Die Begegnung mit Michel Erik R. - für Hannah sollte sie eine Zäsur in ihrem Leben werden, die sie nie für möglich gehalten hätte - obwohl sie den mutmaßlichen Serienvergewaltiger nur ein einziges Mal getroffen hat. Doch vorher hatte der heute 34-Jährige sich wohl in wochenlangen Chats systematisch Hannahs Vertrauen und Zuneigung erschlichen:
"Das ging ja von einem `Guten Morgen`, dann über den Tag verteilt irgendwelche Gespräche, bis hin zu einem `Gute Nacht`- und das über Wochen hinweg, jeden Tag. Wir haben uns sehr gut verstanden, wir waren uns eigentlich sehr sympathisch. Ich hätte ihm sowas tatsächlich auch nie zugetraut"
Doch der Erfurter Security-Mann versteckt sein wahres Gesicht nicht nur unter immer mehr Tattoos: Mindestens 17 Frauen soll er zwischen 2013 und 2023 mit K.o.-Tropfen betäubt, verschleppt, gefilmt und vergewaltigt haben.
An Hannah soll er sich nach einer Halloween-Party Ende 2022 vergangen haben. Vom Abend selbst weiß sie so gut wie gar nichts mehr, als sie am nächsten Morgen in seiner Wohnung wieder zu sich kommt:
"Dann da in Unterwäsche aufzuwachen, in einem Bett, das gar nicht mehr bezogen war, war einfach ganz komisch. Das war ein ganz ekelhaftes Gefühl, weil ich wusste, dass irgendwas nicht gestimmt hat, aber ich konnte eben auch nichts sagen."
Hannah versucht zunächst trotzdem, diese Nacht zu vergessen. Erst, als Michel Erik 2023 wegen einer ganzen Reihe solcher Geschichten endlich ins Visier der Behörden gerät, traut auch sie sich zur Polizei - wo sie sich selbst auf zahlreichen Nacktbildern identifizieren muss, die Michel Erik damals heimlich von ihr gemacht haben soll. Da geht in Hannah innerlich etwas kaputt:
"Ich habe Probleme mit meinem eigenen Körper, weil ich eben auf den Bildern so gesehen habe. Ich hasse meinen Körper! Ich schrubbe meinen Körper ständig ab, um dieses ekelhafte Gefühl loszuwerden!
Für mich ist das einfach nur ein Monster. Er hat so viele Leben zerstört, also, ich möchte, dass dieser Mensch Frauen nie wieder begegnen kann, auf öffentlicher Straße."
Sollten die Vorwürfe gegen Michel Erik R. zutreffen, könnte es im Falle einer Verurteilung sogar zu einer Sicherungsverwahrung kommen. Dann könnte er wohl nie wieder einer Frau etwas antun. Seine bisherigen Opfer aber werden die schrecklichen Übergriffe wohl nie vergessen können.