Eines Vorweg. Im offenen Sterninterview beantwortet Til Schweiger die Frage, ob er ein Alkoholiker sei mit einem klaren „Nein“. Es gehe dem Schauspieler viel mehr darum, SEIN gesundes Maß zu finden. Psychologin Rüya Kocalevent (sprich Rüjah Kokalevent) weiß, ab wann der Konsum eine Sucht ist.
Man vernachlässigt Freunde, Familie, Job oder Schule um eben an den Alkohol ranzukommen.
So ging es auch Jenny Guttmann aus Haan. Bis vor 4 Jahren gehört der regelmäßige Rausch durch Alkohol am Wochenende einfach dazu.
Ich hab gar nicht mehr in den Spiegel gucken können. Ich hab mich… will nicht sagen verachtet.. das wäre zu krass.
Aber eben doch geschämt. Erst trinkt sie weniger. Dann der nächste Schritt.
Jenny Guttmann
Von dem Punkt jetzt muss ich verzichten zu hä – ich verzichte ja gar nicht, Alkohol nicht zu trinken ist ja gar kein Verzicht.
Heute hilft sie anderen Abhängigen per Coaching. So auch Laura, ihren Namen haben wir geändert. Seit 3 Jahren trinkt sie nicht mehr. Das ist mal leichter, mal schwieriger. Vor allem wenn man Alkohol als Fluchtmittel genommen hat.
… das gelingt in gewissen Fällen nur wenn man kompetente Hilfe hat.
Hilfe kann nie schaden! Egal, ob man seine Abhängigkeit bekämpfen will oder wie Til Schweiger nur seinen Konsum verändern will. Der Schauspieler hat die Faustregel: nach 2 Gläsern ist Schluss. Für wie sinnvoll halten Suchtberater diese Regel?
OT Dr. med. Manfred Lütz
Wenn sie alkoholabhängig sind , dann können Sie das in der Regel nicht nach zwei Gläsern einfach aufhören . Wenn Sie kein Alkoholiker sind , dann magister das eine gewisse Zeit lang funktionieren .
Also nicht für jeden durchführbar. Ist man erstmal süchtig, sind die Lösungsansätze so wie der Weg zur Sucht selbst – ganz verschieden.
OT Dr. med. Manfred Lütz
Also wenn man schwer alkoholabhängig ist , dann macht man zunächst eine Entgiftung . Das ist unter ärztlicher Kontrolle , damit man keine schweren Entzugserscheinungen hat.
Wichtig ist , in einer Selbsthilfegruppe zum Beispiel zu gehen , wo andere Leute sitzen , die auch Erfahrung damit haben.
Laut Statistik trank jeder von uns 120 Liter Alkohol im vergangenen Jahr. Zum Vergleich: Softdrinks liegen nur einen Liter drüber. Eine erschreckend hohe Zahl, die aber in unserer Gesellschaft nicht verwundert. Denn…
Rüya
Alkohol ist ein beliebtes Suchtmittel, weil die Verfügbarkeit sehr groß ist. Und weil wir einen gesellschaftlichen Konsens haben, weil das zum Feiern dazu gehört. Und das sollte man mal hinterfragen.
Dennoch: hin und wieder mal ein Glas ist nicht verwerflich. Und so bleibt das gelegentliche Anstoßen auch immerhin was Besonderes.