Janina Gaisbauer: Es ist wirklich ein absolutes Wunschkind
Endlich schwanger – für Janina ist DAS die schönste Nachricht ihres Lebens. Aber dann hört sie plötzlich beim Ultraschall die schlimmste Nachricht ihres Lebens.
Janina: Man hat Leben und Tod im Körper vereint. Ist schon verrückt.
Janina hat Brustkrebs und braucht eine Chemotherapie. Aber kann sie die wirklich machen mit Baby im Bauch? Was bedeutet das für ihr Baby? Und was für sie selbst, wenn sie die Behandlung ablehnt?
Astrid Preiß, Gynäkologin: Was kann man da raten? Muss die Patientin entscheiden, welches Leben für sie jetzt Vorrang hat.
Jede 8. Frau bekommt im Laufe ihres Lebens Brustkrebs und 1 von 1000 werdenden Müttern erhält eine Krebsdiagnose während der Schwangerschaft.
Jennifer Gaisbauer, Mutter: Früher hat’s geheißen, man muss abtreiben.
Janinas Beziehung hält den Druck nicht aus - muss sie jetzt wirklich ganz allein die schwierigste Entscheidung ihres Lebens treffen?
Vor 2 Jahren denkt Janina, sie sei der glücklichste Mensch der Welt.
Ihr Schwangerschaftstest ist positiv. Jetzt kann sie endlich ihre eigene kleine Familie gründen.
Janina: Ich habe mir immer Kinder gewünscht, gerne auch mehr. Und es ist wirklich ein absolutes Wunschkind.
Die Bürokauffrau plant schon ihre Zukunft als Mami, aber plötzlich bricht ihre Welt zusammen.
Janina: Abends kurz vor zehn war es, glaube ich, stand ich unter der Dusche Und bettfertig machen. Schön frisch geduscht, ganz entspannt ins Bett. Und dann merke ich so, das ist auf der anderen Seite nicht. Puh. Und dann war das so, so ein bisschen grad mal ein so ein Zentimeter. Und hab halt natürlich direkt erst mal Panik bekommen im ersten Moment. Also, was ist das?
Krebs mit 31? Damit rechnet Janina nicht - so wie keine junge Frau in ihrem Alter. Aber sie will sicher sein und geht in die Praxis, in der die Frauenärztin ihr beim letzten Besuch ihre Schwangerschaft bestätigt hat.
Astrid Preiß: Man sagt gerade ja, herzlichen Glückwunsch, Sie sind schwanger. Und im gleichen Moment sieht man diesen Befund. Das muss abgeklärt werden. Da liegen Freud und Leid einfach extremst nah beisammen. Und ja schwierig.
Der Knoten in Janinas Brust ist auffällig groß. Mit 31 Brustkrebs. Das fühlt sich für Janina so falsch an.
Janina: Es ist völlig unwirklich in dem Moment. Und dann kamen die Tränen. Dann ist es erst mal raus. Und das. Was mache ich jetzt? Was mache ich mit meinem Kind?
Auch Janinas Mama Jennifer (Dschenifer) hat Angst, mit der falschen Entscheidung ein Kind zu verlieren – ihr eigenes. Ihre erwachsene Tochter.
Jennifer: Ich habe echt gebetet, ich habe gezittert und erst kam die Nachricht ich werde Oma. Natürlich Freudentränen, klar. Und dann später dann habe ich gesagt gekriegt, was sie hat. Ja, da ist bei mir erst mal eine Welt zusammengebrochen, weil ich erstmal gedacht hab, ob das klappt mit der Schwangerschaft. Früher hat’s geheißen, man muss abtreiben.
Das eigene Baby im Bauch töten, um selbst zu überleben? Müssen Schwangere diese grausame Entscheidung etwa heute immer noch treffen?
Dr. Michael Mallmann, Chefarzt Frauenklinik Köln-Holweide: Chemotherapie tötet sich schnell teilende Zellen. Und natürlich ist das Kind ein Organismus, was wächst und damit potenziell auch gefährdet ist.
Das erste Schwangerschaftsdrittel ist für die für eine Chemotherapie immer, immer und auch immer noch sehr, sehr kritisch.
