Johanna K. ist zum Prozess gekommen um als Zeugin auszusa-gen. Um anderen Op-fern Mut zu machen. Aus Scham darüber, was Gunter M. ihr angetan haben soll, will die 41-Jährige unerkannt bleiben. Ab ihrem zwölften Lebensjahr soll er sie mehrfach miss-braucht haben.
"Er hat es einfach getan , ohne mich zu fragen . Ich wollte das nicht . Es war mir unangenehm . Ich habe ihn weggestoßen und ich habe viele Situationen mit ihm erlebt . Ab da wuss-te ich okay , ir-gendwie , irgendwie . Irgendwas läuft hier schief . Aber ich sehe es aus da-maliger Sicht . Kin-der können gut ver-drängen und so war es auch bei mir."
Es ist ein körperli-cher aber auch see-lischer Schmerz, den ihr der Karate-Trai-ner zugefügt haben soll - und vielen weiteren mutmaßli-chen Opfern:
„Die Staatsanwalt-sachft wirft ihm schweren sexuellen Missbrauch von Kin-dern in Tateinheit mit sexuellem Miss-brauch von Schutzbe-fohlenen in nahezu 350 Fällen vor.“
In dieser Turnhalle aber auch im Auto oder bei ihm zuhause in Dessau, so der Vorwurf, habe er sich an den Kindern vergangen.
Gunter M., heute 53 Jahre alt, selbst Vater, gründet 1991 den Karateverein. Wie viele der ihm anvertrauten Kinder er in all den Jahren missbraucht haben soll - unklar. Eines seiner mutmaßlichen Opfer, um das sich der aktuelle Prozess dreht, war erst 9 Jahre alt. Von 2017 bis 2020 habe der Karatetrainer den Einzelunterricht als Vorwand genutzt.
„Es ist in der Tat so, dass die Geschä-digte sehr talen-tiert war, im Rahmen der Ausübung der von ihr gewählten Sport-art und das führte dazu, dass natürlich an überregionalen Wettkämpfen teilge-nommen wurde und das bedingte einen er-höhten Trainingsbe-darf.“
SO habe er sich ihr langsam genähert, wie er im Prozess zum Teil auch ge-steht.
„Dabei soll es sich zunächst um harmlose Berührungen gehan-delt haben. Im Laufe der Zeit soll er sich dadurch aber auch zunehmend sexu-ell erregt gefühlt haben.“
Johanna K. soll schon 1995, vier Jahre nach Gründung des Vereins, von ihm missbraucht worden sein. Fast 30 Jahre schweigt sie zu den Taten:
„Ich trage eine Lüge die ganzen Jah-re rum, ich trage einen Rucksack rum und ich sage immer nur Schweigen nur schweigen schützt hier den Täter und ich meine Intention hier ist andere Op-fer wachzurütteln und zu sagen wen gibt es da draußen, der ebenso Opfer ist wie ich der ebenso was zu sagen hat zu Gunter M. Der mit ihm eine Rechnung offen hat so wie das bis dato hatte, denn das befreit."
Sie hofft, dass auch weitere Opfer den Mut haben, sich ge-gen Gunter M. zu wehren. Die Staats-anwaltschaft fordert neun Jahre Haft und ein mehrjähriges Be-rufsverbot für den 53-Jährigen.