Gehört Jennifer M. zu den Eltern, die ihre Kinder absichtlich krank machen? Ihre eigene Mutter sagt JA.
"Es geht bei ihr tatsächlich um nichts anderes. Sie möchte Aufmerksamkeit. Und das hat sie als Kind auch immer schon versucht."
Seit gestern steht die zweifache Mutter Jennifer M. in Heidelberg vor dem Landgericht. Sie soll im Sommer 2023 ihrer damals dreijährigen Tochter über einen Venenzugang immer wieder Keime gespritzt haben - das Mädchen bekam Fieber, war immer wieder in Kliniken und musste etliche Untersuchungen über sich ergehen lassen. Die Staatsanwaltschaft glaubt, die Mutter leide am Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom und habe ihre Tochter absichtlich mit den Keimen infiziert.
"Der Patient oder die Patientin wünscht sich eine Form von Aufmerksamkeit. Manchmal steht dahinter auch das Bedürfnis, gesehen zu werden, vielleicht als Umsorger wahrgenommen zu werden. Also eine besondere Stellung soll mir zuteilwerden."
Oft sind Frauen von diesem Syndrom betroffen, das für Außenstehende meist nur schwer erkennbar ist. Auch für Ärzte, die nicht jede besorgte Mutter direkt unter Generalverdacht stellen können. Doch sollte der Verdacht aufkommen, sind die Betroffenen meist schnell wieder weg.
"Ein Kennzeichen von diesem Münchhausen Stellvertreter Syndrom ist eben der häufige Arztwechsel sodass das medizinische Personal an der Stelle auch nicht weiter mitverfolgen kann und dementsprechend auch häufig nicht intervenieren kann."
Selbst der Vater des Kindes und Lebensgefährte von Jennifer M. will nicht geahnt haben, was das Mädchen womöglich völlig unnötig ertragen musste.
Für Stephanie M., die Mutter der Angeklagten, kommen die Vorwürfe weniger überraschend.
"Meine Tochter hat seit mindestens ihrem 16., 17. Lebensjahr eine psychische Grunderkrankung. Begonnen hat es mit einem Narzissmus und hat sich dann in ein Münchhausensyndrom und jetzt letztendlich in ein Münchhausen-Stellvertreter Syndrom umgewandelt. Daher ist davon auszugehen, dass sie das tatsächlich getan hat."
Davon geht auch die Staatsanwaltschaft aus und wirft der 26-jährigen die Misshandlung Schutzbefohlener und gefährliche Körperverletzung vor - Stephanie M. hofft, dass ihre Tochter nicht nur Einsicht zeigt, sondern auch die therapeutische Hilfe bekommt, die sie wohl so dringend benötigt...