Janina müsste also ihre lebensrettende Therapie nach hinten verschieben, um ihr Baby nicht zu gefährden. Aber als die Vorbesprechung für die Tumor OP mit dem Chirurgen ansteht, ist auf einmal für die 31-Jährige alles klar.
Janina: Dann kam auch schon der Oberarzt rein und hat schon diese Frage gestellt. Oder diese Aussage Von wegen Ja, überlegen Sie, ob Sie die Schwangerschaft abbrechen. Er konnte abbrechen, eigentlich gar nicht aussprechen. Also auf gar keinen Fall. Dieses Kind kommt auf die Welt. Komme was wolle. Dieses Kind wird leben.
Dr. Michael Mallmann: Im zweiten und im dritten Drittel der Schwangerschaft ist es weniger problematisch. Das Kind wird also etwas kleiner und manchmal müssen wir auch Kinder frühzeitig holen.
Aber Studien beweisen heutzutage, es ist möglich beide Leben zu retten.
Janina: Trotzdem ist diese Angst einfach da, dass halt irgendwas, irgendwas die Chemo doch macht, was man noch gar nicht weiß oder worauf man sich einfach nicht vorbereiten kann und wo man dann machtlos ist. Das ist das Schlimmste in dem Moment.
Während die meisten anderen Frauen nach der 12. Woche ihre Schwangerschaft genießen, nimmt Janina genau jetzt den Kampf gegen den Krebs auf. Sie lässt sich den Tumor in der Brust entfernen und beginnt mit der Chemo.
Janina: Als ich dann wirklich so die ersten Haare beim Durchfahren auch in der Hand hatte, mehr als üblich, hab ich gesagt jetzt ist Ende. Jetzt machen wir das runter.
Sich verstecken? Das kommt für Janina nicht in Frage. Und das, was jetzt kommt, ist nur einer von vielen Terminen, der beweist, wie sehr die Schwangere über sich hinauswächst.
Janina: Der erste Moment, wo es los ging mit dem Rasierer, saß ich da. Augen zu Hand festgehalten. Und dann höre ich und dann hat er da halt rumgemacht und dann mache ich die Augen auf. Sehe das im Spiegel und ich musste so lachen.
Aber klar, Janina hat schlaflose Nächte. Vor allem, weil ihr Freund sie auch noch verlässt. Damals kann sie sich nicht vorstellen, wie glücklich sie noch einmal werden wird. Und: Ob sie wirklich bald eine gesunde Tochter im Arm halten darf?
Janina: Meine größte Angst damals war, dass sie zu früh kommt und es deswegen nicht schafft.
Und tatsächlich – 7 Wochen vor dem Geburtstermin verschlechtern sich Janinas Blutwerte dramatisch. Sie hat kaum noch Fruchtwasser.
Janina: Und das war dann auch so der Moment wo ich dann wusste oh Gott, jetzt geht es entweder richtig gut oder es geht schief.
Jennifer: Bei dem Anruf, sagen wir mal so ich wäre am liebsten durch den Hörer gekrochen, hätte sie in den Arm genommen. Ich habe echt gebetet. Ich habe gezittert.
Die Ärzte machen einen Kaiserschnitt und wenig später Janina zur glücklichsten Mama der Welt. Tochter Jolina ist ein bisschen kleiner, aber zuckersüß und gesund.
Janina: Ich muss auch erst an mich halten. Das ich nicht in Tränen ausbreche. Weil ich einfach immer noch nicht glauben kann das alles wirklich so gut gegangen ist und das ist mir und der Kleinen jetzt so gut geht und das wirklich alles geschafft ist und dass das auch alles gut bleibt und ja und ich wirklich alles dafür tue, dass es auch so ist.
Und Mama Jennifer ist zum ersten Mal Oma.
Jennifer: Ich bin stolz. Sehr stolz.
Um ihren kleinen Liebling muss sich die frischgebackene Mama keine Sorgen mehr machen. Aber, was ist mit ihr selbst? Wird sie den Kampf gegen den Krebs gewinnen und den ersten Geburtstag ihres Kindes überhaupt erleben?
