Die Gesamtschule Ückendorf in Gelsenkirchen. Mehr als neunzig Prozent der Schüler haben hier einen Migrationshintergrund.
„vier, fünf…sieben Kinder fehlen“
In der Alphabetisierungsklasse von Sylvia Richartz sind Kinder, die fast kein Deutsch sprechen können.
„Einen wunderschönen guten“ … „oder Bauchschmerzen“
„Mit so einem“ … „viele verschiedene Möglichkeiten“
Die Klasse ist eine von sechs „internationalen Förderklassen“. Das heißt, hier werden Kinder unterrichtet, die noch nicht lange in Deutschland leben. Dazu kommt, dass die Schüler kaum lesen und schreiben können – nicht mal in ihrer Muttersprache. Da muss man kreativ sein.
„Liegt. Was heißt liegt“ … „alle: sitzen, liegen. Gut“
„Den unbekannten Wortschatz“ … „das machen kann“
„Morgen.“ „Morgen“
Schulleiter Achim Elvert und Kollege Kamperhoff sind an diesem Morgen damit beschäftigt, den Mangel zu verwalten. Heißt: Lehrer ersetzen, die fehlen. Wenn das Telefon klingelt, ist das selten gut.
„Kamperhoff. Ok, aber“ … „halbbetreut aufhalten“
Wenn die Vertretung der Vertretung auch vertreten werden muss, ist Unterrichtsausfall die einzige Lösung. Szenen wie diese: An deutschen Schulen ganz normal.
„Also von der“ … „eine ganze Menge“
Unterrichtsausfall - In Zukunft wohl eher die Regel als die Ausnahme.
In zwei Jahren fehlen voraussichtlich 35.000, fünf Jahre später schon doppelt so viele Lehrer. 2035 können vermutlich sogar 76.000 Stellen nicht besetzt werden. Und: der Bedarf steigt womöglich. Zum Beispiel, wenn noch mehr schulpflichtige Kinder aus der Ukraine nach Deutschland kommen.
Lehrer fehlen nicht erst seit gestern. Doch Weitsicht gehört nicht zu den Kernkompetenzen der Politik.
„Das Problem Lehrermangel“ … „keinen Lehrermangel gab“
Hinzu kommt: Lehrer reißen sich nicht darum im Brennpunkt Gelsenkirchen zu arbeiten. In keiner anderen deutschen Großstadt leben so viele Kinder in Armut. Die Folge hoher Arbeitslosigkeit. Denn auch in der Erwerbslosen-Statistik steht Gelsenkirchen ganz oben.
Engagierte Lehrkräfte gibt es an der Gesamtschule Ückendorf dennoch. Und zwar nicht trotz, sondern wegen der großen Herausforderungen. Eine von ihnen: Songül Yavuzaslan.
„Ich war vorher“ … „hier helfen möchte.“
„Stellt ihr euch“ … „mit drei bitte“
Kreide und Hefte sind hier eigentlich „oldschool“.
Gelernt wird mit schuleigenen Ipads. Dass es trotzdem nicht rund läuft, liegt nicht an der Technik.
„Mehdi vergisst regelmäßig“ … „gar nicht arbeiten“
Songül ist froh, wenn die Kinder überhaupt kommen. Meist ist nur die Hälfte der Klasse da.
„Aus Bildungsfernen Familien“ … „zur Schule gehen“
Dabei haben die Teenie Schüler dieser Klasse durchaus Wünsche und Ziele – nur ist ihnen nicht ganz klar, was dafür nötig ist. Träume und Realität klaffen weit auseinander…
„Ich möchte gerne“ … „Realschule ich glaube“
„Also ich will“… „ok Abitur”
Ziel der Förderklassen ist es, die Kinder für die Regelklassen fit zu machen. In nur einem Jahr sollen sie aufholen, wofür andere vier Grundschuljahre Zeit hatten. Eine unlösbare Aufgabe. Mit Frust auf beiden Seiten.
„Joana, was gabs“ … „ja mal anfangen“
„Ich weiß nicht genau“ … „das ist schade“
Sprache ist der Türöffner zur Integration. Wie schwer sie zu lernen ist, zeigt sich jeden Tag.
„…um jeden Tag frustriert rauszugehen aus der Schule.“
Schule Anno 2023 – Herausforderung an allen Ecken und Enden – das System überfordert – auf Kosten unserer Kinder – zum Glück gibt es Menschen wie Sylvia Richartz und Songül Yavuzaslan, die unsere Zukunft nicht aufgeben!