In Wolfsburg-Fallersleben sind die Schweine los. Seit dem Herbst vergangenen Jahres sind sie in Wohnsiedlungen unterwegs und treiben ihr Unwesen. Hier gibt es keine Grünfläche, die nicht von den Wildschweinen auf der Suche nach Nahrung auf links gedreht wurde. Ganz zum Unmut der Anwohnerinnen und Anwohner.
{O-Ton Helmut Krüger, Anwohner [28:02-28:17]}
Wir haben jahrelang im Grunde genommen nebeneinanderher gelebt, ohne dass großartig was passiert ist. Dass hier Wildschweine in der Nähe sind, wussten wir schon immer. Nur in den letzten Monaten hat sich das natürlich ganz schön geändert.
Mittlerweile kommen die Tiere nämlich ein wenig ZU nah, teilweise bis vor die Haustür. Neben den verursachten Schäden vor den Wohnungen haben viele Menschen hier auch ein wenig Angst.
{O-Ton Helmut Krüger, Anwohner [29:55-30:20]}
So unbedingt die Bekanntschaft mit einem Wildschwein oder auch mit einer Rotte möchte ich nicht machen, sage ich ganz ehrlich, denn man weiß ja, dass das nicht so ganz ungefährlich sind, gerade wenn Jungtiere dabei sind oder auch sogar Frischlinge.
Aber warum feiern die Wildschweine gerade hier im Wohngebiet mittlerweile fast tägliche Sausen?
{O-Ton Ralph Schräder, Vorsitzender Jägerschaft Wolfsburg [02:52-03:13]}
Wolfsburg ist eine sehr grüne Stadt und da hinten sind quasi in diesen Bereichen wirklich Wildschwein-super-Lebensräume und da sind die tagsüber, verstecken sich sozusagen, ruhen sich aus und abends suchen sie hier eben nach Engerlingen und alles, was sie im Boden haben Regenwürmer, Mäuse fressen sie gern und eiweißreiche Kost und das ist hier in diesen Wiesen vorhanden.
Trotzdem können die Tiere hier nicht bleiben. Sie abzuschießen sei aber auch keine Lösung, sagt Ralph Schräder von der Jägerschaft Wolfsburg.
{O-Ton Ralph Schräder, Vorsitzender Jägerschaft Wolfsburg [01:47-02:08]}
Das Bejagen ist hier aus Gefährdungsgründen fast nicht möglich. So eine Kugel kann sechs Kilometer weit Menschen töten oder andere Lebewesen. Dann sind hier überall Straßen, da hinten die Autobahn sehr nah. Und wenn Tiere beschossen werden, rennen die blindlings weiter, die nicht getroffen sind und würden auf die Straße rennen und schwere Unfälle verursachen.
Und auch sonst sind die Möglichkeiten, die Wildschweine fernzuhalten, sehr begrenzt. Schon bei einer Ortsratssitzung im November wurde diskutiert.
{Texttafel – Ortsratssitzung Fallersleben/Sülfeld vom 14.11.2023 }
„Es bestand Einigkeit darüber, dass die Bedingungen vor Ort für das Schwarzwild unattraktiver gestaltet werden sollten. Dies könnte durch Rückschnittmaßnahmen erfolgen. Bei Wegfall der Naturverjüngung fehlt dem Schwarzwild die Möglichkeit der Deckung. Erfahrungsgemäß würden die Wildschweine dann die Fläche verlassen.“
Getan hat sich seitdem aber so gut wie nichts. Deshalb greifen die Anwohnerinnen und Anwohner zu eigenen, eher ungewöhnlichen Mitteln.
{SITUATIV Heidi Krüger, Anwohnerin [33:43-34:21]}
Das hier zum Beispiel ist ein Tipp, den ich von einem Förster bekommen habe. Sie mögen ja nicht so gerne Menschen. Da habe ich mir vom Friseur eine ganze Plastiktüte Menschenhaare organisiert. Die haben auch gesagt, ich könnte mir jederzeit wieder welche holen und dann in die Strümpfe zu stecken und die überall aufzuhängen. Wir haben ja hier auch in der Nähe eine Hainbuchenhecke ganz frisch gepflanzt und die wollten wir auch schützen, dass die da nicht durchmarschieren. Aber leider hat es nur für ein paar Tage gehalten und die sind, glaube ich, mittlerweile so sehr an Menschen gewöhnt, dass sie das auch nicht mehr abschreckt.
Und deswegen müssen die Anwohnerinnen und Anwohner erstmal wohl oder übel mit der Schweinerei in ihren Grünanlagen leben. Bis eine passende Lösung gefunden wird.
{O-Ton Nathalie Möller & Jana Röhsner, Anwohnerinnen [27:43-27:49]}
Wir müssen sehen, was die Stadt sich einfallen lässt und uns überraschen lassen. Im Zweifel sehen wir uns nächstes Jahr wieder.
Und solange geht es in den Vorgärten in Fallersleben weiterhin wild zu.