Janina: Mami. Du gehörst jetzt zu mir. Ich habe dich lieb. Du bleibst da. Ja. Ich gehöre zu dir. Ich halte dich fest. So. Ja, das ist auch mein Plan, dass ich da bleibe.
Ja, die erste Hürde hat Janina geschafft und Jolinas ersten Geburtstag groß gefeiert.
Aber heute – wieder ein halbes Jahr später – ist Janina erneut auf dem Weg zu ihrer Frauenärztin. Sie ist nervös, denn seit Wochen fiebert sie diesem einen Termin entgegen.
Janina: Ist noch mal was wiedergekommen? Und es ist vor so einem Termin immer so ein bisschen.
Ist die junge Mutter endlich krebsfrei? Oder findet die Ärztin wieder etwas?
Astrid Preiß: Etwas narbig verändertes Gewebe. Aber auf den ersten Blick sehe ich Gott sei Dank nichts Auffälliges. Etwas narbig verändert das Gewebe. Kein Anhalt dafür, dass irgendwie doch wieder ein Rezidiv entstanden wäre, also wieder ein Tumor entstanden wäre. Es ist alles bestens, so wie wir es uns das wünschen.
Janina: Sehr gut. Da bin ich erleichtert. Auch wenn ich mir vorher immer sagen ja, passt schon wird schon gut sein. Aber es ist dann trotzdem eine Riesenerleichterung, wenn man hört, dass immer noch alles gut.
Kein Krebs! Endlich kann Janina die Zeit mit ihrem kleinen Schatz unbeschwert genießen.
Janina: Was magst du? Hund, spielen, lesen? Okay, wir gucken mal was wir wollen.
Janina: Meine Tochter hat mir das Leben gerettet, mich aufgeweckt und mir wirklich ein neues Leben noch mal, noch mal geschenkt. Dass es genauso wird, habe ich mir nur erträumen können. Dass sie so wird, wie sie jetzt ist. Dass sie so viel aufholt. Ein unbeschreibliches Gefühl, dass sie so da ist, wie sie da ist, einen so angrinst, so schelmisch immer her, wenn sie so grinsend auf mich zugelaufen kommt und dann die Arme nach mir ausstreckt und dann Köpfchen ablegt und sich an mich kuschelt. Das dafür hat sich alles gelohnt. Ja, definitiv.
Auch Oma Jennifer ist glücklich - über ihre gesunde Enkelin und dass ihre Tochter so strahlt. Und das tut die 33-Jährige nicht nur, weil sie nach der harten Chemo wieder tanzen kann. Janina überrascht uns mit einer großen Neuigkeit.
Sie hat jemanden kennengelernt.
Janina: Und dann stand dieser Mensch einfach vor mir. Und zwar so BÄM. Am Anfang habe ich gedacht okay, wenn ich das jetzt erzähle, dann ist er gleich weg. Diese Szene. Klar, Kind ist schon mal ein Thema, das ist schon mal ein Päckchen. Wenn ich dann noch von der Geschichte, von der Krebsgeschichte erzählt, dann dann rennt er weg, dann rennt er schreiend davon.
Aber Valentin bleibt.
Valentin Lind, Betriebsleiter: Ich habe sie gesehen und ich habe eigentlich nicht an die Liebe geglaubt oder auch an die Liebe auf den ersten Blick. Aber dort war es tatsächlich um mich geschehen. Sie stärkt mir den Rücken. Sie ist für mich da und ich möchte für sie auch ein starker Partner sein und ein starker Mann. Und ihr natürlich auch den Rücken stärken und freihalten.
Was für ein Happy End – Janina hat tapfer gekämpft, nie den Mut verloren und heute kann sie mit ihrer GROßEN Liebe die langersehnte KLEINE Familie sein und voller Zuversicht ihr neues Leben beginnen.
Janina: Ich habe Krebs besiegt, einen richtig hässlichen Krebs. Ich habe ein Kind auf die Welt gebracht. Alleine. Ohne Partner. Und jetzt noch meinen Traummann gefunden zu haben. Jetzt wird es sehen. Alles gut. Jetzt ist alles perfekt. Ja, kann man so sagen.