Fünf Kugeln treffen Mouhamed Drame. Der 16-jährige aus dem Senegal sackt zusammen und stirbt. Erschossen von der Polizei. Beim Prozess am Landgericht Dortmund sagt heute der Schütze aus: Fabian S. RTL WEST ist mit im Gerichtssaal und zitiert die Aussagen des 34-Jährigen. Der Richter fragt ihn wann er vom Tod des Flüchtlings erfahren hat.
„Irgendwann, als wir auf Wache waren, so 30 bis 45 Minuten danach. Es war ein Schock. Es war, als ob die Zeit stehen bleibt, als ob das Herz stehen bleibt.“
Dortmund. August 2022. Der Senegalese hält sich im Innenhof einer Jugendeinrichtung ein Küchenmesser an den Bauch. Offenbar will sich der Teenager umbringen. Fünf Polizisten treffen ein. Mouhamed Drame reagiert wohl nicht auf Ansprachen der Beamten. Dann soll er mit dem Messer auf die Polizisten zugegangen sein. Der Einsatz eines Tasers zeigt wohl keine Wirkung. Dann schießt Fabian S. mit seiner Maschinenpistole. Eine MP5 wie diese. Aus Notwehr, wie er sagt.
"Ich wollte, dass er stehen bleibt, dass er nicht weiter mit dem Messer auf uns zukommt. Für mich war das lebensgefährlich. So fünf-, sechsmal habe ich geschossen. Ich hätte aus meiner Sicht keine Zeit gehabt abzuwarten."
Der Jugendliche stirbt. Die Staatsanwaltschaft hält den Einsatz für unverhältnismäßig. Sie wirft dem Schützen Totschlag vor. Am Ende seiner Aussage richtet sich der Polizist an die beiden Brüder des Opfers.
"Das Ganze trifft mich sehr und macht mich traurig. Ich will mir nicht vorstellen, wie es ist, einen Menschen zu verlieren. Ich spreche Ihnen mein aufrichtiges Mitgefühl aus."
Einer der beiden Brüder fängt in dem Moment an zu weinen. Der Schütze muss mit einer Freiheitsstrafe von bis zu 15 Jahren rechnen. Die anderen vier Polizisten mit einer mehrjährigen Haftstrafe. Unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung. Das Urteil soll Mitte des Jahres fallen.