Das Licht stimmt, die Frisur sitzt, und: Bitte lächeln!
Das perfekte Selfie ist im Kasten – oder etwa nicht?
„Wenn ich mich fertig gemacht habe morgens und denke: es geht ja noch und dann das Selfie mache… ne geht doch nicht."
„Ich bin nicht fotogen, auf Fotos wo wir beide drauf sind…demütigend."
„Im Spiegel finde ich mich besser als auf Fotos."
Die gute Nachricht: Sie sind damit nicht allein. Die Wissenschaft hat sogar einen Namen dafür: Mere- Exposure-Effekt, übersetzt: Effekt der wiederholten Darbietung. Der besagt: Dinge, die wir häufig sehen, finden wir mit der Zeit immer ansprechender – so ist das auch mit unserem „Spiegelverkehrten-Ich“, das uns mehrmals täglich begegnet. Denn:
„Das Gehirn kann bekannte Reize schneller verarbeiten, und das führt dann zu einem angenehmen Effekt …“
Zum Beweis starten wir ein kleines Experiment in unserer Redaktion. Wir zeigen Kollegen, ein normales und ein gespiegeltes Selfie von sich. Welches gefällt Ihnen besser und warum?
Jetzt drehen wir den Spieß um: Wir zeigen die gleichen Bilder anderen Kollegen – also aus der „echten“ Perspektive. Welches Foto überzeugt sie?
Fazit: Wir selbst mögen das Bild, das wir kennen – also das aus dem Spiegel. Andere bevorzugen das, was sie täglich sehen – unser echtes Gesicht. Der Mere-Exposure-Effekt schlägt hier also voll zu!
Übrigens - Auch andere Menschen, die wir im Alltag immer wieder sehen, kommen uns mit der Zeit sympathischer vor und ein Lied im Radio mögen wir beim zweiten oder dritten hören lieber. Aber, wenn der erste Eindruck sehr negativ ist, dann hilft auch die wiederholte Darbietung nichts mehr. Wer also beim ersten Mal keinen Rosenkohl mag, wird den auch häufigerem probieren nicht mögen.
Für alle, die regelmäßig an Selfies verzweifeln, bietet die Technik schon eine einfache Lösung: Beim Iphone einfach „Frontkamera spiegeln“ einstellen, bei Android passiert das schon automatisch. Aber auch andere kleine Tricks können helfen.
„Einfach mal Bilder aus anderen Perspektiven aufnehmen, anderes Licht, anderer Raum und auch mal Videos anschauen."
Und irgendwie ist es ja auch beruhigend zu wissen: Nicht unser Aussehen ist das Problem – sondern einfach nur die Macht der Gewohnheit