01ok
Länge: 8:11
L.W.: „…mit einem harmlosen Internetflirt beginnt.“
Katharina, Love-Scamming-Opfer 1:15-1:26
Kingdom, Juju-Priester 5:10-5:17
Philipp Cerfontaine, RTL-Reporter 5:47-5:51
Kwabena, ehemaliger Love-Scammer 6:04-6:09
Kwabena, ehemaliger Liebesbetrüger 6:26-6:33
Akwasi, ehemaliger Scammer 7:06-7:11
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https://www.redaktionsportal.netrtl.com/Rp2/search-details?contextSystemId=koelnnews&mediaType=video&id=293741339
https://wolftech.netrtl.com/story/281618
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Voodoo, Ritualmorde, Internetbetrügerein. Die Sakawa-Boys, ein Verbrecherclan aus dem westafrikanischen Ghana, ist längst zu einer gefährlichen Schattenindustrie geworden, vor dem wir selbst in Deutschland nicht sicher sind. Wie genau die Scammer arbeiten, und wie sie deutsche Frauen abzocken - wir haben bei einer nicht ungefährlichen Vor-Ort-Recherche mit Aussteigern gesprochen. Und mit ihren Opfern in Deutschland.
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Skelette, Totenköpfe, Opferaltare: es ist ein seltener Einblick in eine verschlossene, dunkle Welt: ich werde Zeuge eines Juju-Rituals, einer alten Tradition in Westafrika, bei der unschuldige Europäer mit einem Fluch belegt werden. Und der dazu führen soll, dass sie Geld zahlen. Alles, was dafür nötig ist, ist ein Foto des Opfers. Und Fotos finde ich hier haufenweise…
Love-Scamming in Ghana vermischt modernen Internetbetrug mit hunderte Jahre-alten Bräuchen. Es ist eine Schattenindustrie, die Millionen macht, und deren Mitglieder extrem gefährlich sind.
Aufsager Auto
Ich bin in Hamburg-Harburg. Weit weg von Ghana. Doch Liebesbetrüger finden ihre Opfer auf der ganzen Welt. Hier lebt eine Frau, die ich Katharina nennen möchte. Auf der Datenseite LoveScout lernt sie 2021 Jones kennen - einen nach eigenen Angaben erfolgreichen Geschäftsmann aus den USA. Doch zu einem Date kommt es nie, stattdessen manipuliert Jones Katharina so geschickt, dass sie ihm irgendwann Geld schickt.
OT Geld
„…100.000 Euro.“
Doch Katharina schickt Jones nicht nur Geld. Sondern auch teure, neue iPhones. Per Post gehen sie nach Accra, der Hauptstadt Ghanas. Katharina hat alles akribisch dokumentiert.
Situativ: „…das denke ich nämlich auch.“
Auch in Karls Fall führt die Spur nach Westafrika. Der Rentner, der aus Scham unerkannt bleiben möchte, verliert 33.000 Euro an jemanden, der im Internet vorgibt diese Frau zu sein. Auch Karl schickt er neue Handys an eine Adresse in Ghana. Wertvolle Informationen, mit denen ich mich auf die Reise mache.
Meine erste Anlaufstelle in der Hauptstadt Accra sind die Kriminalpolizei, und die Behörde für Internetsicherheit. Ich teile sämtliche Informationen, die ich über Karls und Katharinas Betrüger zusammentragen konnte, Telefonnummern und Adressen. Alleine dort hinzufahren wäre lebensgefährlich, deshalb hoffe ich auf die Unterstützung der Polizei.
In der Zwischenzeit will mehr über das Scammen erfahren, den Anreiz, die Methoden. Und über die Gründe, warum viele junge Menschen in Ghana zu sogenannten Sakawa-Boys werden, die Internetbetrug kreuzen mit schwarzer Voodoo-Magie.
Freistand: Voodoo
Und die auch vor Mord nicht zurückschrecken. Es sind keine pubertären Computerfreaks, es sind gefährliche Kriminelle. Einen von ihnen werde ich heute treffen, unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen, an einem geheimen Ort. Was ich nicht weiß: während des gesamten Interviews trägt der Mann eine geladene Waffe unter seinem T-Shirt. Und er deutet auch sofort an, warum.
