Brustscreening, die sogenannte Mammographie.
Dann wird die Brust hier im Stehen komprimiert und von oben kommt der Strahl oder von der Seite, je nachdem welche Ebene geröntgt wird. Und das dauert ein paar Sekunden.
Damit sich Frauen auch schon vor den medizinischen Untersuchungen um ihre Brustgesundheit kümmern, hat die gemeinnützige Organisation Pink Ribbon vor drei Jahren eine App entwickelt, die an das regelmäßige Abtasten erinnert und Tipps für einen gesunden Lebensstil gibt.
Alles Wichtige ist da zusammengefasst. Man bekommt ganz viele tolle Tipps. Es gibt einen Zykluskalender und das Interessante dabei ist, es funktioniert in neun Sprachen.
Auch unsere RTL-Moderatorinnen engagieren sich als Botschafterinnen für Pink Ribbon.
Das, was Pink Ribbon zum Beispiel auch geschafft.
Hat, ist, dass Betroffene wissen: Ich bin nicht alleine.
Sondern es gibt viele, viele, nicht nur Frauen. Es sind ja auch Männer betroffen.
Letztendlich hat Früherkennung mein Leben gerettet. Wegen der Geschichte meiner Mama, die mit 39 damals Brustkrebs hatte.
Auch wenn jede Vorsorgeuntersuchung verbunden ist mit der Angst vor dem Ergebnis. Hayriye Oğuz würde diesen Weg immer wieder wählen.
Es kostet euch vielleicht eine Stunde, irgendwie einmal im Jahr. Und ja, man hat dann Gewissheit.
Hineinfühlen statt Wegsehen. Dafür will Pink Ribbon sensibilisieren. Hayriye Oğuz hat das wahrscheinlich ihr Leben gerettet.