Für Familie Casanova sollte der Hauskauf hier in Bremerhaven das Glück perfekt machen. Doch ihre Umzugskartons packen sie nie ganz aus. Das war 2021. Unser Reporter will wissen, wie es Ihnen inzwischen geht. Was ist seitdem passiert?
Also seit dem letzten Treffen vor anderthalb Jahren sind ein paar Gutachter hier zu uns ins Haus gekommen, haben ein paar Proben gemacht. Aber so großartig ist nichts passiert.
Insgesamt haben Maria und Joao Casanova rund 240.000 € in ihren Traum vom Eigenheim investiert. Alles fing so schön an!
Das war für uns im ersten Blick schon in Ordnung, was wir da eigentlich kaufen. Also wir haben ein Urvertrauen gehabt, weil wir schon ein gutes Vertrauensverhältnis zu unserer Hausbank hatten. Wenn das wirklich alles so gut aussieht, es ist ja auch saniert, Da kann euch eigentlich gar nichts schief gehen. Da habt ihr wirklich einen guten Fang gemacht.
Das Haus wurde im Exposé als Kern saniert angeboten, ein gepflegtes Einfamilienhaus, 100 Quadratmeter Wohnfläche angeboten über eine Bank. Die Casanovas kaufen das Haus, bauen ein bisschen um und ziehen ein. Aber dann beginnt der Albtraum. Die Wände sind feucht, es breitet sich Schimmel aus.
Es ist wirklich ein Traum zerplatzt und wir können einfach nicht mehr in so einem Haus irgendwie wohnen. Es funktioniert einfach nicht mehr. Es sind viel zu viele Schäden.
Die Casanovas wollen ihr Geld zurück. Doch das ist gar nicht so einfach. Tim Tiemann ist Architekt und Sachverständiger für Schäden an Gebäuden. Begutachtungen wie diese sind sein tägliches Geschäft.
Von Südwesten, da wo die Sonne untergeht, da kommt immer ordentlich drauf. Der Regen fließt dann hier runter und dringt dann hier meistens dann auch nach dort schön in den Ecken ein. Da haben wir keine Versiegelung oder so und vor allen Dingen haben wir hier oben drauf ist das Styropor von der das blaue Perimeter Dämmung Styropor. Das ist ja ganz okay, aber es fehlt die Abdichtung hier oben drauf. Hier kannst du reindrücken mit dem Finger und das Wasser geht dann hier unten drunter. An den Seiten an den Wänden steigt es dann auf. Hier müssen wir so eine vernünftige Metall Fensterbank draufsetzen. Alles schön abdichten oder alternativ vorher eben noch mit Flüssig Kunststoff abdichten, damit das alles dicht ist und da nicht noch Wasser eindringt.
Weiter geht es zum Anbau.
Hier sind ein paar Risse drin. Das klappt ab. Das ganze Ding. Der Anbau hier. Okay, okay, Können wir so lassen. Müssen wir nur immer schön verspachteln, damit solche breiten Fugen nicht mehr Wasser eindringen, als bei der trockenen Phase wieder raus diffundiert.
Kurz nach dem Umzug ins neue Haus bemerkt Joao Casanova, dass die Wände sehr feucht sind. Tiemann misst nach.
Und dann geht er hoch auf. 89 94, also 90. Heftig. Offiziell ist das ein Nasenwert. Von 90 habe ich ihn aufgeschrieben und so ab 75 ist nass. Und es ist nicht nur im Sockel Bereich, sondern wir haben das. Bei dieser einen Trennwand, die eigentlich völlig trocken sein müsste, haben wir sogar in Kniehöhe bei 73. Hier ist es sogar wieder feucht. 94. Ganz dubios. Bis 2 Meter Höhe ist alles nass. Heftig. Also, ich habe schon viel gesehen, aber das noch nicht.
Hier wollte es sich die Familie auf 100 Quadratmetern gemütlich machen. Eigentlich. Doch viele der Umzugskartons bleiben unausgepackt. Tim Tiemann kommt am Ende der Begutachtung zu einem verheerenden Urteil zum Zustand des Eigenheims.
Ich kann nicht schätzen, dass Sie hier bestimmt noch mal insgesamt mit dem, was Sie jetzt schon reingesteckt haben, irgendwann mal zwischen 50 und 100.000 € reingesteckt habt oder haben werdet.
In seinem Gutachten wird Tim Tiemann später schreiben Der Zustand des Hauses entspricht nicht einer zugesicherten Kernsanierung. Die meisten Mängel müssen den Vorbesitzern anhand der Symptome mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit bekannt gewesen sein. Dafür, dass.
Es saniert ist, Es passt nichts mehr. Wir müssen wirklich viel renovieren, sei es sanieren, Ähnliches. Für das Geld hätten wir auch komplett neu bauen können.
Trotzdem geben Sie nicht auf, wollen Ihr Geld zurück und haben eine Anwältin eingeschaltet. Sie geht davon aus, dass der Kaufvertrag ungültig ist, da das Haus zu viele Mängel habe.
Anhand der Massivität der hier vorliegenden Mängel ist ganz klar ein solcher neuwertigen Zustand nicht gegeben.
Der Traum von den eigenen vier Wänden ist zerplatzt. Jetzt leben sie wieder zur Miete.
Wir haben uns das ja wirklich gut vorgestellt, haben gedacht, das Kind wird da groß und jetzt wieder in eine Wohnung zu ziehen. Horror.
Den Casanovas geht es jetzt nur noch um Schadensbegrenzung und um Gerechtigkeit.
Also wenn wir jetzt reingehen, dann brauchen wir auf jeden Fall eine Maske. Es ist nicht besser geworden, sondern wirklich schlimmer.
Das bemerkt auch unser Reporter Markus Worse schon im Hausflur.
Oh ja.
Das riecht ja selbst mit Maske sehr, sehr streng, schimmlig und muffig. Meine Güte. Krass.
Ja, das ist wirklich sehr intensiv.
Das ist ja alles noch viel, viel schlimmer geworden.
Hinter der Tür haben die Bauarbeiter halt eine Öffnung gemacht. Das haben wir ein paar Mal hier im Haus vom Gutachter bestellt. Es ist alles feucht.
Also der Schimmel ist definitiv mehr geworden und zwar richtig mehr.
Und dabei lüfte ich auch öfters. Also ich muss wirklich. Jeden zweiten Tag bin ich hier und lüfte.
Man sieht es ja auch hier. Das ist ja auch deutlich mehr geworden als beim letzten Mal.
Wer hat Schuld an dieser Schimmelkatastrophe? Das sollen und müssen die Gutachter klären.
Der Boden hier immer noch sich sieht nicht bewohnbar aus. Man merkt richtig die Feuchtigkeit hier drin. Es ist richtig kalt. Um. Um. Um die Arme. Und mir beschlägt auch die Brille permanent.
Die Mängelliste im Haus wird immer länger.
Die Heizung ist kaputt, verliert auch dementsprechend Wasser. Dementsprechend muss ich es immer wieder nachfüllen. So wie jetzt.
Maria und Joao Casanova geben nicht auf und kämpfen weiter um ihr Recht und ihre Zukunft.