OT Peter
„…nur anhand eines Fotos“
Dank solcher kostenloser Apps, erklärt er, kann er Videos von x-beliebigen Personen erstellen. Alles, was er dafür braucht, ist ein Foto. Ein wichtiges Werkzeug, das ins Spiel kommt wenn seine Opfer Zweifel an seiner Identität haben und nach einem Video-Anruf verlangen. Moderne Technologien allein reichen aber nicht. In Ghana vertrauen Scammer zusätzlich auf die Kräfte von Voodoo-Priestern. Unser Kontaktmann vor Ort hat es geschafft, einen solchen Priester zu einem Interview zu überzeugen. Dafür müssen wir bis an die Grenze zu Togo fahren. Eine strapaziöse Fahrt, die sich aber auszahlt, denn vor Ort bekomme ich einen so düsteren wie exklusiven Einblick in die Sakawa-Kultur Westafrikas.
OT Priester
„Das Juju hier ist so mächtig, dass es einen lebenden Hahn umbringen kann. Ohne Fremdeinwirkung. Wenn du von jemanden Geld haben willst - sagen wir von einem Amerikaner oder Europäer, egal wo - sorgt das Juju dafür, dass er es schickt. Du brauchst nur ein Foto von ihm.“
Und Fotos gibt es hier haufenweise - nebenan in einem Raum, wo die Rituale abgehalten werden.
Situativ: „…möglicherweise den Menschen zu betrügen.“
Auch Kwabena hat seine Opfer mit Hilfe von Juju-Priestern verhext, sagt er. Seinen wahren Namen bat mich der Scammer zu verschweigen, aus Sorge.
Reporter:
„Warum hast du mit dem Betrügen angefangen?“
OT Kwabena „Ich wollte einen schönen Lebensstil. Ich dachte, durch das Betrügen kann ich das erreichen.“
Kwabena zockt tausende Euro ab. Er selbst gibt sich als weibliches, weißes Model aus, die Fotos für seine falsche Identität klaute er sich im Netz zusammen. Ich will wissen, ob er für seine Opfer jemals Mitleid empfunden hat.
OT Kwabena „Ich war fest davon überzeugt, dass meine Opfer genug Geld hatten und dass ihnen das bisschen, dass sie verloren haben, nicht weh tat. Bis ich eine Erleuchtung hatte. Ich begriff, dass es falsch war, was ich tat. Ich fing an die Bibel zu lesen.
Kwabena wandelt sich. Der Betrüger von damals ist heute ein Prediger, der Scammern beweisen will: schaut mich an, es gibt einen Weg dort raus. Und Akwasi würde heute vermutlich immer noch bis zu 70.000 Euro im Jahr von Menschen in Europa und Amerika erschwindeln, wäre er nicht vor kurzem Kwabena begegnet.
OT Akwasi „Ich habe es aus Armut gemacht. Ich konnte mir nicht mal neue Unterwäsche leisten. Das Geld habe ich für neue Kleidung gebraucht. Es tut mir sehr leid, dass ich das hartverdiente Geld anderer Leute genommen habe. Aber ich hatte keine andere Wahl.“
Ich kaufe ihnen die Reue ab. Ein besseres Leben zu haben in dem sie das eines anderen ruinieren - es rechtfertigt ihre Taten dennoch nicht. Zurück in Accra rufe ich Karl und Katharina an, erzähle ihnen, was ich erlebt habe, und dass ihr Fall jetzt bei Kriminalpolizei liegt.
OT Kooperativ
Als ich ihre Betrüger anrufe und mich als Journalist zu erkennen gebe, beharren sie darauf, dass sich bei den gestohlenen Identitäten um sie handeln würde. Näher komme ich den Betrügern nicht mehr, aber die Nervosität ist ihnen in den Chats deutlich anzumerken. Ich verspüre ein bisschen Genugtuung, dass ihnen ein Journalist bis nach Ghana folgt, damit haben sie nicht gerechnet. Die Betrugsmaschinerie läuft weiter auf Hochtouren, die Summen, die erschwindelt werden sind unvorstellbar, die Opfer unzählbar. Aber ich verstehe jetzt ein bisschen besser, was diese Menschen antreibt, wie sie vorgehen. Und dass alles oft nur mit einem harmlosen Internetflirt beginnt.